21.06.2016, 13:21 Uhr

Bezirksvorsteherin Silke Kobald im Interview: "Beim Parkpickerl bewegt sich die Stadt Wien keinen Millimeter"

Bezirksvorsteherin Silke Kobald (l.) im Gespräch mit Redakteurin Anja Gaugl und Chefin von Dienst Andrea Hörtenhuber. (Foto: Spitzauer)

Hietzings Bezirkschefin Silke Kobald (ÖVP) über ihren Wahlerfolg, das Parkpickerl und den Hörndlwald.

HIETZING. Während die ÖVP Wien verloren hat, haben Sie auf Bezirksebene gewonnen. Was machen Sie richtig?
SILKE KOBALD: In der Kommunalpolitik sind die Mechanismen sicher andere, weil man unmittelbar am Bürger dran ist. Ich versuche, dass man in Hietzing gemeinsam an den Dingen arbeitet.

Ein Beispiel?
Wir haben vor einem Jahr die Calisthenics-Anlage am Roten Berg errichtet (Anm.: eine Freiluftsportanlage) und das ist vor allem bei der jungen Bevölkerung sehr gut angekommen. Das ist in der Kommunalpolitik genau das, was es ausmacht.

Muss dann die ÖVP Wien bürgernäher agieren?
Wien ist natürlich eine Zwei-Millionen-Stadt, aber da wäre schon viel mehr direkter Kontakt möglich. Ich glaube, in diese Richtung wird es in Zukunft stärker gehen.

In Währing wird im Herbst das Parkpickerl eingeführt. Was passiert in Hietzing?
Das ist eine Herausforderung. Wir haben viele Forderungen an die Stadt Wien gestellt, die leider nicht einmal angedacht worden sind.

Zum Beispiel?
Wir würden in Hietzing mit grünen Zonen gut zu Rande kommen. Dort könnten die Anrainer gratis oder gegen einen geringen Betrag parken. Im Unterschied zum Anrainerparken könnten auch andere Menschen diese Parkplätze gegen Bezahlung nutzen, wenn etwas frei ist. In den nächsten Wochen wird sich der Verfassungsgerichtshof dazu äußern. Vielleicht verändert sich dadurch wienweit noch etwas.

Was wünschen Sie sich?
Wir fordern nach wie vor ein einheitliches Modell für ganz Wien. Aber Fakt ist: Wenn sich die Stadt Wien keinen Millimeter weit bewegen will, hilft das nicht den Menschen, die in den überparkten Gebieten leben. Dafür haben wir keine Lösung. Und wenn es diese nur in Form des Parkpickerls gibt, werden wir darüber mit der Bevölkerung reden.

In welcher Form?
Wir werden im neuen Jahr wieder eine Befragung machen, genauso wie in Döbling. Und wir werden uns anschauen, was zum Beispiel die U4-Sperre bedeutet.

Wie wirkt sich die U4-Sperre auf die Parkplatzlage aus?
Es ist ein bisschen lockerer geworden. Wir haben aber keine konkreten Zahlen, nur Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Im Video erklärt Bezirksvorsteherin Silke Kobald, wie es bei der Suche nach einem Postpartner in Ober St. Veit weitergeht.


Ihr erstes Resümee zur Sperre?
Die Wiener Linien haben das wirklich gut hinbekommen.

Gibt es Einschränkungen?
Das einzige Problem ist der Linksabbieger in der Hadikgasse. Der ist jetzt für den Zusatzbus und die Straßenbahnen reserviert. Dadurch entsteht ein großer Stau. Wenn das bleiben würde, wäre das ein absolutes No-Go.

Wie geht es beim Rehazentrum im Hörndlwald weiter?
Für das naturschutzrechtliche Verfahren ist ohnehin die Volksanwaltschaft eingeschalten. Und das Verfahren ist ja noch nicht abgeschlossen. Dass der Juchtenkäfer nicht im Gras auf der Baufläche lebt, war allen von Anfang an klar.

Könnte sich „pro mente“ noch gegen den Bau entscheiden?
Die Hoffnung stirbt tatsächlich zuletzt. Vor allem ist das baurechtliche Verfahren noch im Gange und da hat sich schon ein echtes Fenster aufgetan – insofern, dass Anrainer Parteienstellung bekommen haben und da ganz klar ist, dass die unterirdische Bebauung eine Gratwanderung ist. Ob das rechtlich hält, ist eine Kernfrage.

In Liesing wurde gegen eine Flüchtlingsunterkunft demonstriert. Wie läuft das Zusammenleben in Hietzing?
Es ist eine sehr große Herausforderung, auch für die Menschen, die in der Nähe des Geriatriezentrums wohnen. Sie machen sich Sorgen. Hier geht es vor allem um den Sicherheitsaspekt, besonders für Frauen. Die Polizei tut ihr Möglichstes und die Pavillons werden gut betreut. Viele Hietzinger engagieren sich dort von Anfang an. Aber es gibt auch immer wieder Polizeieinsätze. Auf lange Sicht muss das dort verkleinert werden. bzw ein Ende haben. Die Zahlen sind aber schon gesunken – von 1.000 auf rund 800 bis 850 Personen.

Interview: Anja Gaugl und Andera Hörtenhuber

Zur Person: Silke Kobald (43) ist studierte Politikwissenschafterin und war im Bundesministerium für Finanzen tätig. Von 2012 bis 2013 war sie ÖVP-Bezirksvize.

Hintergrund:

Alle 23 Bezirksvorsteher im ausführlichen Interview finden Sie in den kommenden Wochen online auf www.meinbezirk.at/bz-interview
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