21.03.2016, 19:12 Uhr

"Die kahle Sängerin" - Theaterforum Humiste spielt Ionescos Klassiker des absurden Theaters in Imst

Ernst Riha, Leni Rauch, Roswitha Matt, Walter Huber
IMST(alra). Das Theaterforum Humiste in Imst spielt aktuell "Die kahle Sängerin" von Eugene Ionesco. Das Stück gehört seit seiner Uraufführung 1950 zu den am häufigsten aufgeführten des "Absurden Theaters". Der Inhalt dreht sich um banale Alltagskonversationen, die zu parodistisch anmutenden Absurditäten hochgespielt werden. Das Ehepaar Mr. und Mrs. Smith, gespielt von Walter Huber und Roswitha Matt reduziert seine Kommunikation auf belangloses Geplänkel und selbst das Eintreffen von Gästen vertieft die Gesprächsinhalte nicht sonderlich. Diese Gäste, Ernst Riha und Leni Rauch als Mr. und Mrs. Martin brauchen ohnehin ein Weilchen um sich nach all den scheinbar aneinander vorbei gesprochenen Dialogen als Ehemann und Ehefrau und Eltern einer gemeinsamen Tochter wieder zu erkennen. Ein bemühtes Dienstmädchen, von Irene Zoller dargestellt sucht vergeblich und ernsthaft nach Erklärungen. Christian Reiter als Feuerwehrmann, der mit Leidenschaft wahre Geschichten vorträgt, sucht hingegen ständig nach Aufmerksamkeit und Bränden, die er löschen darf. Das Ende des Stückes sorgte mit einem lauten "Durchbruch" für ein kurzes Wachrütteln der Protagonisten, um sie dann jedoch wieder in die scheinbare Endlosschleife ihrer skurrilen Sprachlandschaft zu entlassen.
"Die kahle Sängerin" trägt die Intention Ionescos in sich auf einen von Banalität und Sinnlosigkeit geprägten Sprachgebrauch zu verweisen, der sich im alltäglichen verbalen Einheitsbrei eben nicht im Nichtgebrauch der Sprache, sondern im Übermaß sinnleerer Tiraden zeigt.
Die Tatsache, dass man sich nichts mehr zu sagen hat, wird folglich nicht immer mit Schweigen kompensiert - Dialoge, die aneinander vorbeiführen und Monologe, die ins Leere hallen, programmierte Floskeln, hohle Worte und automatisierte Wiederholungen verdeutlichen die mangelnde Fähigkeit des Zuhörens und die damit einhergehende Einseitigkeit, die der Sprache die wertvolle Kommunikation entzieht.
Für die Darsteller an der Bühne Imst Mitte ist das "Anti-Stück" eine weitere anspruchsvolle Herausforderung, die sowohl als Team, wie auch in den Einzelleistungen sehr gut umgesetzt wurde. Temporeich gespielt, gespickt mit Sprachakrobatik, die zugleich ihre Tiefenwirkung nicht verfehlte, wurde die absurd anmutenden Übersteigerung treffend dargestellt. Die vom Inhalt auferlegte Spannung zwischen Agieren und gesteuertem Funktionieren wurde unter der Regie von Michael Rudigier gezielt erarbeitet. Das sprichwörtliche "gegen eine Wand reden" hätte kaum intensiver umgesetzt werden können, als es in der gezielten Anordnung von strahlend weißen Wänden, die das Bühnenbild ergaben, erfolgte. Die Bildsprache, deren Reduktion der perfekte Rahmen für den thematischen Inhalt war, trug zum erfolgreichen Gesamteindruck der Inszenierung maßgeblich bei.

Weitere Spieltermine: 27./28.März um 18 Uhr, 1./2./8./9./15./16./22./23.April um 20 Uhr, 3./17.April um 18 Uhr
Kartenreservierung: www.humiste.at oder unter 0664 6360646
Abendkassa ab 19 Uhr
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