13.07.2016, 07:00 Uhr

Paragleiter dürfen nicht mehr fliegen

Dreiländereck: In roten Lettern prangt an der Talstation der Bergbahn: Paragleiter verboten! (Foto: KK)

Dreiländereck: Nachbarschaft Seltschach verbietet Paragleitern das Fliegen.

DREILÄNDERECK. Der Traum vom Fliegen auf dem Dreiländereck scheint sich für die Anhänger des Flugsports Paragliding ausgeträumt zu haben. Seit kurzem befindet sich bei der Talstation der Dreiländereck-Seilbahn ein Verbotsschild: „Paragleiten verboten“ prangt auf diesem. Veranlasst wurde das über die Nachbarschaft Seltschach unter dem Obmann Valentin Koller. Die Nachbarschaft, welche Grundanteile am Dreiländereck hat, hat den Betreiber der Bergbahnen, Wolfgang Löscher, angehalten, das Verbotsschild anzubringen. Löscher hat nichts gegen die Paragleiter, sieht sich aber in der Verpflichtung, das Verbot auszuweisen.


Widerstand

Mit dem Gegenwind der Seltschacher Nachbarschaft haben die Gleitschirmsportler keine rechte Freude. Seit Jahren gibt es eine kleine Gruppe von Paragleitern, die regelmäßig vom Berggipfel in die Lüfte starten. Nun hat es sich ausgeflogen. „Wir wollen die da oben nicht“, kommentiert Obmann Koller kurz und bündig und argumentiert: „Dort, wo die Paragleiter starten, befindet sich in unmittelbarer Nähe der Stall für das Almvieh. Die Tiere werden durch die Sportler in ihrer Ruhe gestört.“

Nicht nachvollziehbar

Für die Flugsportler ist das nicht nachvollziehbar: Herr X (er möchte anonym bleiben) sagt: „Wir richten keinen Schaden an und stören das Almvieh nicht mehr oder weniger als andere Touristen – Wanderer oder Mountainbiker etwa, die dort in höherer Frequenz und größerer Menge vorkommen als wir. Zehn Schritte, und wir sind in der Luft.“ Herr X vermutet persönliche Gründe: „Wir sind für die Nachbarschaft Touristen dritter Klasse. Der Zorn richtet sich gegen uns und unsere Art des Sports.“
Herr Y (auch er will namentlich nicht genannt werden) sagt: „Wenn ein Berg für Touristenzwecke genutzt wird, warum sind wir Paragleiter dann eine Bedrohung? Es ist schade, dass man uns nicht mehr erlaubt, zu fliegen. Für uns liegt das Gebiet direkt vor der Haustüre.“ Die Nachbarschaft kann bei Nichtbefolgen die Sportler auf Besitzstörung klagen. Denn grundsätzlich kann das Paragleiten (Starten) dort verboten werden.


Wirtschaftlicher Verlust

Für Bürgermeister Kessler wäre es vor allem ein wirtschaftlicher Verlust. „So eine Aktion ist ein großer Imageschaden. Das enstpricht nicht den Vorstellungen einer modernen Gemeinde. Wir kämpfen für den Erhalt der Bergbahn. Solche Widerstände sind für die Belebung des Tourismus nicht besonders förderlich.“
Die Sache dümpelt schon einige Jahre dahin. In der Vergangenheit haben sich beide Lager etliche Male wegen des leidigen Themas zur Aussprache getroffen. Es gingen auch einige Schreiben der Nachbarschaft an die Flugsportler, mit dem Ersuchen, das Freizeitvergnügen zu unterlassen. Ein Konsens, der für beide Parteien tragbar wäre, wurde bis dato nicht gefunden. Offen bleibt die Frage, warum das Verbots-Schild ausgerechnet jetzt aufgestellt wurde. Vor wenigen Tagen haben sich Kessler und Löscher wegen der Causa getroffen. Wie sich die Sache entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Paragleiter müssen vorerst auf andere Gebiete, etwa auf den Monte Lussari bei Tarvis, ausweichen.
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