21.03.2016, 11:19 Uhr

"Trainieren, statt operieren" - sagt der Arzt!

Dr. Josef Flür ist ein Verfechter des Kraftrainings und empfiehlt dreimal pro Woche Hanteltraining samt Ausdauersport.
TARRENZ. Dass Krafttraining viele gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, ist allgemein bekannt. Neuere Studien bescheinigen dem Sport mit der Hantel aber auch lebensverlängernden "Anti-Aging"-Charakter, samt einer ganzen Reihe an weiteren erfreulichen Tatsachen. Dr. Josef Flür erklärt im BB-Interview, was man mit gezieltem Training so alles erreichen kann und warum er selbst ein begeisterter Kraftsportler ist.

Herr Dr. Flür, sie betreiben Kraftraining im Tarrenzer Fitnesstempel Bodystyle. Warum plagen sie sich mit schweren Gewichten und wie sind sie zum Kraftsport gekommen?
"Ich bin schon vor mehr als sechs Jahren, zu Beginn meines Studiums, zum Kraftraining gekommen und habe bald erkannt, dass es mir nicht nur körperlich sehr gut tut, sondern auch eine mentale Hilfe ist. Vor allem als Ausgleich zur vielen Kopfarbeit beim Lernen, aber jetzt auch zu meiner beruflichen Tätigkeit als Arzt im KH Zams, war und ist es für mich ein idealer Sport."
Wie oft trainieren Sie generell?
Ich gehe durchschnittlich dreimal pro Woche für 1,5 Stunden ins Fitnessstudio, was ausreichend ist, um seinen individuellen Fitnesslevel aufzubauen bzw. zu erhalten. Dabei sollte auf einen regelmäßigen Wechsel des Trainingsplanes geachtet werden (alle 6-8 Wochen), um der Muskulatur genug Abwechslung zu bieten."
Worin spiegeln sich die Effekte des Krafttrainings wider?
"Die langfristigen Effekte sind unter anderem Blutdrucksenkung, Insulinsensibilisierung, Stabilisierung des Hormonhaushaltes bzw. auch des Wasser- und Elektrolythaushaltes. Bei letzterem muss vorausgesetzt werden, dass durch Schwitzen beim Training verlorengegangene Salze durch Wasser ersetzt werden müssen. Große körperliche Anstrengung verlangt viel Flüssigkeit. Weiters werden durch den Muskelaufbau Gelenke stabilisiert, das Verletzungsrisiko bei Stürzen sinkt. Weil beim Training nicht zuletzt auch Kräfte auf den Knochen wirken, wird dabei die Knochendichte verbessert. Einen wichtigen Trainingseffekt stellt die Gewichtsreduktion dar, die erheblich zu einem gesunden Lebensstil beiträgt."
Wie wirkt sich Krafttraining mental aus?
"Es gibt eine ganze Reihe von wünschenswerten Effekten auf die Psyche. Eine allgemein bessere Stimmungslage und mehr Selbstbewusstsein erleichtern den Alltag ungemein und man ist natürlich auch den beruflichen Herausforderungen besser gewachsen. Mit dem Trainingserfolg wächst meist auch der bewusstere Umgang mit gesunder Ernährung und Gewichtsmanagment."
Kann mittels Krafttraining Krankheiten vorgebeugt werden?
"Zahlreiche Beschwerden können mit regelmäßigem Training positiv beeinflusst werden. Dazu zählen vor allem Rückenschmerzen entlang der Wirbelsäule, insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule. Hier kann durch eine muskuläre Rumpfstabilisierung mit Rückentraining gezielt Bandscheibenleiden, Vorwölbungen und damit verbundenen Schmerzen und Haltungsschäden entgegengewirkt werden. Auf diesem Wege werden, wenn rechtzeitig begonnen wird, Bandscheibenvorfälle und deren Operation verzögert, bestenfalls verhindert."
Wo liegen die Grenzen des Kraftsportes?
"Bei bestehenden Gelenksknorpelschäden kann auch der Kraftsport keine Wunder bewirken. Weiters muss bei Wirbelsäulenbeschwerden mit auftretenden Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche jedenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Bei Vorerkrankungen bzw. höherem Alter empfiehlt es sich, das Training zuerst ebenfalls ärztlich beurteilen zu lassen."
Gibt es ein Alterslimit?
"Grundsätzlich nicht, man kann bis ins hohe Alter gezielt seine Muskulatur stärken. Dabei muss jedoch wie sonst auch auf die Stimme des Körpers gehört werden. Sie sagt verlässlich, wann das Training zu viel wird. Des weiteren kann eine Kräftigung im Alter dabei helfen, mobil zu bleiben und Stürze zu verhindern. Sollte es trotzdem zu einem Sturz kommen, kann die Muskulatur Aufprallenergie abfedern."
Was kann man generell zum Thema Fitnessstudio sagen?
"Es ist kein Geheimnis, dass regelmäßige Bewegung, insbesondere natürlich Krafttraining wesentlich zu einem gesunden Lebensstil beiträgt. Es fördert die geistige und körperliche Balance, stärkt zusätzlich auch die soziale Komponente und kann Sommer wie Winter betrieben werden. Zudem stellt es das wohl günstigste „Anti-Aging-Mittel“ dar. Fitness ist kein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung."

Das Gespräch führte
Clemens Perktold
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