01.08.2016, 14:17 Uhr

Kathi verleiht mir Flügel

Am eigenen Leib

UMHAUSEN. Ohne Red Bull ausgestattet, trotzdem hoffend, dass mir heute Flügel verliehen werden, betrete ich den Greifvogelpark in Umhausen. Kathi Girsule bittet mich herein in den Falknerraum, wo ein Steinadler auf der Schaukel sitzt. Er zeigt sich relativ unbeeindruckt von meiner Anwesenheit, was ich nicht gerade behaupten kann. Die Vollblut-Falknerin nimmt den Vogel gekonnt von der Stange und bringt ihn in seine Voliere zurück. Er wurde gewogen. Ich halte dezenten Sicherheitsabstand und frage schließlich nach dem Zweck der Gewichtskontrolle. "Wir müssen die Tiere regelmäßig wiegen, denn nur wenn sie satt sind, dürfen sie bei der Flugvorführung zum Einsatz kommen. Ansonsten könnte gut sein, dass beispielsweise ein Jagdfalke einen längeren Ausflug macht und unterwegs einen Happen zu sich nimmt. Auch für die kleinen Hunde unserer Gäste würde das nicht immer gut ausgehen," schmunzelt die junge Salzburgerin und geht zum nächsten mit dem respekteinflössenden Tier in die Voliere. Jetzt wird Snow, die Schnee-Eule gewogen. Wunderschön aber etwas eigensinnig soll er sein, wird mir gesagt. Snow starrt mich mit seinen gelben Knopfaugen an, ich fühle mich etwas beobachtet. "Das wirkt deshalb so," erklärt mir Kathi nebenbei, "weil er die Augen nicht bewegen kann, die Augen der Eulen sitzen im Kopf fest. Deshalb macht es auch Sinn, dass sie den Kopf um 290° drehen können." Mittlerweile ist die Schnee-Eule auch schon wieder auf ihrem Hochsitz und die Vorbereitungen auf die Flugvorführung laufen. Aus dem Kühlschrank kramt Kathi verschiedene Sachen heraus, will sie mir aber nicht unbedingt zeigen. Neugierig will ich wissen, was sie da in ihre Tasche verschwinden lässt, und bereue es im selben Moment auch schon. "Das sind die Leckerlis für unsere Greifvögel, Eintageskücken." "Mahlzeit" kommt mir über die Lippen und schon verstumme ich wieder mit leicht erschrockenem Gesicht. Wie selbstverständlich hängt sie mir eine Falknertasche um und zeigt Richtung Tür. "Die Flugshow beginnt, wir müssen gehen." Ich suche mir einen Platz zwischen den zahlreichen Besuchern und staune nicht schlecht bei den Manövern der Flugakrobaten. Langsam aber sicher dämmert es mir aber, dass die umgehängte Tasche mit Inhalt wohl heißen soll, dass ich einen Vogel füttern werde - mein Puls beginnt zu steigen. Und schon höre ich Kathi in ihr Headset sagen, dass der Weißkopfseeadler auf meiner Faust landen wird. Ich stehe ahnungslos neben der Falknerin, sie zieht mir einen Falkenhandschuh an und beginnt mit dem Kücken den Adler anzulocken. Ohne zu zögern steuert der auf mich zu und landet beinahe mit voller Wucht auf meiner Hand. Hätte Kathi mich nicht gehalten, wäre ich sicher umgefallen."Jaja, unsere Aqua bremst nicht gern," lacht sie in ihr Mikro und ich höre weit entfernt den Applaus der Zuschauer. Bis ich mich wieder erholt habe, war die Flugshow bereits vorbei und die Scharen von Zuschauern hatten ein Souvenir gekauft und die Anlage verlassen. Mein Puls war im Normalbereich angekommen und es war Mittagspause. Nach dem Essen konnte ich zusehen, wie Juraj Macko, ebenso Falkner, und Kathi noch den Geier namens Gitti trainierten. Atemberaubend schön und majestätisch kreiste Gitti über dem Greifvogelpark bis sie beschloß, doch wieder in ihre Voliere zurück zu kehren. "Die Tiere haben ihren eigenen Kopf und da kannst du als Falkner gar nichts machen, entweder sie wollen fliegen oder eben nicht." Sie spricht aus jahrelanger Erfahrung. Schon beginnen die Vorbereitungen wieder auf die zweite Flugvorführung, die ich mir aus sicherer Entfernung anschaue und genieße. Die Vögel, die nicht zum Einsatz gekommen sind, werden seperat nach der regulären Öffnungszeit noch herausgeholt und geflogen. So kommt jeder auf seine Rechnung, sofern er überhaupt Lust hat zu fliegen. Ich verlasse den Greifvogelpark in Umhausen ohne Flügel, dafür mit einer Tasche voll Erinnerungen und einmaliger Eindrücke aus der Welt der Greifvögel. Kathi, Juraj und ihre Kollegen haben hier ganze Arbeit geleistet mit dem Training und der Pflege der Tiere. Man merkt, das ist Arbeit aus Leidenschaft.
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