07.06.2016, 08:00 Uhr

Raucherstopp durch Schockbilder

Die Maßnahmen, das Rauchen zu verhindern, werden immer drastischer. Ob es was nützt bleibt offen.Foto: Archiv

Mit Fotos von Krebsgeschwüren auf Zigarettenpackungen will man den Rauchkonsum eindämmen.

BEZIRK (jm). Schon seit 1987 findet am 31.5. der Weltnichtrauchertag statt, an dem die WHO besonders auf die Gefahren des Rauchens aufmerksam macht.

Hemmschwelle Schockbilder

Der Nationalrat hat mit den Stimmen der Koalitionsparteien und der Grünen eine schärfere Gangart zur Reduzierung des Zigarettenkonsums eingeschlagen. Mit Fotos von Krebsgeschwüren oder Raucherlungen, die 65 Prozent der Vorder- und Rückseite von Verpackungen bedecken müssen, soll insbesondere bei Jugendlichen eine abschreckende Wirkung erzielt werden. Trafikant Stefan Rosenauer aus Hollabrunn befürchtet beim Inkrafttreten der neuen Bestimmungen im August Einbußen im Umsatz.
Er selbst ist ein mäßiger Raucher, findet aber die Kampagne scheinheilig und verlogen: „Warum kommen die Schockbilder nicht auch auf alkoholische Getränke? Alkohol kann doch viel größeren Schaden anrichten als Nikotin, wenn ich allein an die Verkehrsunfälle oder die Arbeitsunfähigkeit von Alkoholikern denke.“ Franz Winalek aus Zellerndorf, ein passionierter Raucher, kann sich nicht vorstellen, dass die Maßnahmen eine abschreckende Wirkung haben: „Ich glaube nicht, dass weniger geraucht wird,und die Jugendlichen haben im Internet schon mehr Schockbilder gesehen.“
Student Stefan Lanik ist absoluter Nichtraucher, bezweifelt jedoch die erwartete Wirkung der Aktion: „Der Abschreckungseffekt wird sich sehr in Grenzen halten, denn die Auswirkungen des Rauchens sind den Jugendlichen hinlänglich bekannt.“ Für wesentlich wirksamer hält er Anreize für Nichtraucher, die der Arbeitgeber schaffen könnte.

Belohnung für Nichtraucher?

Auf ihrem Arbeitsplatz war sie mit fünf Raucherinnen beisammen, erzählt die Pensionistin und Nichtraucherin Anna Schneider aus Zellerndorf: „Damals durfte noch in den Arbeitsräumen geraucht werden, und so wurde ich unfreiwillig zur Passivraucherin. Wenn die Kolleginnen rauchten, blieb die Arbeit für fünf bis sieben Minuten liegen“, resümiert sie und kann dem Schweizer Vorschlag einiges abgewinnen: Fünf Tage im Jahr mehr Urlaub für Nichtraucher. Denn 2.400 Minuten (= fünf Tage) Arbeitszeit versäumt man, wenn man täglich elf Minuten seinen Arbeitsplatz verlässt. Die österreichische Arbeiterkammer hält von den Schweizer Überlegungen nichts. Ihr Argument: „Rauchpausen würden auch die Kommunikation fördern“.
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Gottfried Maierhofer aus Pinzgau | 13.06.2016 | 20:26   Melden
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