06.07.2016, 19:38 Uhr

Holocaust-Überlebender Aharon Schwager und der Horner Historiker Erich Rabl feierten Wiedersehen

Ruth und Aharon Schwager sowie Erich und Pia Rabl im Café des Botanischen Gartens in Jerusalem (Foto: privat)

2008 Treffen in Horn - 2016 in Jerusalem

In Jerusalem traf der Horner Historiker Dr. Erich Rabl den 89jährigen Holocaust-Überlebenden Aharon Schwager, der 2008 im Rahmen der Aktion "Letter to the stars" erstmals nach seiner Vertreibung Horn besucht hatte. Seit dieser Zeit standen beide in regelmäßigen Mail-Kontakt, im Jahr 2014 hatte Schwager unter dem Titel "Gegen den Strom schwimmen - Spuren hinterlassen" einen Beitrag in dem von Erich Rabl und Roland Gatterwe herausgegebenen Buch "Erinnerungen an Horn - Band 2" zur Verfügung gestellt.
Aharon Schwagers Vorfahren gehen auf die Horner Familie des Kaufmannes Siegfried Adler zurück, der bis 1938 in der Wiener Straße Nr. 39 gegenüber dem Gasthaus Blie sein Textilgeschäft hatte. Adlers älteste Tochter Hedwig war die Mutter von Aharon Schwager, der 1927 in St. Pölten zur Welt kam. Nach dem “Anschluss” Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 wurde er in der Radetzky- Realschule in Wien von älteren Schulkollegen verprügelt. Im September 1938 flüchtete die Familie Schwager – ohne bestimmtes Ziel – nach Italien, wo sie vier Monate als mittellose Flüchtlinge verbrachten. Schließlich hatten sie die Möglichkeit, sich nach Südamerika einzuschiffen und sie landeten (ohne Visa) in dem gastfreundlichen Land Uruguay. Nach mehreren schweren Jahren gelang es den Eltern Schwagers, sich eine bescheidene Existenz aufzubauen. Aharon Schwager absolvierte eine technische Ausbildung und 1951, im Alter von 24 Jahren, emigrierte er zum zweiten Mal, diesmal nach Israel.
Siegfried Adler hatte fünf Kinder: Hedwig, Elsa, Margaretha, Friedrich und Rudolf. Von diesen fünf Familien, zog die Familie Margarethas, Familie Pick, mit den beiden kleinen Kindern nach Prag, sie unterschätzten die Gefahr, die vom Nationalsozialismus ausging. Margaretha, ihr Mann Otto, sowie die Kinder Oskar und Vera Pick wurden 1944 in Auschwitz ermordet.
Aharon Schwager hatte durch seine Vertreibung lange Zeit keine innere Beziehung zu seiner österreichischen Herkunft. Erst die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen durch das Buch "Die Erinnerung tut zu weh", die Einladung 2008 nach Wien und Horn und der Kontakt mit den unvoreingenommenen und interessierten Schülern sowie das Buchprojekt 2014 "habe ich meine Meinung über Österreich geändert", betonte Aharon Schwager beim jüngsten Treffen in Jerusalem.
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