29.04.2016, 11:06 Uhr

Bürgerliste MIT beantragt Ensembleschutz der Innenstadt -

Der Hauptplatz von Traismauer wird durch einen geschlossenen und historischen Bauzustand geprägt.
Anregung an das Bundesdenkmalamt erfolgt noch in 2016. ----

Der Gemeinderat der Stadtgemeinde Traismauer beschloss in seiner letzten Sitzung am Mittwoch, der Weltkulturerbe-Einreichung des "Donau-Limes" beizutreten und im Falle einer Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes dies bei künftigen Planungen und insbesondere im Rahmen der Raumordnung entsprechen zu berücksichtigen. Dabei wurde auch angekündigt, Verkehrsflächen in der Innenstadt unter Denkmalschutz zu stellen (Anm.: zur Konservierung der darunter befindlichen Bodenschätze).

Die Bürgerliste MIT begrüßt diesen Beitritt zur "Donau-Limes"-Einreichung, wird sich nun aber im Zuge dieser Unterschutzstellung von bestimmten Verkehrsflächen gleichzeitig auch um einen gesamten "Ensembleschutz" der Innenstadt, also der Unterschutzstellung der schützenswerten Sicht- und Fassadenflächen der Innenstadt als eine Einheit, bemühen. Das Denkmalschutzgesetz ermöglicht neben dem Schutz von Einzelgebäuden ja auch die Unterschutzstellung von gesamten Ensembles. So können Gruppen von unbeweglichen Gegenständen wegen ihres geschichtlichen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Zusammenhanges, einschließlich ihrer Lage, ein Ganzes bilden, weshalb ihre Erhaltung als Einheit (Ensemble) im öffentlichen Interesse gelegen sein kann. "Wir brauchen einen dauerhaften und wirksamen Schutz des Ensembles unserer Innenstadt, dieser wäre durch einen Ensembleschutz durch das Bundesdenkmalamt gegeben. Ein Vorfall wie beim gegenwärtigen Bauprojekt am Hauptplatz 11 darf in unserer Stadtgemeinde nie wieder vorkommen. Hier wurde ja von der lokalen Baubehörde sogar eine gemeindeeigene Schutzzonenverordnung ignoriert und der Bebauungsplan anlassbezogen geändert. Mit diesem Bauwerk ist der Eingangsbereich zum Hauptplatz in seiner Ensemblewirkung für immer zerstört, wie man schon an der derzeitigen Bauphase deutlich sehen kann. So wurden bis dato ja nur zwei Geschosse des Baus realisiert, es kommen nun noch zwei Stockwerke und die Dachaufbauten hinzu: Damit wird dieses Gebäude die gesamte Sichtwirkung des Eingangsbereiches zum Hauptplatz dominieren und die bisherige harmonische Ensemblewirkung massiv stören!", erklärte MIT-Klubsprecherin Elisabeth Wegl den Vorstoß der Bürgerliste MIT.


Ztl.: Zum Hauptplatz von Traismauer.

Das Stadtzentrum von Traismauer entstand im Laufe vieler Jahrhunderte und bildet ein harmonisches Ensemble. Der Hauptplatz von Traismauer wird durch einen geschlossenen und historischen Bauzustand geprägt, der die großen Entwicklungsstufen Spätantike, Mittelalter, Barock und Gründerzeit widerspiegelt und sichtbar macht. "Wir bereiten gerade mit einem Sachverständigen eine Dokumentation dieser Altstadtstrukturen vor, die noch im Sommer dieses Jahres präsentiert werden kann. So besitzt unsere Innenstadt nicht nur Fassaden alter Epochen, sondern etwa auch frei sichtbares Mauerwerk der Römerzeit. Es sind zwar teilweise bereits Einzelobjekte, wie etwa die Alte Schule (Anm.: das heutige Stadtamt), das alte Rathaus oder auch einzelne Häuser im Privatbesitz, durch einen Bescheid des Denkmalamtes unter Schutz gestellt, nicht jedoch das gesamte Ensemble unserer Innenstadt. Die Anregung des Ensembleschutzes der gesamten Innenstad, also primär der sichtbaren Fassadenflächen und überlieferten Dachformen, innerhalb des ehemaligen Verlaufes der Stadtmauern werden wir daher noch im Sommer dieses Jahres beim Bundesdenkmalamt einbringen", so Wegl abschließend.

EXKURS: Traismauer zur Römerzeit.

Das Kastell Traismauer (Kastell Augustianis) war Teil der Sicherungsanlagen des römischen Donau-Limes. Das Reiterlager war vom 1. bis ins 3. Jahrhundert n.Chr. zunächst mit Truppen von Thrakern belegt. Der Name Augustianis leitet sich von der Reitertruppe der "ala I Augusta Thracum" ab, deren Stationierung hier durch Inschriften und Ziegelstempel belegt und gesichert ist. Die Thraker waren ein indogermanisches Volk, 46 n. Chr. wurde Thrakien eine Provinz des Römischen Reiches und blieb auch Bestandteil des Byzantinischen Reiches. Aus dieser Provinz stammten zunächst die in Traismauer damals stationierten Soldaten. Ihre Stationierung in Augustianis ist spätestens ab 140 n. Chr. gesichert. Sie stammten ursprünglich aus Syrien, kamen danach nach Rätien und wurden später wieder in den Osten des Römischen Reiches verlegt. Im 4. und 5. Jahrhundert n.Chr. folgten vermutlich dalmatinische Reitertruppen als Besatzung eines Restkartells, die später durch germanische Föderaten abgelöst wurden. Durch den Dienst als Söldner erwarben diese Soldaten nach einer festgelegten Militärdienstzeit später römische Bürgerrechte, wie auch ein im Schloss Traismauer aufgestellter Grabstein mit lateinischen Buchstaben belegt. Die Zivilsiedlung des Kastells begann östlich des Lagers und bestand teilweise aus massiven Steinbauten, darunter auch zu den Blütezeiten des Lagers eine Therme. Die Zivilbevölkerung, die sich hier ansiedelte, waren allesamt keine römisch-stämmigen Bürger, sondern stammten aus der Region um Donaulimes bzw. nördlich davon. Mit dem Ende der römischen Lagertätigkeit im 5. Jahrhundert n.Chr. wurde auch die damalige Zivilsiedlung völlig bedeutungslos. Die Neubesiedlung des Kastellareals erfolgte erst wieder ab dem 8. Jahrhundert (erste urkundliche Erwähnung des Ortes "Treisma" um 799).
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