18.03.2016, 08:28 Uhr

Angewandte: Frischzellenkur für Kunst- und Kulturgüter

Magdalena Hopfensperger, Studentin im 4. Semester, restauriert ein Holzkreuz der Pfarre St. Georg/Trins in Tirol

Von der antiken Figurengruppe bis zu zeitgenössischen Kunstwerken – jedes Kunstwerk altert!

INNERE STADT. Die Studienrichtung Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien beschäftigt sich mit der Erhaltung von Kunst- und Kulturgütern, die durch ihren kunsthistorischen, künstlerischen, oder wissenschaftlichen Wert unersetzbare Dokumente sind. „Die Konservierungswissenschaft möchte Objekte in ihrem gewachsenen Zustand möglichst erhalten, nicht erneuern“, erklärt Institutsvorstand Univ. Prof. Mag. Dr. Gabriela Krist. Neben dem Erhalt dieser Kulturgüter steht eine genaue Analyse nach neuestem Wissensstand und die Dokumentation im Mittelpunkt. Das Studium dauert 10 Semester. „Von Beginn an wird in allen Fachbereichen an Originalen gearbeitet, die oft aus renommierten Sammlungen stammen.“ Österreichs Museen, heimische Kirchen und Klöster sind „Stammkunden“ des Instituts. Schon seit 1933 gibt es in Österreich eine akademische Restaurierungsausbildung, es wird auf hohem akademischen Niveau gearbeitet und die Auftraggeber schätzen neben der Qualität der Konservierung und Restaurierung auch die damit verbundene gründliche Analyse, Expertise und Dokumentation, ob im Bereich Gemälde, Objekte, Textil, oder Stein.

Holz: Ganz unser Element


Ob im Bereich der Malerei, von mittelalterlichen Holztafeln bis zu modernen Holzuntergründen, wie Spanplatten, oder bei der Restaurierung dreidimensionaler Objekte aus dem Feld der angewandten Kunst und des Kunstgewerbes, bei der Denkmal-und Holzbaupflege, ethnologischen und archäologischen Objekten: Holz spielt eine tragende Rolle. So hat Magdalena Hopfensperger, Studentin im 4. Semester, als Projektarbeit ein seltenes Holzkreuz der Pfarre St. Georg/Trins in Tirol restauriert und dokumentiert. „Es stammt aus 1783, wurde als Sterbeandenken für einen „Kurat“ der Pfarre gefertigt. Lange Zeit war dieses verschwunden und tauchte in den 1940ern am Dachboden wieder auf. Es wurde für Prozessionen verwendet, verschwand in den 1970ern neuerlich. Im Jahre 2014 wurde es in der Sakristei (in einem ungenützten alten Sakristeikasten) gefunden. Jetzt wird es schonend restauriert und wird bald wieder an der Empore der Pfarrkirche St. Georg in Trins hängen“, erzählt die Studentin, selbst eine Tirolerin. Studienkollegin Lilly Becker restauriert gerade einen Holzrahmen aus dem Stift Neukloster in Wiener Neustadt. In beiden Fällen gilt als oberstes Gebot: Erster Schritt ist immer die genaue Analyse und die Konservierung. Restauriert wird schonend, also unter Erhaltung der ursprünglichen Beschaffenheit und Funktion, nur was kaputt ist oder demnächst kaputt gehen könnte. Nichts wird „zu Tode restauriert“. Was alt ist, darf alt bleiben, inklusive Patina!

Raritäten für die Nachwelt erhalten


Etwa eine Inuit-Maske der Papanek-Foundation, die ebenfalls zur Universität für angewandte Kunst Wien gehört. „Sie stammt aus den 1940ern und ist aus Treibholz gefertigt. Die Form stellt einen Belugawal dar, ein Inuit mit Schneebrille und ein Seehund sind eingeschnitzt. Vermutlich wurde sie beim Erzählen von Jagdgeschichten verwendet“, erklärt Studentin Katharina Mendel die Hintergrundgeschichte ihrer Projektarbeit an dem ungewöhnlichen Objekt. Die zerbrochenen Kleinteile hat sie mit Störleim geklebt. „Wir kleben so wenig und schonend wie möglich, damit die Restaurierung reversibel bleibt.“ Besonders spannend ist die Arbeit mit Kombinations-Figuren, deren Korpus aus Holz geschnitzt und mit kleinsten Muscheln, oder mit Bein beklebt wurde. Sie stammen auch aus der Sammlung des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt. „Die Detailarbeit ist faszinierend. Die winzigen Glasaugen wurden durch den Hinterkopf eingesetzt, die Kleidung ist aus bemaltem Holz und feinst verklebten Fasern“, erklärt Student Julian Cech, der seine Liebe zum Element Holz schon bei der Restaurierung des berühmten Joseph Beuys Baumes entdeckte. Diese Eiche hatte Joseph Beuys 1983 vor der Angewandten gepflanzt. Der Baum starb ab, seine Überreste verschwanden im Heizungskeller und wurden 2015 von Julian Cech am Institut für Konservierung und Restaurierung bearbeitet. „Das Ziel war der Erhalt des Objektes mitsamt den Spuren seiner wechselvollen Geschichte.“ Abschließend wurde eine Vitrine erstellt, die für den Beuys-Baum eine langfristige Lagerung, die sichere Handhabung und seine Präsentation ermöglicht. Der Baum ist heute Bestandteil der Kunstsammlung der Universität für angewandte Kunst Wien.


Conservation goes international

Die Konservierung der Angewandten ist seit fast einem Jahrzehnt auch international tätig. Bereits 2004 wurde in einem indischen Bergdorf im Himalaya an einer einzigartigen buddhistischen Tempelanlage mitgearbeitet. Heute liegt ihr Schwerpunkt auf dem Palastkomplex im nepalesischen Patan, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. „Viele Holzelemente an den Gebäuden waren früher gefasst, hatten farbige Elemente, die durch die Witterung sehr beansprucht wurden, ähnlich wie unsere alten Bauernhäuser in den Alpen. Holz im Außenbereich ist ein großes Thema für uns.“

Info: www.dieangewandte.at/restaurierung
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.