15.03.2016, 17:20 Uhr

Optiker Meller: Nach 87 Jahren droht das Ende

Optikermeisterin Christa Esterlus-Meller leitet seit 1994 in vierter Generation das Familienunternehmen in der Gersthofer Straße 59

Das Haus in der Gersthofer Straße 59 soll abgerissen werden. Optikerin Meller fürchtet um ihr Geschäft.

WÄHRING. Der Hausbesitzer, die Wiener Privatbank, möchte in der Gersthofer Straße 59 ein zweistöckiges Gebäude mit 15 Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage bauen. Doch die letzte Mieterin, Optikerin Christa Esterlus-Meller, will ihr Geschäft nicht aufgeben. Das oberste Gebot des Familienunternehmens ist die fachkundige Beratung. "Manche fragen, ob es sich wegen des Abbruchs überhaupt noch auszahlt, bei mir eine neue Brille zu kaufen. Schließlich geht es auch um die Nachbetreuung", so Meller.

Georg Aichelburg-Rumerskirch von der Wiener Privatbank: "Wir bieten Frau Esterlus-Meller gerne in etwa zwei Jahren ein Geschäftslokal mit 35 Quadratmetern in dem Neubau an. Die Frage stellt sich aber, was sie in der Zwischenzeit macht. Unser Ziel ist jedenfalls eine friedfertige, vernünftige und einvernehmliche Lösung. Ich habe ihr angeboten, mit uns so bald wie möglich die für sie geschickteste Lösung zu besprechen." Mit dem Bau soll laut Eigentümer jedenfalls so rasch wie möglich begonnen werden.

"Umzug kommt nicht infrage"

Wie lange Esterlus-Meller ihren Betrieb noch führen kann, ist ungewiss. "Ein Umzug kommt für mich nicht mehr infrage", erklärt die 54-Jährige. Dabei übt sie ihren Beruf mit Leib und Seele aus. "Ich wusste schon als Volksschulkind: Optikerin ist mein Beruf", sagt Christa Esterlus-Meller. 1994 übernahm sie das Geschäft in der Gersthofer Straße.

Das Optikerhandwerk hat in der Familie Tradition: Urgroßvater August Meller gründete 1881 das erste augenoptische Institut in der Blindengasse, 1929 übernahm dessen Sohn Karl die Leitung des Unternehmens und übersiedelte nach Gersthof. 1965 wurde das Geschäft an den Vater der heutigen Chefin übergeben. Und dann: Eine Frau als Nachfolgerin? Opa Karl Meller war zunächst skeptisch. "Ich erinnere mich noch gut, dass er ständig zum Kontrollieren vorbeikam. Ich habe ja bei meinem Vater gelernt und dann das Geschäft renoviert und modernisiert. Spätestens da hat er dann gemeint: Das Mädel macht es richtig!"

Und obwohl die Zukunft im Moment ungewiss ist, versucht sie positiv zu denken: "Ich genieße jeden Tag in meinem Geschäft und berate meine Kunden so lange ich kann mit Leidenschaft und Freude."
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