10.06.2016, 12:54 Uhr

Auktionsrekord: 530.000 EUR für "Obstgarten" von Richard Gerstl beim Auktionshaus ImKinsky

Richard Gerstl "Obstgarten", Credit: Auktionshaus ImKinsky
Wien: ImKinsky |

Nachdem eine Stiftung in einem überaus spannenden Bietergefecht im Auktionshaus Kinsky das Bild "Obstgarten" um 530.000 EUR ersteigerte, rückte auch der Künstler Richard Gerstl wieder in den Mittelpunkt.

Der egomanisch-unglückliche, depressive und zugleich aufmüpfige und eigensinnige Maler, der 1883 in Wien geboren wurde, war bis dato einer der unbekanntesten Expressionisten Österreichs. Seine anderen Interessen waren Literatur, Musik und Philosophie. So lernte er auch Gustav Mahler und Arnold Schönberg kennen. Nachdem er 1906 Schönberg kennengelernt hatte und dessen Familie malte, entwickelte sich eine geheime Liebesbeziehung zu dessen Frau Mathilde, die für Gerstl sogar zeitweise ihren Mann verließ und von deren Urlaubsdomizil Gmunden am Traunsee mehrmals heimlich nach Wien eilte.

Gerstls Leben war kurz, aber ereignisreich und endete dramatisch. Da das unglückliche Liebesverhältnis zu Mathilde Schönberg im Sommer 1908 durch den Ehemann Arnold aufgedeckt wurde (er erwischte die Beiden in flagranti) und eine Scheidung wegen der beiden Schönberg-Kinder nicht in Frage kam, sah Gerstl keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen. Ohne Geliebte, ohne Freunde, auch vom eigenen Bruder verachtet, fiel er in eine tiefe Depression und erhängte sich im November 1908 erst 25jährig am Fenster. Sicherheitshalber rammte er sich auch noch einen Dolch ins Herz.

Leider wurden seine expressionistischen Landschaften und Portraits zu Lebzeiten nie ausgestellt. Finanziell war er unabhängig, da er aus wohlhabenden Verhältnissen stammte. Seine Schaffensperiode dauerte nur 4-5 Jahre. 1931 fand in der Neuen Galerie in Wien die erste Ausstellung mit Werken von Richard Gerstl statt. Der Bruder hatte alle Werke, die Richard nicht vernichtete, über 20 Jahre lang in einer Truhe in einem Depot aufbewahrt. Erst jetzt wurde die internationale Kunstwelt wieder auf ihn aufmerksam. Im Belvedere Wien, in den Sammlungen Leopold und Kamm findet man einzelne Bilder.
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