27.04.2016, 00:00 Uhr

Race-Copter: Gailtaler hebt mit genialer Technik für Drohnen ab

Klaus Krieber baut sich seit vielen Jahren seine Sportgeräte aus Carbon selbst.

LATSCHACH (jost). Zuerst waren es Snowboards und Surfbretter, später Mountainbikes und Buggys, die Klaus Krieber selbst baute. Neuerdings auch Flugdrohnen. Alle diese Sportgeräte haben eines gemeinsam: Sie sollen technisch perfekt und möglichst leichtgewichtig sein. Kohlefaser-Werkstoffe sind daher der optimale Baustoff, wenn es um hohe Stabilität bei geringstmöglichem Eigengewicht geht. Diese Tatsache ist für den 55-jährigen IT-Techniker aus Latschach am Presseggersee seit vielen Jahren Motivation und Triebfeder für sein High-Tech-Hobby. Nicht verwunderlich, dass der vierfache Familienvater den Großteil der Freizeit in seiner heiß geliebten Werkstätte verbringt.

Race-Copter aus Kohlefaser

Frei nach dem Leitsatz „es gibt nichts, was man nicht verbessern könnte...“ konzentriert sich der gelernte HTL-Techniker seit nunmehr drei Jahren auf den Bau von Carbon-Monocoques für Race-Copter. Krieber: „Weltweit entwickelt sich das wettbewerbsorientierte Fliegen mit Hochgeschwindigkeits-Coptern rasant. FPV-Racing (First Person View, frei übersetzt „erste Reihe fußfrei“) nennt sich diese neue, spektakuläre Sportart, die auf speziellen Hindernis-Parcours geflogen wird. Ähnlich wie beim Modellfliegen steuern die Piloten ihre schnellen Geschosse mit einer Fernsteuerung vom Boden aus. Allerdings mit dem Unterschied, dass sie das mit einer entsprechenden Videobrille tun, die die Signale der im Kopter eingebauten Onboard-Kamera empfängt. Somit sieht der Pilot „live“, was sein Copter sieht. Vergleichbar mit den Live-Bildern bei Formel-Eins-Rennen. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometer ist ein gewisser Adrenalinpegel für die Copter-Piloten garantiert. So gesehen ist FPV-Racing im Copter-Sport die Königsklasse!“

Epoxiharz und CNC-Technologie

Zur Herstellung der verschiedenen Carbonfaser-Bauteile werden Kohlefaser-Gewebe, die man in Rollenbreiten von meist einem Meter und in den Stärken von 60 bis 600 Gramm/m2 bekommt, vorerst in Epoxiharz getränkt und – je nach Verwendungszweck – schichtweise übereinandergelegt, bis die gewünschte Fertigstärke erreicht wird. So entstehen entweder Platten in verschiedenen Stärken, oder dreidimensionale Gebilde nach Plan. Die Aushärtezeit nach dem Verpressen bzw. nach dem Modellieren beträgt etwa 50 Minuten. So hergestellte Halbfabrikate werden dann in weiteren Arbeitsschritten mittels einer CNC-Anlage entsprechend beschnitten, gefräst, gebohrt sowie anschliessend auf Wunsch lackiert, beschriftet usw. Carbonmaterialien sind gewichtsmässig etwa mit Aluminium vergleichbar, haben aber die drei- bis vierfache Zugfestigkeit von Stahl!

Race-Copter

Aktuell baut Krieber viermotorige Race-Copter der Serie 280 (das bedeutet 280 Millimeter Diagonal-Achsmaß). Das Startgewicht dieser Geräte hat ca 400-500 Gramm, die vier Motoren sind mit jeweils dreiflügeligen Rotorblättern ausgestattet. Als Energiequelle dient ein Akku-Paket mit 14 Volt.
Für Race-Copter gibt es weltweit mehr und mehr Parcours, auf denen jeweils meist vier Piloten gleichzeitig leidenschaftlich um Positionen und Hundertstelsekunden kämpfen. Die weltweit besten FPV-Piloten tragen klingende Namen wie etwa „Metaldanny“ oer „Charpu“. Krieber ist stolz darauf, dass inzwischen Copter-Kollegen aus USA (Drone National Bewerbe) oder aus Schweden auf seine speziellen „Viper“-Monocoques setzen, deren hohe Stabilität sich in Fachkreisen bereits herumgesprochen hat.

Klare Ziele

Nach seinen Zielen befragt, erklärt der erfahrene HTL-Ingenieur: „Ich möchte weiterhin gute, ausgeklügelte Monocoques für Top-Piloten bauen, aber auch mein eigenes FPV-Fliegen schrittweise verbessern bzw. perfektionieren. Eine weitere Cchallenge wäre es, auch in Österreich eine Comunity aufzubauen, in der Gleichgesinnte ihre Erfahrungen und/oder Neuigkeiten austauschen können.
Racecopter-Fliegen lässt sich ein wenig vergleichen mit Four-Cross beim Schifahren, wo es auch darum geht, entlang eines vorgegebenen Parcours alle Hindernisse bestmöglich zu bewältigen und als Erster über die Ziellinie zu fahren...“

Zur Person

Klaus Krieber – Geburtsjahr 1960 – wohnhaft in Latschach am Presseggersee.
Ausbildung: BORG Hermagor und HTL Wien Schellinggasse.
Verheiratet mit Christine, vier Kinder im Alter von 16 bis 28 Jahren.
Brotberuf: Leiter der IT-Abteilung in der Stadtgemeinde Hermagor-Presseggersee.
Leidenschaft: Bauen und Betreiben von Kohlefaser-Sportgeräten.
Hobbys: Singgemeinschaft Oisternig und ProjEggt-Initiator.
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