18.05.2016, 05:30 Uhr

Mit Christian Kern aus der SPÖ-Krise?

Faymann-Nachfolger Christian Kern war davor ÖBB-Vorstandsvorsitzender (Foto: Jantzen)

Wie kommt die SPÖ aus der aktuellen Krise? Die WOCHE fragt SPÖ-Politiker aus dem Gailtal.

GAILTAL (schön). Wie soll es mit der SPÖ nach der Niederlagsserie in den Bundesöändern weitergehen? Was muss sich ändern, damit die Partei ihre Wähler wieder erreicht? Und: Was soll der neue Chef bringen? Diese Fragen stellte die WOCHE SPÖ-Bezirksvorsitzenden Josef Zoppoth und Hermagors Bürgermeister, Siegfried Ronacher (SPÖ).

'Brandbekämpfung' hinderte

"Die SPÖ hat in den Jahren ab 2008 gemeinsam mit den Koalitionspartner ÖVP in der Bundesregierung die schwierigsten Bedingungen der Nachkriegszeit zu bewältigen", sagt SPÖ-Bezirksvorsitzender Josef Zoppoth. "Eine Krise folgt der nächsten, viele Menschen sind verunsichert und haben Ängste, dass sich die Zukunft negativ entwickeln wird", meint Zoppoth weiter. Es sei deshalb Aufgabe der Regierung, der Bevölkerung einen Weg in die Zukunft zu zeigen, der erstrebenswert ist. "Das ist in den letzten Jahren nicht gelungen - unter anderem deshalb, weil man ständig durch 'Brandbekämpfung' behindert war." Jedoch, so Zoppoth, hat die SPÖ auf Gemeinde- und Landesebene durchaus das Vertrauen der Menschen. "Weil wir dort Lösungen anbieten", ist er sich sicher.

Weg in die Zukunft zeigen

Was soll sich seiner Meinung nach nun auf Bundesebene ändern? "Die Sozialdemokratie sollte sich aus meiner Sicht auf ihre Grundwerte Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität zurückbesinnen", schlägt Zoppoth vor. "Es sollte nicht der nächste Wahlausgang im Fokus stehen, sondern die Verteidigung dieser vier Grundprinzipien." Aufgabe von Neo-SPÖ-Parteiobmann und Bundeskanzler Kern sei es, den Mitgliedern und der Bevölkerung unter den aktuellen schwierigen Rahmenbedingungen einen Weg in die Zukunft zu zeigen. "Ich bin davon überzeugt, dass sich viele Menschen nach diesem Halt sehnen und wieder bereit sind, mitzugehen, wenn wir konsequent vorausgehen", sagt Zoppoth.

Kurs vorgeben

Dem stimmt auch Hermagors Bürgermeister Siegfried Ronacher (SPÖ) zu. "Der neue Chef, also Christian Kern, muss die Partei wieder auf Schiene bringen und das Team wieder in ein Boot holen", sagt er. Weiters solle er den Kurs vorgeben und ein Parteichef sein, zu dem man Vertrauen hat und dem man mit Überzeugung folgt.

Wunsch wurde erfüllt

"Wir haben uns einen jungen, dynamischen, aussagekräftigen und ehrlichen Faymann-Nachfolger gewünscht, der einserseits über wirtschaftliches und strategisches Know-How verfügt und Mitarbeiter gut führen und begeistern kann, andererseits aber auch die Bevölkerung und ihre Anliegen verstehen und diese dann im Regierungsteam so umsetzen kann, dass gute Lösungen mit allen Fraktionen erarbeitet werden", sagt Ronacher, der betont, dass die "SPÖ mit Christian Kern einen solchen Menschen vorzuweisen hat."

"Fokus liegt auf Gemeinde-Politik"

Bürgermeister der Gemeinde Kötschach-Mauthen, Walter Hartlieb, zur SPÖ-Krise: "Ich möchte keine Stellungnahme oder Sonstiges zu Bundes- oder Landesparteithemen abgeben. Mein Fokus ist auf die Marktgemeinde Kötschach-Mauthen sowie unsere Region gerichtet und hier bin ich bemüht, mit vollsten Einsatz und Engagement für alle Bürger zu arbeiten."

Zur Sache:

Seit bereits einigen Tagen ist ÖBB-Chef Christian Kern als neuer SPÖ-Parteivorstand und Bundeskanzler fix.

Sein Gegenkandidat, Medienmanager Gerhard Zeiler, hat seine Kanzler-Kandidatur am vergangenen Donnerstag zurückgezogen.

Das bestätigte Zeilers Sprecher der Austria Presse Agentur (APA).

Demnach habe Zeiler dem interimistischen SP-Vorsitzenden Michael Häupl bei einem Treffen am Vormittag gesagt, dass er für eine Kampfkandidatur gegen ÖBB-Chef Christian Kern nicht zur Verfügung stehe.

Der neue Kanzler wird das SPÖ-Team umbilden. Im SPÖ-Regierungsteam gibt es vier Wechsel, die am vergangenen Dienstag bestätigt wurden.

Ihre Ämter verlassen: Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Kanzleramtsminister Josef Ostermayer, Infrastrukturminister Gerald Klug und Staatssekretärin Sonja Steßl.

Neue Bildungsministerin soll Sonja Hammerschmid werden.

Thomas Drozda wird neuer Kulturminister.

Neuer Infrastrukturminister wird Jörg Leichtfried.

Staatsekretärin soll Muna Duzdar werden.

Wiens Sozialstadträtin Sonja Wehsely, die als aussichtsreiche Kandidatin für ein Ministeramt gehandelt wurde, wird nicht in das Team von Kern wechseln. Sie will der Wiener Kommunalpolitik treu bleiben.
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