29.09.2016, 12:01 Uhr

Glasfasernetz: "Die Gemeinden müssen selbst aktiv werden"

Projektleiter der Firma Netcompany: Klaus Bergmann (Foto: Netcompany)

Warum brauchen Gailtals Gemeinden schnelles Glasfasernetz? Klaus Bergmann von der Firma Netcompany erklärt.

GAILTAL. Bereits vor rund 20 Jahren hat der Gailtaler Klaus Bergmann gemäß dem Motto „Breitband fürs Land“ auf eine Nische gesetzt, die heute als solche längst nicht mehr gilt: Den Ausbau von Breitband-Netzwerken im ländlichen Raum in Kärnten. Bergmann gilt mit dem Unternehmen NETcompany als Pionier und will in Zukunft noch stärker dafür sorgen, dass mehr Firmen und Privathaushalte Zugang zu schnellem Internet haben. Im Interview spricht der Experte darüber, warum auch am Land schnelles Internet wichtig ist, woran und warum es oft an der Umsetzung hapert, und warum Gemeinden bei dem Thema gefordert sind.
WOCHE: Herr Bergmann, die Internet-Grundversorgung in den Ballungszentren ist durchwegs gut. Am Land kriechen aber viele Kärntner – das Gailtal ist davon nicht ausgenommen, noch immer im Schneckentempo durchs Internet. Wieso ist es auch am Land wichtig, im Netz schnell unterwegs zu sein?
KLAUS BERGMANN: Wer glaubt, am Land ist der Bedarf ja nicht so gegeben wie das im urbanen Raum der Fall ist, der irrt. Heutzutage braucht der Landwirt das Internet genauso wie der Unternehmer. Auch der Bauer erledigt seine bürokratischen Angelegenheiten (Formulare, Anträge usw.) auf elektronischem Wege. Außerdem: Die Datenmengen, die versendet werden, werden immer größer. Man arbeitet zunehmend in Clouds etwa.
Im Gailtal ist die Gemeinde Feistritz/Gail bereits auf die schnelle Glasfaser- Technologie aufgesprungen. In Kürze wird jeder Haushalt an ein Glasfasernetz angeschlossen sein. In der Gemeinde Kötschach-Mauthen, in St. Stefan und Dellach/Gail ist bereits einen Masterplan für ein solches Vorhaben auf Schiene, Hermagor bekundet ebenfalls Interesse.
Gut, dass sich im Tal diesbezüglich etwas bewegt. Jene Gemeinden, die sich vor diesem Thema verschließen, für die sehe ich eine große Gefahr in der Zukunft. Wenn wir es heute nicht in die Hand nehmen, und schnelle, neutrale Glasfasernetze bauen, werden wir in fünf oder sechs Jahren, wenn wir sie dann dringend brauchen, keine haben.
Sie sagen, dass keine Gemeinde an dem Thema vorbeikommen wird. Warum nehmen Sie hauptsächlich die Kommunen hier in die Verpflichtung?
Die Gemeinden sind in der Hoheit der Infrastruktur und damit auch für die Bereitstellung dieser zuständig. Daher müssen auch sie aktiv werden. Andere Anbieter werden diese Infrastruktur aus Kostengründen am Land nicht errichten. Habe ich als Gemeinde die entprechende Glasfaser-Infrastruktur, bin ich z.B. auch für Betriebe, die sich ansiedeln wollen, interessant. Als Gemeinde stelle ich also ein eigenes Glasfasernetz bereit, die User (Bürger) suchen sich dann ihren jeweiligen Internetanbieter aus.
Feistritz und Dellach sind in der glücklichen Lage und schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Mit dem Bau des Kanals werden die Glasfaserleitungen gleich mit verlegt, was einen Großteil der Errichtungskosten spart. Das trifft auf die restlichen Gailtaler Gemeinden nicht zu.
In jeder Gemeinde gibt es Situationen, wo es durch eine Straßensanierung etwa, oder durch Hochwasserschutzmaßnahmen Bautätigkeiten gibt. Im Zuge dessen kann auch ein Glasfaserkabel verlegt werden. Man kann auf diesem Wege das Glasfasernetz sukzessive erweitern.
Warum ist zur Errichtung eines Glasfasernetzes ein Masterplan so wichtig?
Glasfasernetze haben eine eigene Leitungsstruktur. Nur ein Leerrohr zu verlegen ist zu wenig. Die meisten „planlos“ verlegten Leerrohre sind für einen Glasfaser-Netzaufbau ungeeignet oder müssen mit viel Aufwand nutzbar gemacht werden. Wenn ein Glasfaser-Masterplan vorhanden ist, kann man von Beginn an mit der richtigen Umsetzung eines solchen Netzes beginnen. Die Maßnahmen gehen ja teilweise über Jahre. Zirka 80 % der Errichtungskosten eines Glasfasernetzes gehen in den Tiefbau. Da kann man schon erkennen, wie wichtig und kostensparend ein planvolles Mitverlegen ist. Auch können durch geplante Maßnahmen entsprechende Förderungen von den Gemeinden in Anspruch genommen werden.
Welche Möglichkeiten gibt es, wenn eine Gemeinde dieses Vorhaben partout nicht in die Hand nehmen will oder kann?
Dann wäre die Errichtung eines „Bürgernetzes“ möglich. Es können sich Bürger zu einem Netzwerk zusammenschließen und die Infrastruktur errichten, ähnlich wie das bei Bürgerkraftwerken funktioniert.

Das Interview führte Iris Zirknitzer
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