27.06.2016, 12:04 Uhr

Gletscherehe liegt nun bei der Behörde

Die Pitztaler Gletscherbahnen und die Bergbahnen Sölden wollen in Zukunft gemeinsame Wege gehen. Für den schon länger diskutierten Zusammenschluss der beiden Schigebiete liegt nun ein konkretes Projekt vor, das bereits zur Umweltverträglichkeits-Prüfung (UVP) eingereicht wurde. Die Vision eines Zusammenschlusses der beiden Schigebiete Sölden und Pitztaler Gletscher besteht seit Längerem. Nach rund drei Jahre andauernder Planungsarbeiten liegt jetzt ein konkretes Projekt zur Realisierung des Zusammenschlusses vor.
Realisiert werden soll die Verbindung durch die Erweiterung des Schigebietes der Pitztaler Gletscherbahnen innerhalb der Schigebietsgrenzen am Linken Fernerkogl. Dort kann in der Folge der Zusammenschluss mit dem Ötztaler Gletscher im Schigebiet Sölden erfolgen. Dieser Bereich ist bereits seit 2005 durch eine Widmung der Tiroler Raumordnung zur Erweiterung freigegeben und liegt unmittelbar zwischen den bestehenden Anlagen der beiden Schigebiete.

Neues touristisches Angebot

„Mit dem Zusammenschluss schaffen wir ein neues und attraktives Angebot, das zu einer touristischen und wirtschaftlichen Aufwertung beider Täler führen wird“, erklären Marcus Herovitsch von der Pitztaler Gletscherbahn und Walter Siegele von den Bergbahnen Sölden. Herovitsch sieht vor allem für das Pitztal großes Entwicklungspotenzial. Im Vordergrund steht für ihn der Nutzen des Projektes für die gesamte Region. Schließlich ist die Pitztaler Gletscherbahn eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Tales verbunden. „Entwickelt sich die Region positiv weiter, ist das auch für die Bergbahn gut und umgekehrt.“ Nachdem der Zusammenschluss der beiden Gebiete in erster Linie durch die Erweiterung des Pitztaler Gletschers zustande kommen wird, werden die Pitztaler Gletscherbahnen auch den Großteil der notwendigen Investitionen tätigen. „Natürlich müssen diese auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Mit dem vorliegenden Projekt ist das aus unserer Sicht auf jeden Fall gegeben.“ Beide Schigebiete gelten als besonders schneesicher und haben mit durchschnittlich 235 Schi-Betriebstagen sehr lange Wintersaisonen, die im Regelfall von Ende September bis Anfang Mai andauern. In den Vorwintern der vergangenen drei Saisonen konnte bisher, auf Grund des verbreiteten Schneemangels zu Saisonbeginn, in beiden Gebieten ein deutliches Plus bei den Besuchern verzeichnet werden. „Das unterstreicht die Beliebtheit von Gletscherschigebieten. Vor allem die ansonsten eher geringen Nächtigungszahlen in den Vor- und Nachsaisonen können mit einem Zusammenschluss sicherlich gesteigert werden.“

Projektunterlagen werden von Behörde geprüft

Die Projektunterlagen wurden bereits beim Amt der Tiroler Landesregierung abgegeben und an die zuständigen Sachverständigen verteilt. Derzeit werden die Unterlagen auf ihre Vollständigkeit hin geprüft. Nach Bestätigung der Vollständigkeit wird das Projekt von Seiten der Behörde öffentlich zugänglich gemacht.
Um das Vorhaben zu realisieren, braucht es neue Bahnen und einen Tunnel, damit die Skifahrer von der Ötztaler auf die Pitztaler Seite fahren können. Geplant sind zudem weitere Skipisten, ebenso wie die Erschließung des Linken Fernerkogels auf der Pitztaler Seite. Vor rund einem Jahr wurde eine Vorprüfung zur Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt.
Umweltanwalt Johannes Kostenzer äußerte vor einiger Zeit Bedenken gegen das Projekt: "Es gibt im Koalatitionspapier einen geografisch definierten Korridor, damit ist ein rechtlicher Rahmen geschaffen worden. Ob allerdings die massiven Eingriffe in das sensible Gletschergebiet akzeptabel sind, wage ich zu bezweifeln. Eine Zustimmung des Landesumweltanwaltes ist daher wenig wahrscheinlich." Kostenzer sieht aber nicht nur die ökologischen Aspekte, sondern will auch die gesellschaftliche Akzeptanz, die wirtschaftliche Notwendigkeit und andere Faktoren ins Kalkül ziehen.
Ernst Schöpf, Bürgermeister von Sölden sagt: "Das Projekt ist mehr als positiv zu bewerten, beide Täler profitieren massiv von einem Zusammenschluss und können sich im rauer werdenden internatonalen Wettbewerb wesentlich besser positionieren. Der zentrale Punkt ist die Schneesicherheit, ich wünsche mir schnelle Behördenwege."
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