01.09.2016, 12:00 Uhr

Könnten Menschen eines Tages wieder Eier legen?

Das Forscherteam: Mark Sutherland, Henrique Leitao, Megan Layton und Hans Recknagel (2. von links) (Foto: Geo Park Dellach)

Ein Forschungsprojekt im GeoPark Karnische Alpen widmet sich den lebendgebärenden Bergeidechsen.

DELLACH. Im Geopark Karnische Alpen sind nicht nur Geologen wegen der Einzigartigkeit der Gesteine unterwegs. Auch die Tierwelt kann mithalten.
Deswegen nehmen diesen Sommer drei Studenten der Universität Glasgow unter der Leitung von Hans Recknagel die Karnischen Alpen zwischen Zollner Alm und Hochwipfel genau unter die Lupe. Denn einzigartig in Europa kommen hier Bergeidechsen vor, von denen sich die eine Linie lebendgebärend und die andere eierlegend fortpflanzt. Sonst sind sie südlich der Alpen eierlegend und nördlich der Alpen lebendgebärend.


Fortpflanzung an die Umgebung angepasst

Die lebendgebärende Fortpflanzung ist eine Anpassung an kalte Umgebungstemperaturen, denn damit wird die Entwicklung der Nachkommen im geschützten Mutterleib unabhängig von der Außentemperatur durch die Eier erfrieren können. Deswegen sind viele der in den Alpen heimischen Reptilien lebendgebärend. Prominente Beispiele sind die Blindschleiche, die Kreuzotter und die auch in Kärnten heimische Bergeidechse.
Die Studenten interessiert nicht nur welche Fortpflanzungsart vorteilhafter ist. Sie wollen mit ihren Untersuchungen eines der vielleicht größten Rätsel der Evolution lösen: die Entstehung vollkommen neuer Merkmale wie zB. den Sprung von eierlegender zur lebendgebärender Fortpflanzung.

Von eierlegenden Linie abgespalten

Die lebendgebärende Bergeidechsenlinie hat sich erst in den letzten Millionen Jahren von der eierlegenden Linie abgespalten, evolutionär gesehen ist dies ein sehr junger Zeitraum. Beide Formen sind dementsprechend eng miteinander verwandt, und können sich auch miteinander paaren. Und gerade diese Paarungen sind für Evolutionsbiologen am interessantesten.

Zwischenform


So schwer verständlich auf den ersten Blick klingt: Paaren sich eine ovipare und eine vivipare Bergeidechse, sind die Nachkommen weder lebendgebärend noch eierlegend. Es entsteht eine Zwischenform: Die Weibchen legen Eier mit einer dünnhäutigen fast durchsichtigen Schale ab. Und die Embryonen werden vom Forscherteam genauer genetisch untersucht, um herauszufinden, welches Gen oder welche Gene entscheiden, ob eine Bergeidechse Eier legt oder lebend gebärt.
Eine weitere spannende Frage leitet sich hier ab, nämlich ob dieselben Gene beim Säugetieren vorkommen. Könnten Menschen sogar eines Tages „wieder“, wie ihre einstigen Vorfahren, Eier legen?
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