30.05.2016, 10:36 Uhr

Geschäftesterben in der City: Mythos oder Wahrheit?

Die Rotenturmstraße ist bei Touristen beliebt - über eine Umwandlung zur Begegnungszone könnte nachgedacht werden.

Der Leerstand in der Inneren Stadt kann nach einem Lokalaugenschein der bz nicht bestätigt werden.

INNERE STADT. An schönen Tagen wimmelt es im ersten Bezirk nur so von Menschen. Gerade Kärntner Straße und Graben sind beliebte Anziehungspunkte für Touristen und Bewohner. Abseits dieser Shoping-Meilen soll es aber weniger rosig für den Handel zugehen. Das Schlagwort "Geschäftesterben" wird gerne verwendet. In den Einkaufsstraßen Wollzeile und Rotenturmstraße ist davon aber nichts zu bemerken.

Auch bei den Wiener Einkaufsstraßen ist man bisher nicht alarmiert. "Wir nehmen natürlich eine gewisse Fluktuation bei den Pächtern der Geschäfte war. Dies hat man aber in jeder Einkaufsstraße. Besonders viel Leerstand ist uns nicht bekannt im ersten Bezirk", so Michael Haas von den Wiener Einkaufsstraßen. Generell gibt es keine Verpflichtung, dass den Wiener Einkaufsstraßen die Gründe für Geschäftsauflösungen genannt werden. Auch die Bezirksvorstehung muss darüber nicht näher informiert werden.

Handel ist zufrieden

Auch wenn Straßen wie Rotenturmstraße und Wollzeile eher abseits liegen, kann sich der Handel trotzdem nicht beklagen. Die Geschäfte laufen gut - auch Dank der Touristenströme, die neben den Schaufenstern vor allem von der Gastronomie angezogen werden.

In der Rotenturmstraße kommt es auf den schmalen Gehsteigen gerne vermehrt zur "Staubildung". Die Umwandlung zu einer Begegnungszone könnte diese Engpässe entschärfen. In der Herrengasse wird dies bereits erfolgreich umgesetzt, wodurch sich der Handel in dieser Gegend eine deutliche Belebung verspricht: "Die Monate, in denen die Straße eine Baustelle ist, muss der Handel dann zwar überstehen – aber danach wird das Einkaufen in der Begegnungszone attraktiver sein", sagt Omer Rahimy, Inhaber des Kabul Shops in der Herrengasse. Auf diese Art können entlegenere Einkaufsstraßen attraktiver gemacht werden.

Großes Manko Mietkosten

Worunter die Geschäftstreibenden im ersten Bezirk sehr wohl leiden, sind die hohen Mieten bei den Räumlichkeiten, so ein Geschäftsinhaber in der Rotenturmstraße. Dies führt dazu, dass viele traditionelle Läden abwandern oder ganz schließen müssen. Noch kommen Nachmieter nach. Dies sind aber sehr oft große internationale Ketten, wodurch der Charme der Wiener Innenstadt verloren gehen könnte.

Eine Möglichkeit, den hohen Mieten durch mehr Umsatz entgegenzuwirken, könnte die Sonntagsöffnung darstellen: "Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel der Online-Handel am Sonntag am stärksten passiert, dann entgeht dem Handel hier ein Geschäft", findet Markus Gratzer von der Österreichischen Hoteliervereinigung. Spätestens, wenn es im ersten Bezirk wirklich zum "Geschäftesterben" kommt, muss die Sonntagsöffnung disskutiert werden. Zum Glück ist es aber noch nicht soweit.
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