02.05.2016, 17:20 Uhr

Geschichte hautnah erleben

Während unserer Wienwoche besuchten wir im Februar mit den 4. Klassen der NMS Umhausen auf der Hinfahrt die Gedenkstätte Mauthausen. Ein Ort, der alle betroffen machte.
Für unsere Onlineschülerzeitung www.news4school hat Lea Riml einen Bericht geschrieben, der wirklich lesenswert ist und den ich hier in ungekürzter Form veröffentlichen möchte. Ein Text, der aufrüttelt und zum Nachdenken anregt – vor allem, weil es ein Bericht über den Besuch der Gedenkstätte Mauthausen aus der Sicht einer 14jährigen Schülerin ist:

Mauthausen
Der Ort der über 90.000 Toten
Vorwort:
Hallo, mein Name ist Lea Riml und der Großteil unserer Schule wird mich bereits kennen. Vor wenigen Tagen bekam ich die ehrenvolle Aufgabe einen Bericht über das KZ Mauthausen zu schreiben. Die meisten wissen wahrscheinlich, was ein Konzentrationslager ist, können sich jedoch nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Falls du dir nun von meinem Bericht erhoffst, dass du dich besser in die Lage der sogenannten Häftlinge versetzen kannst, dann muss ich dich enttäuschen.
Denn auch ich bin am vergangenen Sonntag an eine wichtige Erkenntnis gelangt: Man kann sich noch so viel über den Holocaust informieren, verstehen wird man jene Gräueltaten jedoch nie. Lediglich kann man sich mit den Geschichten der Opfer auseinandersetzten und so ihrer gedenken.
Ich hoffe, du nimmst dir Zeit für diesen Bericht und liest ihn aufmerksam, denn es ist ein Teil der grausamen Geschichte des 2. Weltkrieges und auch ein Teil UNSERER Geschichte.

Am Sonntag, den 21.2. stiegen wir, die vierten Klassen, auf unserem Weg in Richtung Wienwoche bereits in Linz aus. Dort wartete ein Reisebus, der uns zum zwanzig Minuten entfernten KZ Mauthausen brachte. Wir fuhren eine zeitlang durch einen kleinen Teil des gleichnamigen Städtchens, doch niemand war zu sehen. Am Ende von Mauthausen lag ein Waldstück, wo das Memorial bereits beschildert war. Je länger wir fuhren, umso dunkler verfärbte sich der Himmel. Nach einigen Minuten war der Gebäudekomplex auf einem Hügel zu sehen: das größte Konzentrationslager in den damaligen Donau- und Alpenreichsgauen.
Langsam wurde die Stimmung bei uns Schülern immer bedrückter. Wir bewegten uns in Richtung Mauer und trafen dort unseren Guide. Er führte uns vom ehemaligen „Russenlager“ bis hin zur „Todesstiege“. Die Todesstiege war eine Art der Folter. Die unterernährten und kranken Häftlinge mussten die bis zu 50 kg schweren Granitblöcke, die sie vorher aus dem Felsen geschlagen hatten, auf ihren Rücken die steile Treppe hinauf tragen. Sie wurden in Reih und Glied aufgestellt und auf ihrem Weg nach oben von SS-Männern gestoßen und geprügelt. Es war wie ein Dominoeffekt. Fiel eine Person von weiter oben, so zog er die anderen Menschen ungewollt mit sich hinunter. Manchmal überlebten die Häftlinge einen solchen Sturz und waren gezwungen die Todesstiege mit schweren Verletzungen erneut zu erklimmen.
Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir zu einem großen Platz. Unter uns befand sich der Granitsteinbruch und etwas daneben die schrecklich lange Stiege. Doch das schlimmste war wohl, wo wir standen: Direkt auf der Fallschirmspringerwand. Dort wurden hunderte Häftlinge hinunter gestoßen. Die SS-Männer machten sich einen Spaß daraus, die Menschen zu töten und so befahlen sie Häftlingen, sich gegenseitig hinunter zu schubsen. Viele Personen jedoch begingen an jener Stelle auch Selbstmord, um ihrem Leiden ein Ende zu setzten.
Wir gingen weiter. Vorbei an all den großen Denkmälern verschiedenster Länder. Der Wind wehte uns um die Ohren ,als wir uns in Richtung Wäschereibaracke begaben. Ich war froh, dass es so kalt war, denn es fühlte sich so herablassend an, mit Parkas am Appellplatz vorbei zu gehen. Dort vorbei zu gehen, wo die Gefangenen stundenlang nackt oder nur in hauchdünnen pyjamaartigen Anzügen stramm stehen mussten.
Rechts neben mir befand sich die Baracke der SS-Männer. Sie war noch komplett erhalten und mit Gittern und Stacheldraht gesichert. Gegenüber lag die Wäschereibaracke. In ihr befand sich ein großer Duschraum sowie ein Raum der für die sogenannte „Desinfizierung“ verwendet wurde. Im Desinfizierungsraum mussten sich die Insassen ausziehen und sich jede Art der Körperbehaarung abschneiden lassen. Anschließend wurde alles verbrannt.
Als wir im Duschraum standen war es kurz absolut still. Jeder beobachtete die „Duschköpfchen“ die von der Decke hingen. Keiner konnte sich genau vorstellen, wie es hier vor ca. 75 Jahren gewesen war, obwohl wir natürlich die Informationen hatten
Unser Guide führte uns weiter in die Schlafbaracken und zeigte uns erneut Fotos und Texte. Außerdem erklärte er uns, wie viel noch von den ursprünglichen Gebäuden erhalten sind und wo die restlichen Gebäude gestanden hatten.
Als wir aus den kleinen Holzhütten wieder herauskamen, gingen wir an einen Platz, an jenen Platz, an dem die größte Widerstandsbewegung im KZ stattgefunden hatte. Über fünfhundert sowjetische Kriegsgefangene versuchten in der Nacht zum 2.2.1945 auszubrechen. Man weiß, dass nur 11 Personen überlebt haben.

Dann kamen wir in einen unbeleuchteten Raum, der aber in einem eigenartigen Licht erstrahlte, denn jeder verstorbene Häftling ,von dem man wusste, dass er hier seinen Tod gefunden hatte, war auf einer riesigen Platte namentlich genannt und leuchtete als kleines weißes Licht. Die Namen waren so viele und schienen so hell, dass man nur einen weißen Strahl erkennen konnte.
Erschreckend war auch der Einblick in die Gaskammern, in welche man das Gas Zyklon B geleitet hatte, um die Menschen zu ersticken. Auch die Öfen im Krematorium machten betroffen.
Dann verließen wir die Gedenkstätte und gingen zurück zu unserem Bus. Wie glücklich waren wir doch, nur Besucher gewesen zu sein.
Nachwort:
Meinen Mitschülern/innen und mir werden die Bilder vom Sonntag wahrscheinlich ewig in Erinnerung bleiben. Und das ist auch gut so! Wir müssen uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen und unser Bestmöglichstes tun, um eine Wiederholung solcher Gräueltaten in der heutigen Zeit zu verhindern. Ich hoffe, dass jeder irgendwann einmal die Möglichkeit hat, Mauthausen oder ein anderes KZ anzusehen, denn das sind wir es den Opfern schuldig. (Lea Riml, 4.Klasse NMS Umhausen)
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