20.09.2016, 16:41 Uhr

G‘lernt is‘ g’lernt – Lehre in Niederösterreich hat Zukunft

Die SPÖ NÖ startete Anfang des Jahres die Kampagne „Arbeit ist unser Thema“, deren zentraler Punkt die Vollbeschäftigung ist. Im Herbst geht es um die Lehrlinge: In Österreich ist das duale System, um das uns viele Länder beneiden, bei der Berufsausbildung verbreitet – es weist einen hohen Qualitätsstandard auf und ist praxisbezogen.
Mag. Matthias Stadler, SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender, spricht sich aber für eine Reformierung der Lehrlingsausbildung aus, um die Lehre noch näher an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes auszurichten. „Die Ansprüche an die Lehrlinge steigen durch Technisierung und Spezialisierung. Deswegen ist es für uns ein logischer Schritt, dass das duale Ausbildungssystem durch das triale System weiterentwickelt wird“, erklärt Stadler: „Ein Drittel Berufsschule, ein Drittel betriebliche Ausbildung, ein Drittel überbetriebliche Ausbildung.

Betriebe werden entlastet – EPU und KMU erhalten auch die Möglichkeit, Lehrlinge auszubilden oder es können Ausbildungsbereiche, die in einem Betrieb nicht angeboten werden, trotzdem abgedeckt werden, Lehrlinge erhalten breitere praktische Qualifikationen und eine bessere Allgemeinbildung. Es könnten so auch individuelle Schwächen ausgeglichen werden, das würde einerseits den Lehrlingen selbst, aber auch den Betrieben zu Gute kommen.“

Zudem würde ein triales Ausbildungssystem den Lehrberuf attraktivieren, sagt Stadler: „Der Fachkräftemangel macht deutlich, wie dringend der Reformbedarf in der Lehre ist, auch was das Image und die gesellschaftliche Anerkennung betrifft. Die Lehrlinge brauchen Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Möglichkeit sich zu verändern – deswegen sollte weiteres Wissen wie beispielsweise IT, Fremdsprachen, praxisorientierte Fachtrainings oder berufliche Spezialisierungen und Zusatzqualifikationen angeboten werden.
Denn junge Menschen werden sich nicht für einen Beruf entscheiden, wenn sie sich für die nächsten 50 Jahre festgenagelt fühlen. Ein triales Ausbildungssystem, das die jungen Menschen mit einem breiten Kompetenzprofil ausstattet, wäre eine ‚Win-win-win‘-Situation für die Lehrlinge, die Betriebe sowie den Wirtschaftsstandort.“

Stadler fordert einmal mehr den Beschäftigungsbonus, den er als faire Lastenverteilung und Belohnung für Betriebe – vor allem die KMU in den Regionen unseres Flächenbundeslandes, die Beschäftigung schaffen, ansieht. Zudem wäre ein Beschäftigungsbonus ein wesentlicher Beitrag zur Finanzierung des Sozialstaates in einer sich wandelnden Wirtschaft. Stadler weist darauf hin, dass neue Technologien die Arbeitswelt verändern werden: „In Zukunft werden Roboter mitten unter uns ihre Arbeit verrichten, gesteuert von Sensoren, über Sprache und Gesten. Umso mehr müssen wir auf gute Qualifizierung und lebenslanges Lernen setzen. Ich bin davon überzeugt, dass gerade junge Menschen die Chancen des digitalen Wandels nutzen können. Denn klar ist: In kaum einem Beruf ist der Mensch vollständig durch Maschinen und Computer ersetzbar. Betriebe sind auch in Zukunft auf gut ausgebildete Frauen und Männer angewiesen.“

„Ohne uns geht nix“ – SJ NÖ für mehr Rechte im Arbeitsleben

Die Junge Generation NÖ und die Sozialistische Jugend NÖ starten ebenfalls beide im Herbst eine Kampagne zum Thema Lehre. „Lehrlinge sind die Zukunft der österreichischen Wirtschaft und brauchen bestmögliche Betreuung, eine gute Ausbildung mit individueller Förderung und mehr Rechte und finanzielle Förderungen. Sie sollen bekommen, was ihnen zusteht“, betont Serafina Demaku, Landessekretärin der Sozialistischen Jugend NÖ. Auch hinsichtlich der Berufsschule brauche es Verbesserungen, neben der Ausweitung von Berufsschulzeiten insbesondere finanzieller Art, fordert Demaku:
„Die Internatskosten sollen von den Betrieben übernommen werden, weil diese für die Lehrlinge oft nur schwer und wenn, dann nur mit Hilfe der Eltern leistbar sind.“ Neben mehr Qualität in der Ausbildung und der Forderung nach einer Verkürzung der Probezeit auf einen Monat schließt sich Demaku auch der Forderung nach mehr Lohn an: „Um die Lehre attraktiver zu machen, müssen Lehrlinge und FacharbeiterInnen in vielen Branchen deutlich besser entlohnt werden – eine gute Ausbildung muss sich bezahlt machen. Zudem wollen wir die Anpassung der Gehälter von Lehrlingen in überbetrieblichen Lehrwerkstätten.“ Eine wichtige Forderung der SJ NÖ ist außerdem eine sechste Urlaubswoche für alle Lehrlinge und später nach dem Vorbild der Bundesbediensteten, sagt Demaku:
„Die sechste Urlaubswoche nach dem vollendeten 43. Lebensjahr ist für Bundesbedienstete Realität. Wir fordern das für alle ArbeitnehmerInnen, denn in den vergangenen Jahren ist die steigende Produktivität der arbeitenden Bevölkerung in erster Linie den Unternehmen zugute gekommen, während die Löhne seit Jahren nicht wesentlich gestiegen sind." Besonders junge Berufstätige spüren die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse, sagt Demaku: "Sechs Wochen Urlaub sind eigentlich ein Mindestmaß an Entgegenkommen, das von der Wirtschaft einzufordern ist – zudem würde eine Ausweitung von Zeiten der Erholung, Entspannung und Abwechslung die Produktivität weiter steigern."

Die SJ ist davon überzeugt, dass die sechste Urlaubswoche für alle Altersgruppen kommen muss. Nun liege es an der ÖVP – insbesondere sei der ÖAAB gefordert, endlich im Interesse der Bevölkerung zu handeln!

JG NÖ: Verkürzung der Wochenarbeitszeit
Überstunden, Krankenstände, wenig Freizeit und Stress sollen der Vergangenheit angehören, wenn es nach der Jungen Generation in der SPÖ NÖ geht. Sie macht sich für eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche – bei vollem Lohnausgleich – stark. „Durch eine solche Verkürzung werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Für Erwerbstätige bleibt mehr Zeit für die Familie und auch die Betriebe können davon profitieren“, ist der stv. Landesvorsitzende der JGNÖ, Michael Kögl, sicher. 1959 wurde die Wochenarbeitszeit von 48 auf 45 Stunden reduziert. Als die Wochenarbeitszeit 1969 schrittweise von 45 auf 40 Stunden gekürzt wurde, gab es zwischen 1970 und 1975 eine Zunahme um 300.000 Beschäftigte auf 2,7 Millionen. Das ist ein Jahresdurchschnitt von + 11,2 Prozent. In den achtziger Jahren kam es in wichtigen Kollektivverträgen zu einer Verkürzung auf 38,5 Stunden.

Das 35-Wochenstunden-Modell ist in Frankreich und in einigen Regionen Schwedens bereits gängige Praxis. Aus den bisherigen Erfahrungen geht eindeutig hervor, dass sich die Zahl der Krankenstände verringert hat. Auch das Burnout-Risiko ist gesunken und die Erwerbstätigen sind fitter im Job. Am Beispiel Schwedens, wo benachbarte Regionen einerseits die alte Regelung mit 40-Stunden und andererseits 35-Stunden-Experimente durchführen, sieht man diese Unterschiede sehr deutlich. „Angesichts dieser Ergebnisse sehen wir uns in unseren Forderungen bestätigt“, erklärt Kögl: „Politik darf nicht nur bis zur nächsten Wahl denken, hier brauchen wir langfristige Reformen.“

Kögl sieht auch die Ausbildungspflicht, die derzeit bis 18 Jahre gilt, sehr positiv – sie bedeutet, dass Jugendliche nach der Pflichtschulzeit eine Ausbildung beginnen müssen. Er schließt sich Bundeskanzler Kern an, der sich dafür ausgesprochen hat, dass die Ausbildungspflicht auf 25 Jahre ausgedehnt wird, um so jüngere Ausbildungs- und Arbeitslose länger aufzufangen. Abschließend schlägt die JG NÖ ein „Lehrlingsfinder-Programm“ vor: „Dadurch sollen kleine und mittlere Betriebe ohne Personalabteilung zur Ausbildung von Jugendlichen beraten, bei der Suche nach geeigneten Lehrlingen unterstützt und die Vorauswahl der BewerberInnen könnte übernommen werden, um einerseits jungen Menschen gemäß ihren Fähigkeiten und Interessen eine Lehrstelle zu vermitteln und andererseits Betriebe, die junge Menschen ausbilden wollen, bestmöglich zu unterstützen. Wir können uns vorstellen, dass dieses Lehrlingsfinder-Programm in Zusammenarbeit der Sozialpartner umgesetzt wird.“
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