14.09.2016, 17:03 Uhr

Der Überlebende des Horror-Crashs spricht

"Kann das Schicksal nicht annehmen, begreife es nicht."

Noch zehn Meter und sie wären am Ziel gewesen. Doch am 25. Juli um 4:30 h ereignete sich etwas Unfassbares.

HORN. Der schreckliche Unfall in Horn, bei dem ein LKW in der Kurve vor dem Bahnhof kippte und mit dem tonnenschweren Holz ein Auto vom Gegenverkehr unter sich begrub, in dem die Lenkerin starb - ihr Mann am Beifahrersitz hat überlebt. Mit diesem Mann und einer der vier Töchter durften wir ein Gespräch führen, wie das Leben weitergeht. Das Leben danach...
"Die Chance, in seinem Leben sechs Lottosechser zu machen, ist wahrscheinlicher, als dass man einmal in so einen Unfall verwickelt wird", sagt der überlebende Ehemann Günter. "Das Leben jetzt ist nicht mehr das, was es früher war, nicht für die Kinder, nicht für mich. Wir haben das Wertvollste verloren, was man verlieren kann." "Es gab nichts Schöneres, als wenn nach einem Nachtdienst das Telefon läutete und die Mama angerufen hat 'Kommst du essen? Weil das Essen ist fertig.'", sagt die älteste von vier Töchtern mit geröteten Augen. Sie ist Krankenschwester. Drei der Töchter sind schon ausgezogen. Treffpunkt war immer bei der Mama, das war das Zentrum.

Seit 11 Jahren verheiratet
"Das Leben hat sich extrem verändert." Durch den Unfall hat er nicht nur seine Frau verloren, auch gibt es Verletzungen, die ausheilen müssen, dadurch ist auch der Job verloren gegangen. "Ich begreife bis heute nicht, was passiert ist. Es ist nicht fassbar, warum ich jetzt alleine bin. Meine Frau war immer für alle da, hilfsbereit."

Danke, Fa. Berger & Kollegen
"Wir wollen uns bei der Geschäftsführung der Fa. Berger (Druckerei), dem Betriebsrat und der ganzen Kollegenschaft bedanken, weil die haben uns moralisch und finanziell unterstützt. Das hat den Kindern sehr viel gegeben, zu sehen, wie beliebt ihre Mutter dort war", sagt Günter. Das gute Verhältnis zu den Kindern ist ein Grund, warum alles so ein Drama ist. "Ich habe mit ihr so viel besprechen können", sagt eine der Töchter. "Sie war eine meiner besten Freundinnen. Es war nicht notwendig, Geheimnisse zu haben, weil die Mama nie bös war. Es ist auf jeden Fall ein Loch da, es ist sehr präsent. Wenn ich in die Mödringerstraße zum Essen komme, ist es irgendwie ein Warten, dass die Mama vom Einkaufen zurückkommt und ich ein bisschen zu früh da bin...sie kommt aber nicht." Vor kurzem versuchten zwei Schwestern Erdäpfelknödel zu machen, zum Schweinsbraten. "Na ja, sie sind gegangen, in einem Gasthaus hätte man sie nicht verkaufen können. Sie waren 'saftbegünstigend', d.h. voll flach. Wenn das die Mama gesehen hätte, hätte sie gemeint: Du hättest schon eher in der Küche vorbeischauen sollen", kann sie leicht lächeln.
"Ich bin so froh, dass ich die vier habe. Alleine würde ich das nicht durchstehen." Vor 11 Jahren hatte er die Frau mit vier Töchtern geheiratet.
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