Streit um Linde am Holzplatz
(21.07.08)
Der - laut Gutachten - kranke Baum soll in der unmittelbaren Zukunft gefällt werden. Die Langenloiser Grünen wehren sich gegen diese scheinbar endgültige Entscheidung und verlangen ein zweites Gutachten.
LANGENLOIS. Der Langenloiser Holzplatz wird gerade renoviert und modernisiert. Im Zuge dieser Bauarbeiten kam es unter den Langenloiser LokalpolitikerInnen sowie der Bevölkerung der Stadtgemeinde zu einer Diskussion rund um die Frage: Soll die alte Schubert-Linde stehen bleiben oder gefällt werden?
Die Hintergründe
In die Planung für die Erneuerung des Holzplatzes wurde der Baum zwar fix eingeplant, jedoch entbrannte damals schon die Diskussion, ob es nicht einfacher und vor allem kostengünstiger wäre, die Linde gleich zu fällen.
Viele Stimmen protestierten dagegen, und vor allem die Grüne Fraktion im Langenloiser Stadtrat - allen voran Andreas Nastl - setzte sich intensiv für den Erhalt des Baumes ein. Daraufhin wurde eine Vereinbarung zwischen Bürgermeister Hubert Meisl und den Grünen getroffen, die den Erhalt des Baumes sicherstellt, wenn der Baum nicht aus Krankheitsgründen gefällt werden muss.
Ein Gutachten von DI Helga Zodl im Vorjahr hatte bestätigt, dass der Baum in gutem Zustand sei. Unter anderem durch die Bauarbeiten wurde die alte Linde jedoch „beleidigt“, und so fiel ein Gutachten im Mai dieses Jahres schon viel kritischer aus. Es wurden spezielle Maßnahmen gesetzt, um den Zustand des alten Baumes zu verbessern.
Am 1. Juli dieses Jahres erfolgte dann eine neuerliche Begutachtung durch DI Zodl. Darin wurde festgestellt, dass „die regelmäßige Wässerung nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hat. (...) Es ist wahrscheinlich, dass die Krone des Baumes langsam während der nächsten Jahre absterben wird, insbesondere dann, wenn weiter in den Wurzelraum eingegriffen wird, was durch die Bauarbeiten nicht gänzlich vermieden werden kann. (...) Zum derzeitigen Zeitpunkt ist zu empfehlen, den Baum zu entfernen.“
Meisl: Kein Risiko eingehen
Im Amtsblatt vom 14. Juli verkündet der Langenloiser Bürgermeister, dass aufgrund des Gutachtens von DI Zodl die Linde nun leider doch weg muss: „Um kein unnötiges Risiko einzugehen, wird daher die Schubert-Linde am Holzplatz in den nächsten Tagen gefällt“, heißt es darin.
Auch bei einer von ihm selbst einberufenen „spontanen Gesprächsrunde“ für Presse und Gemeindevertreter direkt vor Ort, betonte Meisl seinen Standpunkt: „Das Gutachten besagt, dass der Baum krank ist, daher muss er gefällt und durch einen jungen Baum ersetzt werden.“
Andreas Nastl, Stadtrat der Langenloiser Grünen, ist entsetzt, dass Bürgermeister Meisl sein Wort bricht. Außerdem sei er enttäuscht, dass er von der scheinbar endgültigen Entscheidung, die Linde nun doch zu fällen, über das Langenloiser Amtsblatt und nicht persönlich erfahren hat. Er ist der Meinung, dass es nicht notwendig ist, den Baum sofort zu fällen: „Die alte Linde ist ein wichtiger Bestandteil des Langenloiser Holzplatzes und sollte deswegen erhalten bleiben. Das ist auch der Wille der Langenloiser Bevölkerung“, so Nastl.
Stadtrat Dr. Anton Maurer ist da anderer Meinung: Er hätte den Tenor in der Bevölkerung vernommen, der Baum sei alt und gehöre ohnehin längst weg.
Ein weiteres Argument, das Maurer den Linden-Befürwortern entgegenbringt: Die Linde sei alt und krank, und daher auf kurz oder lang eine Gefährdung für jeden, der sich ihrer der Nähe befindet.
Zweites Gutachten
Andreas Nastl plädiert vor dem endgültigen Entschluss zumindest für ein zweites Gutachten: „Bei jeder wichtigen Entscheidung im Leben - sei es eine Operation oder neue Fenster - holt man sich mehr als nur eine (Fach-) Meinung ein.“
Nun hat sich auch Michaela Sburny, Bundesgeschäftsführerin der Grünen, eingeschaltet und Bürgermeister Meisl einen Brief mit Bitte um Erhalt der Linde zukommen lassen.
Noch steht die Linde, eine Entscheidung ist aber sehr bald zu erwarten.
Laura Weichselbaum
Meinung: Laura Weichselbaum
Rationalität vs. Emotionalität
Die Debatte um die alte Linde am Langenloiser Holzplatz scheint für die Verantwortlichen ein äußerst emotionales Thema zu sein. Heiße Diskussionen entfachen, wenn es darum geht, ob der 100 Jahre alte Baum gefällt werden soll oder nicht. Bürgermeister Hubert Meisl sieht die Sache rational: Das Gutachten von DI Zodl habe festgestellt, dass der Baum krank sei. Aus Sicherheitsgründen und weil es die Umbauarbeiten erheblich kostengünstiger mache, sei es vernünftiger, die Linde so schnell wie möglich zu fällen.
Rational gesehen, hat er damit wahrscheinlich recht. In der Realität hat der Baum aber symbolische Bedeutung, ist er doch Teil der Langenloiser Geschichte. Politische Entscheidungen sollten und können nicht immer auf rein rationaler Basis getroffen werden. Ein zweites Gutachten wäre zumindest ein Kompromiss, dem Baum noch eine - wahrscheinlich letzte - Chance zu geben.