12.10.2016, 10:44 Uhr

Pro und Contra: Stornogebühren in Restaurants

Stornogebühr in Restaurants: Gute oder schlechte Idee?

Soll man Strafe zahlen müssen, wenn man in Restaurants reserviert und dann nicht erscheint? Darüber wird in Wien derzeit laut nachgedacht. Die bz-Redakteure Maria-Theresia Klenner und Thomas Netopilik sind unterschiedlicher Meinung.

PRO: Eine notwendige Erziehungsmaßnahme

Der Trend geht leider immer mehr in die Richtung, dass man zuerst reserviert und dann nicht hingeht. Daher bin ich dafür, dass die Gastronomen bei abgesagten Reservierungen Storno-Gebühren einheben dürfen. Die Wirte sagen interessierten Kunden ab, weil das ganze Restaurant ausreserviert ist. Dann kommen viele Gäste, die reserviert haben, einfach nicht und man sitzt in einem halb leeren Lokal. Der Umsatz ist im Keller und die anderen Gäste sind sauer, weil ihre Reservierung nicht angenommen wurde. In gehobenen Lokales ist es Usus, dass man ohne Reservierung keinen Tisch bekommt. Von gehobenen Gästen kann man auch verlangen, dass man eine Reservierung wieder absagt oder auf einen anderen Termin verlegt. Im Hotel oder bei Flügen wird auch schon lange eine Stornogebühr eingehoben. Warum auch nicht in Restaurants?

Ich bin allerdings kein Wirt, um das Thema näher zu betrachten. Aber ich bin ein aufmerksamer Gast, der immer und überall seine Augen und Ohren offen hat.
Ich sehe das nicht als Geschäftemacherei der Lokalbesitzer, sondern als reine Erziehungsmaßnahme. Völlig richtig!

Thomas Netopilik
t.netopilik@bezirkszeitung.at

Contra: Stornogebühr geht zu weit

Jetzt möchten die Wirte also eine Stornogebühr für reservierte Tische einführen. Gut, die Gastronomen sind in letzter Zeit zu den Goldeseln der Republik erklärt worden mit der Einführung einer Registrierkassa (womit man im Vorfeld pauschal alle Gewerbetreibende zu Steuerhinterziehern erklärte) und Umbauten für Nichtraucherbereiche und Barrierefreiheit. Aber so arme Unschuldslämmer sind die Wirte auch nicht. Ich erinnere an die dezente Preiserhöhung mit der Einführung des Euros und an die seither stetig wachsenden Preise. Weiter geht das Jammern mit den Schanigärten - jetzt wurde den Wiener Wirten endlich ihre ganzjährige Öffnung gewährt, aber mit einer logischen Erhöhung der Gebühren für eine Erweiterung des Lokals auf öffentlichem Platz möchten sie sich nicht abfinden. Und jetzt soll man bei einer Tischreservierung seine Kreditkarte angeben, damit der Wirt Zugriff auf eine mögliche Stornogebühr hat.

Ärgerlich für den Wirt, wenn eine Tischreservierung nicht telefonisch abgesagt wurde, keine Frage. Aber bei der Tischreservierung einen Zugriff auf die Kreditkarte des Kunden zu verlangen, geht zu weit. Wenn der Tisch zur vereinbarten Zeit nicht in Beschlag benommen wird, werden sowieso andere Gäste dort platziert. Mir kann kein Wirt erzählen, dass ein Tisch, der für 19 Uhr reserviert wurde, den ganzen Abend leer stehen bleibt. Und eine telefonische Nachfrage am Tag der Reservierung, ob die Buchung aufrecht bleibt, würde ausreichen.

Maria-Theresia Klenner
m.klenner@bezirkszeitung.at
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