04.07.2016, 07:43 Uhr

Gemeinsam gegen Verbrecher: Karl Brunnbauer betreibt die Initiative "proNachbar"

Zu mehr Aufmerksamkeit und Vorsicht mit Wertgegenständen im Alltag ruft Hietzinger Karl Brunnbauer auf. (Foto: Claudia Anderer)

Karl Brunnbauer im Gespräch über seine Nachbarschaftsinitiative, die Lage im 13. Bezirk und Bauchgefühl.

HIETZING. Der Hietzinger Karl Brunnbauer betreibt seit zehn Jahren die Nachbarschaftsinitiative "proNachbar". Mittlerweile zählt sie rund 6.000 Mitglieder und verteilt Warnungen vor Einbrechern und Co.

Was wollen Sie mit "proNachbar" bewirken?
KARL BRUNNBAUER: Ein Hauptanliegen ist Hinschauen statt Wegschauen. Von Anfang an haben wir das in unserer Devise drin. Das heißt: Achten Sie darauf, was rund um Sie passiert! Nicht nur auf den Nachbarn zu Hause, sondern auch Ihren Nachbarn in der Straßenbahn oder beim Einkaufen.

Zum Beispiel?
Ältere Frauen lassen sehr oft ihre Handtasche im Einkaufswagerl, während sie etwas suchen. Wenn man als wissender "proNachbar" dabei ist, hat man die Möglichkeit, jemanden darauf aufmerksam zu machen und Schlimmeres zu verhindern. Außerdem setzen wir auf Information, Prävention und Kommunikation. Wenn man Information hat, dann kann man präventiv handeln und sollte auch andere informieren.

Liegt der Schwerpunkt der Initiative auf Hietzing?
Nein, aber in Hietzing hat sie begonnen. Schon im ersten Jahr ist es mit dem 19. und 23. Bezirk weitergegangen. Damals haben wir Veranstaltungen gemacht, zu denen über 300 Menschen gekommen sind. Dann haben wir uns weiter auf Wien ausgedehnt – und dann auch auf die Bundesländer.

Warum die Gründung?
Die Idee ist entstanden, nachdem im Jahr 2000 in unser Haus im 10. Bezirk eingebrochen worden war. Der Täter ist geflüchtet, als wir nach Hause kamen. Außerdem wurde meine Tochter im 7. Bezirk zweimal Einbruchsopfer. Und plötzlich hat sich das Bild von "Ich bin sicher und fühle mich sicher" geändert in "Wir müssen mehr Aufmerksamkeit erregen".

Wozu informieren Sie Ihre Mitglieder?
Ein aktuelles Beispiel war im 13. Bezirk, wo zwei Mädchen in privaten Gärten gesehen wurden. Sie waren eindeutig auf Einbruchstour. Wir glauben immer, wir müssen nach dunkel gekleideten, finster dreinschauenden Männern Ausschau halten. Aber das ist nicht der Fall.

Wie erkennt man Verdächtiges?
99 Prozent der Menschen haben ein Bauchgefühl, das richtig ist. Jemand, der nichts vorhat, geht offen zur Tür und läutet an. Wenn jemand in den Garten eindringt und versucht, sich zu verstecken, ist das verdächtig.

Was raten Sie in solchen Fällen?
Hingehen und fragen – bis zu dem Punkt, an dem man sieht, dass tatsächlich schon eingebrochen wird. Dann ist unbedingt die Polizei zu verständigen. Auf keinen Fall hingehen und sich wichtig machen. So einen Fall hatte ich in der Nähe der Dr.-Schober-Straße. Ein Mann hat einige verdächtige Burschen gesehen und wollte sie zur Rede stellen. Und diese haben ihn dann mit einer Eisenstange niedergeschlagen.

Worauf sollte man achten?
Das eigene Verhalten zu ändern. Zum Beispiel: Wo platziere ich meine Geldtasche? Als Mann nicht hinten am Gesäß, sondern im vorderen Bereich. Heute haben viele junge Mädchen das Handy locker hinten eingesteckt. Das ist ja Wahnsinn! Da wird man angerempelt, ein Komplize zieht das Handy raus und schon ist es weg. Man kann auch die Kriminalität senken, indem man hilft, nicht Opfer zu werden.

Geht die Polizei Ihren Hinweisen nach?
Das ist unterschiedlich – je nachdem, wie aktuell und wertvoll die Information ist. Wir selbst lesen jede Meldung, bevor sie online geht. Und wenn wir glauben, dass sie für die Polizei relevant ist, wird sie unmittelbar weitergeleitet. Die Menschen sind sich oft nicht sicher und schicken ihre Hinweise erst einmal an uns.

In Hietzing sollen in den nächsten Jahren zwei Polizeiinspektionen zusammengelegt werden. Ein Grund zur Beunruhigung?
Die Zusammenlegung hat nicht nur Vorteile. Die Menschen möchten so nahe wie möglich an einer Polizeiinspektion wohnen. Je weiter sie entfernt sind, desto geringer ist das subjektive Sicherheitsgefühl, vielleicht auch das objektive. Heute sieht man, dass wenn die Polizei nur mit dem Auto statt zu Fuß unterwegs ist, das Sicherheitsgefühl gering ist.

Zur Sache:

Infos auf www.pronachbar.at
Einige Sommer-Tipps:
• Nachbarn bitten, sich um Ihre Wohnung bzw. Ihr Haus zu kümmern, damit es bewohnt aussieht.
• Nur das nötigste Bargeld zu gut besuchten Sommerfesten mitnehmen.
• Fahrräder gut abschließen. Zur Sicherheit Marke und Typ notieren.
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