12.04.2016, 08:00 Uhr

Bauernhofkatzen unters Messer

Um die Explosion der ungehinderten Katzenvermehrung in den Griff zu bekommen, wurde das Gesetz geändert.Foto: De Visu-Fotolia.com

Ab 1.4.16 müssen auch freilaufende Bauernhofkatzen kastriert werden.

BEZIRK (ag). Das mit 1. April 2016 in Kraft getretene neue Tierschutzgesetz schreibt vor, auch freilaufende Bauernhofkatzen kastrieren lassen zu müssen. Diese kleine Änderung lässt in Foren die Wogen hoch gehen - von längst überfälliger Schritt, über die finanziellen Belastungen der Bauern, bis hin zum drohenden Aussterben der Hauskatzen.
Von der Kastrationspflicht ausgenommen sind nur mehr Wohnungskatzen und Zuchtkatzen, die bei der BH gemeldet werden müssen.
Die Bezirksblätter Hollabrunn sprachen mit dem Amtstierarzt Dr. Johann Wittmann: "Die ungehinderte Vermehrung von Katzen ist ein Problem. Füttern sollte man nur die eigene Katze im Haus. Ganz schlecht ist es, freilaufende Katzen draußen zu füttern." Wittmann appelliert an verantwortungsvolle Katzenbesitzer und kennt viele Landwirte, die auch bisher schon ihre Katzen kastrieren ließen.
Durch diese Verordnung wird nach Aussage der Österreich-Leiterin von Vier Pfoten, Indra Kley, die Hauskatze keinesfalls aussterben: "Katzen dürfen ja kontrolliert weiterhin gezüchtet werden. Eine Katze ist bereits mit 5 Monaten geschlechtsreif, kann bis zu drei Mal im Jahr mindestens drei Junge bekommen. Dieses Schneeballsystem kann in fünf Jahren theoretisch über 12.000 Nachkommen zeugen."

Das ganze Interview mit Indra Klei von Vier Pfoten Österreich ist hier nachzulesen.

- Ist die Vermehrung von Katzen ein Problem?

Ja, weil Katzen, die bereits mit vier bis fünf Monaten geschlechtsreif sind, bis zu drei Mal im Jahr jeweils mindestens drei Junge zur Welt bringen können, die dann wiederum auch im sehr jungen Alter geschlechtsreif sind. Das bedeutet eine Art Schneeballsystem: Nach nur fünf Jahren kann also eine einzige Katze theoretisch über 12.000 Nachkommen erzeugen! Mit der wachsenden Größe von Streunerkatzenkolonien steigt die Gefahr, dass sich Katzenkrankheiten wie Leukose, FIP, Katzenschnupfen und Katzenseuche rasch ausbreiten. Zudem können Unterernährung und vermehrte Revierkämpfe die Folge sein. Dies bedeutet nicht nur für die Streuner enormes Leid, sondern kann auch die Gesundheit von Freigängerkatzen beeinträchtigen. Manche Menschen fühlen sich auch vom „Lärm“ und dem Geruch der Streunertiere gestört.

- Wie soll die Kontrolle der Kastrationen aussehen?

Dies ist eine Frage, die von den zuständigen Behörden (Veterinärdienst) beantwortet werden muss.

- Sind kastrierte Katzen schlechtere Mäusefänger?

Das ist ein Gerücht, das sich leider hartnäckig hält. Das Gegenteil ist der Fall: Kastrierte Katzen haben eine höhere Lebenserwartung sowie eine größere Widerstandskraft, da sie ihre Energie nicht mehr für Paarung und Aufzucht der Jungen aufwenden müssen. Auch die Ausbreitung von Krankheiten, Parasiten und Seuchen wird durch eine Kastration vermindert.

- Droht damit das Aussterben von Hauskatzen?

Ganz sicher nicht. Die Katze ist das beliebteste Haustier in Österreich, daran wird sich nichts ändern. Wir möchten wirklich appellieren, die Diskussion sachlich zu führen und Dinge nicht zu vermischen. Man muss unterscheiden zwischen einer sinnvollen und berechtigten Kontrolle der Vermehrung von Freigängerkatzen und der Haltung von Katzen generell. Das eine schließt sich ja nicht aus, weil Katzen ja weiterhin gezüchtet werden dürfen.

- Wie glauben Sie ist das Verständnis der Bauern dazu?

Man kann natürlich nicht alle Bauern über einen Kamm scheren. Wir kennen verantwortungsbewusste, modern denkende Bauern, die ihre Tiere ganz selbstverständlich kastrieren lassen. Wir wissen aber auch, dass viele Landwirte noch eine andere Einstellung dazu haben und leider Probleme im Zusammenhang mit der neuen Gesetzgebung sehen. Wir würden sie nun gerne ebenfalls überzeugen, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit ihren Katzen Sinn macht. Wir glauben auch, dass sehr viele der Probleme durch eine gute Kommunikation aus der Welt geschaffen werden können. Ein Beispiel ist der Mythos um die kastrierten Katzen, die weniger Mäuse fangen (siehe oben). Und genauso das Argument, dass Bauern nicht wissen, welche der Katzen ihre sind und daher nicht wissen, welche sie kastrieren müssen. Hier kann man sicher durch Gespräche mit den Nachbarn auch einiges aufklären.
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