22.03.2016, 07:45 Uhr

Waldarbeit mit einer Pferdestärke

Ein eingeschworenes Team beim Rücken, der Holzernte mit Pferd: Ludwig Lackner und sein Noriker Thun (Foto: Privat/Lackner)

Ludwig Lackner lässt Holzernte nach alter Tradition wieder aufleben.
Von Iris Zirknitzer

SUSSAWITSCH. Schnaubend, am ganzen Körper dampfend, jeden Muskel angespannt, zieht Thun Baumstämme hinter sich her. An seiner Seite Ludwig Lackner. Lackner betreibt Durchforstung nach alter Tradition – das sogenannte Pferderücken. Noriker-Wallach Thun ist Ludwigs verlässlicher vierbeiniger Partner dabei. Der stattliche 1-PS-Kraftprotz ist für diese Art der Holzbringung im Wald ausgebildet. Die Pferderückung war bis vor mehr als 60 Jahren die übliche Art, Holz aus dem Wald zu transportieren. Dann haben leistungsstarke Maschinen nach und nach die Pferde ersetzt. Seit geraumer Zeit besinnt man sich wieder auf diese Form der Holzernte und räumt ihr wieder mehr Stellenwert ein. So auch im Gailtal.

Projekt gegründet

1996 hat Lackner gemeinsam mit Wolfgang Schöller, Christoph Buchacher und Daniel Haberle das Projekt „Waldpflege auf vier Hufen“ gegründet. „Wir wollten die Technik des Pferderückens wieder aufleben lassen“, erklärt Lackner, der Kopf der Truppe. In ganz Kärnten sind der Landwirt aus Sussawitsch und seine Kollegen mit den Vierbeinern beim Holzrücken unterwegs. Mit bis zu acht Pferden können die vier Gailtaler ausrücken. "Bei guten Bedingungen holen wir bis zu 20 Festmeter Holz pro Tag aus dem Wald“, so Lackner.

Mittels Rückewanne können vier bis fünf Stämme mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern transportiert werden. Die Pferde können eine Rückewanne mit bis zu rund 500 Kilogramm Gewicht ziehen. Noriker sind aufgrund ihrer körperlichen Konstitution, der Zugkraft und wegen ihres guten, sanftmütigen Charakters für das Rücken besonders geeignet. Lackner: „Der Arbeitswille und das Leistungsvermögen müssen ausgeprägt sein.“


Charakter ausschlaggebend

Pferderückung macht Sinn, wo ein Maschineneinsatz unrentabel oder zu aufwendig ist. Daher erfolgt der Einsatz in Durchforstungsbeständen oder bei der Erstdurchforstung. Die Hauptklientel sind Kleinwaldbesitzer mit bis zu fünf Hektar Grund. Die Rückekosten liegen pro Festmeter bei rund 30 Euro. Gearbeitet wird auf Stundenbasis. Die Nachfrage ist durchaus gegeben. Der Markt wäre da. Mittlerweile ziehen viele Interessenten die Alternativmethode der maschinellen Holzernte vor. Durch diese Technik wird der Wald geschont. Das Rückearbeiten mit Pferden verursacht gegenüber maschineller Rückung weniger Schäden am Bestand und auf den Verjüngungsflächen: „Ein Harvester braucht zum Arbeiten Platz von vier bis fünf Meter. Pferde bilden keine durchgehende Sperrlinie, wie das bei schweren Maschinen der Fall ist. Diese hinterlassen eine durchgehende Fahrspur, das zerschneidet die Rohhumusschicht“, erklärt Lackner.

Wertvolle Ergänzung

Die Pferderückung ist nicht als Konkurrenz zu den modernen Holzerntetechniken zu verstehen. Lackner: „Das Pferd ist vielmehr eine wertvolle Ergänzung bei der mechanisierten Holzernte." Die Arbeit des Rückers erfordert hohe Konzentration, Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer. Mann und Pferd bilden eine Einheit, man arbeitet im Team.
Noriker-Wallach Thun hat bereits 25 Jahre am Buckel. Ein normales Pferd wäre damit schon längst in Pension. Nicht so Thun. Der strotzt vor Energie und Arbeitswille. Dass der Vierbeiner für seine treuen Dienste besondere Aufmerksamkeit von Ludwig erhält, versteht sich von selbst.


Zur Person

Name: Ludwig Lackner

Geburtsdatum: 12. Juli 1971

Wohnort: Sussawitsch (St. Stefan/Gail)

Familienstand: Verheiratet mit Margot, drei Kinder: Valentina, Kristina, Michael

Erlernter Beruf: Tischler

Lackner ist Landwirt, Pferdezüchter und ausgebildeter Kutschenfahrer.

Hobbies: Pferdezucht

Zur Sache

Mit der Zucht der Noriker hat sich Ludwig Lackner ein fundiertes wirtschaftliches Standbein geschaffen. Lackner hat 1992 ein Fohlen gekauft und begann in Folge mit der Pferdezucht.
1996 hat der Landwirt mit Interessenten die Noriker-Reitergruppe gegründet. Aus dieser ist die Idee für das Projekt "Waldpflege auf vier Hufen" entstanden. Aktuell hat der Gailtaler neben Milchkühen 20 Noriker Pferde im Stall, davon sind fünf als Arbeitspferde für das Rücken ausgebildet. Lackner bildet die Tiere eigenhändig aus und bietet Rücke-Kurse an. Auf dem Foto: Eine Rückewanne für den Transport.

Nach 40 Jahren ohne Pferd im Stall führte Ludwig Lackner 1992 wieder die Pferdehaltung am elterlichen Hof ein. Seiher hat sich der Sussawitscher seiner Leidenschaft "Norikerpferde" verschrieben.
Neben der Möglichkeit des Reitens, bietet Lackner über den Noriker Reiterverein für das Kutschenfahren Kurse vom Anfänger bis zum Turnierfahrer an. Beim traditionellen Untergailtaler Brauch, dem Kufenstechen, sind auch Ludwigs Pferde dabei. Er verleiht diese an die Burschen, die beim Kufenstechen teilnehmen, jedoch kein eigenes Pferd besitzen.
Auch für Hochzeiten mit der Kutsche wird Ludwig gerne gebucht.
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