13.05.2016, 23:26 Uhr

3.Weltkrieg im Vormarsch?

Was geschieht eigentlich gerade in Europa?

Sind das reale Vorboten eines realen Krieges?
Wie denkt Ihr über die momentane Situation?



Gorbatschow

hier ein interessanter Artikel aus damaligen Zeiten der wieder brandaktuell ist...

ADENAUER-GESPRÄCH / INTERNATIONALES
Genau so
Das amerikanische Nachrichten-Magazin (mit Pentagon-Verbindungen) "U. S. News & World Report" schockierte kürzlich die hohe Politik Westeuropas mit einer Zehnzeilen-Meldung. Sie betraf ein Gespräch, das Bundeskanzler Konrad Adenauer am 28. September im Londoner Claridge''s Hotel mit Belgiens Außenminister Spaak führte*).
Die Meldung lautete: "Konrad Adenauer, der Kanzler Westdeutschlands, sagte in London zu dem belgischen Außenminister Paul-Henri Spaak: ''Ich bin hundertprozentig überzeugt, daß die deutsche Nationalarmee, zu der uns Mendès-France zwingt, eine große Gefahr für Deutschland und Europa wird. Ich weiß nicht, was aus Deutschland werden soll, wenn ich einmal nicht mehr da sein werde und es uns inzwischen nicht gelingt, ein vereinigtes Europa zu schaffen.''"
Es dauerte über eine Woche, bis sich die Militärs in Washington und in den Hauptstädten der europäischen Nato-Mächte von der entmutigenden Wirkung der zitierten Adenauer-Worte erholt hatten. Dann aber versuchten sie, die Situation zu klären:
* Das in Washington permanent tagende oberste Generalstabskollegium der Atlantikpakt-Mächte, die "Standing Group", in der nur Vertreter der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs sitzen, wandte sich mit einer völlig ungewöhnlichen Demarche an das amerikanische Verteidigungsministerium und bat um Prüfung der Nachricht in den "U. S. News".
* Vertreter Frankreichs, Italiens und der Benelux-Staaten im europäischen Hauptquartier der Nato-Mächte (Shape) baten den belgischen General Servais, der als Stabschef beim Oberbefehlshaber der zentraleuropäischen Nato-Streitkräfte, Marschall Juin, amtiert, in Brüssel "eindeutig" festzustellen, ob Adenauer sich gegenüber Spaak tatsächlich so ausgesprochen habe, wie es "U. S. News & World Report" berichtet hatte.
* Außerdem forderten diese Offiziere des Shape auch im Nato-Rat und im Nato-Generalsekretariat eine offizielle Stellungnahme zu der Meldung von "U. S. News".
Am 28. Oktober wurde der "Standing Group" in Washington über den amerikanischen Generalstab eine Äußerung des Herausgebers von "U. S. News", David Lawrence, zugeleitet: Das Adenauer-Zitat sei absolut richtig wiedergegeben worden. Die Redaktion von "U. S. News" besitze genaue Unterlagen über das zwischen Adenauer und Spaak geführte Gespräch.
Kurz darauf ging auch beim Shape Bescheid aus Brüssel ein. Außenminister Spaak hatte diplomatisch verklausuliert geantwortet: Gewiß habe man in der Unterhaltung die Gefahr einer deutschen Nationalarmee für die europäische Zukunft erörtert; allerdings könne er, Spaak, sich nicht mehr daran erinnern, ob Herr Adenauer die von "U. S. News" zitierten Sätze "genau so" gebraucht habe.
Auf diese beiden Bestätigungen hin bildeten französische Nato-Offiziere eine nicht-amtliche Offizierskommission, die von den politischen Instanzen der Nato Garantien gegen ein Ausbrechen der zukünftigen deutschen Wehrmacht aus dem Paktgefüge der Nato und der anderen Pariser Vereinbarungen fordern will. "Zunächst stellen wir Bomben in Heimarbeit her", sagte ein Mitglied dieser Fronde. Man will vor allen Dingen die Parlamente gegen die jetzt vorliegende Form der Pariser Verträge mobilisieren. Deputierte aller französischen Parteien wurden von dieser Offiziersgruppe bereits unterrichtet und aufgefordert, bei den zukünftigen Kammer-Debatten über die Pariser Verträge weitere Sicherungsklauseln gegen Westdeutschland zu verlangen.
Aber nicht nur die Militärs Frankreichs, der Benelux-Staaten und Italiens berufen sich auf den westdeutschen Bundeskanzler: Am 28. Oktober fanden in Prag Feiern anläßlich der tschechischen Unabhängigkeitserklärung von 1918 statt. In einer Rede vor dem Offizierskorps der Prager Garnison sagte Verteidigungsminister Cepicka unter ausdrücklichem Bezug auf die Nachricht in den "offiziösen U. S. News": "Adenauer hat selbst die zukünftige deutsche Armee als eine schreckliche Gefahr für den Frieden bezeichnet ... Er sieht das Chaos, das aus der Aufstellung westdeutscher Truppenverbände entstehen wird, klar voraus. Spaak und die anderen wissen darum, schweigen aber, weil Amerika mit der Peitsche dahinter steht."
In den letzten Tagen wurde in Polen und in der Tschechoslowakei eine 22 Seiten starke Broschüre in Hunderttausenden Exemplaren gratis an die Angehörigen der Armee, an Arbeiter und Studenten verteilt, an deren Anfang "U. S. News & World Report" zitiert und ausgeführt wird, daß die Amerikaner dem "Drang nach Osten" und den "Revanchegelüsten" der Deutschen keine Zügel aufzulegen beabsichtigen.
*) Der SPIEGEL berichtete in seiner Ausgabe vom 6. Oktober 1954 (41/1954) ausführlich über das Gespräch zwischen Adenauer und Spaak, an dem auch der luxemburgische Ministerpräsident Bech teilnahm.

DER SPIEGEL 47/1954

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