07.04.2016, 12:03 Uhr

"Botanischer Garten soll zugänglich bleiben!"

Karl Schütz vor einem Ginko, von dem er vermutet, dass er noch aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen könnte.

Erste Proteste gegen die geplante Integration des Gartens in den Zoo.

HIETZING. Viele Hietzinger sind nicht begeistert: Der Tiergarten Schönbrunn hat Platzprobleme und führt deshalb Gespräche darüber, den Botanischen Garten in die Zoogründe einzugliedern. Dort könnten etwa Volieren für exotische Vögel aufgestellt werden, meint Vize-Zoodirektor Gerhard Kasbauer. Was es dann aber nicht mehr geben würde, wäre ein öffentlicher Zugang zum Garten, der von vielen Läufern und Spaziergängern genutzt wird. "Das würde bedeuten, dass ein wunderschöner Teil des Schlossparks nur noch den Besuchern des Tiergartens zugänglich wäre. Das fände ich gar nicht erfreulich", schreibt bz-Leserin Susanne L. bz-Leser Christian R. bedauert, dass eine Sperre des Gartens den "Verlust des typischen Schönbrunner Rundwegs" zur Folge hätte.

Auch Karl Schütz, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für historische Gärten, ist dagegen, dass der Botanische Garten vom Zoo geführt wird. Er fürchtet um den Charakter der Fläche. "Im 19. Jahrhundert wurde die Fläche als Landschaftsgarten angelegt. Die Beet- und Wegestrukturen haben sich seitdem im Wesentlichen nicht verändert." Vor allem Pflanzen aus Nordamerika hat das Kaiserhaus gesammelt und hierher verpflanzt. Viele dieser Baumdenkmäler aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts sind noch heute erhalten.

Überraschung beim Bezirk
Bezirkschefin Silke Kobald (VP) zeigt sich ebenfalls von der Diskussion verwundert: "Wir sind überrascht, dass darüber diskutiert wird, der Bevölkerung eine öffentliche Fläche wegzunehmen." Wenn der Tiergarten allerdings plane, den Garten öffentlich zugänglich zu machen, sei das etwas anderes. Das tut er aber nicht: "Der Zugang könnte natürlich nur über die Tiergarten-Eingänge erfolgen", sagt Kasbauer.

Rätsel um Zuständigkeit
Eine Stellungnahme zum Stand der Gespräche zu bekommen, ist schwierig: Die Bundesgärten pflegen den Botanischen Garten und unterstehen dem Landwirtschaftsministerium. Von dort heißt es, man wolle den Garten weiterhin pflegen, um das historische Bild zu bewahren – egal, unter wessen Verwaltung. Man sei allerdings nicht Eigentümer und könne das nicht entscheiden. Zuständig sei das Wirtschaftsministerium. Aus dem Wirtschaftsministerium, das Schönbrunn verwaltet, heißt es wiederum, die Betriebsgesellschaft Schönbrunn führe die Gespräche. "Ich bin nicht involviert", sagt wiederum der dortige Direktor Franz Sattlecker und verweist auf die beiden Ministerien.

Hintergrund:

Bericht: Der Zoo will expandieren
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