27.07.2016, 08:00 Uhr

Scheidungsrekord & Heiratsboom

Der Retzer Standesbeamte Hermann Neubauer (r.) verzeichnet in seinem Bereich keinen Anstieg der Eheschließungen.Foto: Standesamt Retz

2015 stieg die Zahl der Eheschließungen, Scheidungen aber auch: In NÖ lässt sich fast jedes zweite Paar wieder scheiden.

(ae). In Niederösterreich wurden 2015 8.093 Ehen geschlossen, um 8,1 % mehr als ein Jahr davor. Umgekehrt ist unser Bundesland mit einer Scheidungsrate von 47,3 % gleich hinter Wien (47,8 %) bundesweit an der Spitze.

Kein Boom in Retz

„Bei uns ist von einem Hochzeitsboom nichts zu merken“, sagt Hermann Neubauer, Standesbeamter in Retz. Wir hatten im Vorjahr 105 Trauungen und 2014 waren es 106. In den letzten Jahren sind die Zahlen praktisch gleich geblieben.“ Abgenommen hat aber eine andere Zahl: Von 10 Paaren, die sich auf dem Standesamt trauen lassen, heiraten nur noch 3 bis 4 auch kirchlich.
Die Heiratswilligen, die vor Neubauer „Ja“ sagen, setzen sich aus verschiedenen Gruppen zusammen: „Wir haben junge, aber auch Ältere, die den Bund fürs Leben schließen und auch öfter bereits einmal oder mehrfach Geschiedene.“ Zum Nachlassen der kirchlichen Trauungen, aber auch zur hohen Scheidungsrate, sagt der Pulkauer Stadtpfarrer Jerome Ciceu: „Wir leben in einer Zeit großer Mobilität. Wenn Menschen neue Kontakte schließen, werden eheliche Beziehungen in Gefahr gebracht. Ehepaare suchen kaum noch den Rat der Kirche, wenn Schwierigkeiten auftreten.“
So wie im Bezirk, im Gegensatz zum Bundesland, kein besonderes Ansteigen bei den Trauungen ist, gibt es im Bezirk auch keine signifikante Erhöhung der Scheidungen. 2015 wurden beim Bezirksgericht Hollabrunn 80 Ehen einvernehmlich und rund 40 strittige geschieden.

Scheidung nach 6 Monaten

„Diese Zahlen sind schon über Jahre annähernd gleich“, sagte eine damit beschäftigte Rechtspflegerin. Geändert hat sich allerdings einiges an den Scheidungswilligen.
„Manche lassen sich schon sechs Monate nach der Hochzeit wieder scheiden, häufiger auch nach nur einem Jahr. Früher hat es eher Versöhnungsversuche gegeben und nicht gleich die Trennung. Es gibt auch Paare, die wurden schon zweimal geschieden.“ Die Scheidungsanträge sind auch nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt, wie aus dem Bezirksgericht zu hören war: „Stoßzeiten gibt es vor Weihnachten und zum Jahresbeginn, dann wird es ruhiger, in der Urlaubszeit steigen die Zahlen wieder an.“

Zur Sache:

Niederösterreich liegt im Jahr 2015 bei der Scheidungsrate mit 47,3 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 39,7 % und nur knapp hinter Wien an zweiter Stelle. Bei den Eheschließungen gab es in NÖ mit +8,1 % nach dem Burgenland und Wien den niedrigsten Anstieg. In den anderen Bundesländern war man deutlich heiratswilliger. Und nur 68,5 % der Eheschließungen waren bei beiden Partnern Erstehen.
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