31.05.2016, 11:04 Uhr

Ein gestrandetes Paar

Ein gestrandetes Paar unter kalifornischer Sonne: Luka Oberhammer und Konrad Hochguber in Thomas Gassners neuestem Stück „Sausalito“. (Foto: Christoph Tauber, Westbahntheater)
Innsbruck: Westbahntheater Innsbruck |

Das Westbahntheater zeigt Thomas Gassners neuestes Stück „Sausalito“.

Ein malerischer Steg führt vom Publikumsraum über Nylongewässer zu einem Klavier, das sich bereits nach wenigen Sekunden als Hausboot und einigermaßen strapazfähige Bühne der beiden Protagonisten von Thomas Gassners neuestem Stück „Sausalito“ entpuppen wird. Denn am Klavier haust David, ein verkrachter Performancekünstler, und ebendort wird ihm die wunderschöne und erfolgreiche Scarlet sprichwörtlich ins Netz gehen. Er hofft zunächst auf einen weiteren schöpferischen Engel, der ihn aus seiner Endloskrise führen könnte. Sie, die von ihrem vermeintlich perfekten Leben Reißaus genommen hat, will eigentlich nur mal untertauchen. Doch da sind sie schon mittendrin in dem scheinbar unausweichlichen Spiel von Anziehung und Abstoßung, kurz aufflackernder Hoffnung, die man im nächsten Moment am Besten gleich selbst wieder prophylaktisch auslöscht. „Ich lasse mich nicht mehr berühren“, sagt er. Sie meint: „Tu einfach so, als ob du mich liebst“.

Das Setting scheint altbekannt, der Ausgang absehbar. Tatsächlich lässt Gassner seine Geschichte aber über neun wunderbar poetische Songs von Größen wie Lou Reed, Bruce Springsteen oder Jovanotti vorantreiben. Nicht von ungefähr nennt er „Sausalito“ ein Stück mit viel Musik. Nick Caves „Where the wild roses grow“ markiert dabei zunächst die dramatische Wende, die sich nach einigen Schreckenssekunden und einem epischen Monolog schließlich – und man möchte fast sagen glücklicherweise - als eine surreale Episode relativiert. Konrad Hochgruber und Luka Oberhammer spielen und singen sich als David und Scarlet in ihren shabby Strandklamotten dabei in einer geradezu selbstverständlichen sommerlichen Leichtigkeit durch diese kurzen Episoden einer möglichen Liebesgeschichte. Musikalisch furios unterstützt und begleitet von Christof Hager auf der Gitarre und Alexander Sackl am Klavier, welcher im Übrigen auch für Regie und musikalische Leitung verantwortlich zeichnet. Zwar lassen die zwei kongenialen Ausstatterinnen Esther Frommann und Luka Oberhammer die kleine Hausbootband konsequenterweise in Marinelook und barfuß auftreten, durch die tief ins Gesicht gezogenen dunklen Kapuzenshirts bleiben die Musiker gleichzeitig diskret im Hintergrund. Denn das warme Scheinwerferlicht, das einen unversehens an einen scheinbar nie enden wollenden kalifornischen Sonnentag erinnert, gilt einzig dem verqueren Paar. Sackl und seinem Team gelingt mit dieser Westbahntheaterproduktion jedenfalls nicht nur ein dichtes atmosphärisches Kammerstück, „Sausalito“ macht einem auch förmlich Lust auf den hoffentlich bald nahenden Sommer.
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