26.04.2016, 08:12 Uhr

Ein Hoch auf die Freundschaft

Zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten, werden zu ziemlich besten Freunden: Nik Neureiter als Philippe und Markus Oberrausch als Driss. (Foto: Kellertheater)
Innsbruck: Kellertheater |

Das Kellertheater spielt sich mit einer überaus gelungenen Bühnenfassung des französischen Erfolgsfilms „Ziemlich beste Freunde“ in die Herzen seines Publikums.

Die berührendsten und unglaublichsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst. Und wahrscheinlich macht genau das den geheimen Zauber dieses Film- und nunmehr Theaterstoffes aus. Denn als konstruierte Geschichte einer Freundschaft über alle gesellschaftlichen Barrieren und Unterschiede hinweg, einer Beziehung, in der sich die übliche Abhängigkeit in die ganz andere Richtung dreht und schon bald gar keine Relevanz mehr hat (sonst wär es ja keine Freundschaft), hätte man wohl als unerträgliche Kitschschmonzette empfunden. Aber so. Tatsächlich basiert der Kinofilm, der nun im Kellertheater als Theaterstück zu sehen ist, auf der 2001 erschienenen Autobiografie des ehemaligen Pommery-Geschäftsführers Philippe Pozzo di Borgo, der im Juni 1993 beim Paragliding abstürzte und seither Tetraplegiker ist (also eine Querschnittslähmung, bei der alle vier Gliedmaßen betroffen sind). Das lässt einen staunen, wie auch nachdenklich werden. Denn Philippe entscheidet sich nach den Bewerbungsgesprächen nicht etwa für einen ausgebildeten Pfleger, schon gar nicht für einen, der noch dazu kundtut, dass er Behinderte mag. Seine Wahl fällt auf den am Job völlig uninteressierten wie auch formal gänzlich unqualifizierten Driss aus dem verrufenen Migrantenviertel, in dem quasi jeder schon mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist.

Wenig verwunderlich also, dass Philippes Familie, sprich sein Bruder Antoine den neuen Gefährten mit Argusaugen beobachtet. Doch Philippe tut genau das Richtige: Er wählt sich einen, der ihm ohne jedes Mitleid gegenübertritt, der sogar immer wieder auf Philippes Zustand vergisst. Zudem hat Driss nicht nur quasi unentwegt den Schalk im Nacken, er hat trotz einer Herkunft, die all das überhaupt nicht suggerieren würde, unglaublich feine Antennen für die Schmerzpunkte und die Würde seines Gegenübers. Herzensbildung, auch das lernt man am Film wie nun im Stück, ist also keine Frage der Herkunft. Und genau mit dieser herzerwärmenden Nonchalance holt er Philippe Stück für Stück wieder ins Leben zurück.

Thomas Gassner hat die perfekt auf ein Kammerstück heruntergebrochene Bühnenfassung dieses vielfach preisgekrönten Erfolgsfilms nun für das Kellertheater inszeniert - mit einem wahrlich formidablen Ensemble. Denn das Stück lebt genau wie der Film vom selbstverständlichen Zusammenspiel seiner Protagonisten. Markus Oberrauch verkörpert Driss mit der genau richtigen Mischung aus Lässigkeit, Chuzpe und Herz, Nik Neureiter besticht als Philippe durch sein auch körperlich hoch konzentriertes Spiel. Nevena Lukic ist als Assistentin Magalie eine ebenso coole wie neckische Gegenspielerin, Edwin Hochmuth überzeugt sowohl als betulicher Pfleger wie als besorgter Bruder Antoine, Therese Hofmann zeigt als Galeristin wie zuletzt als Eleonore eindrucksvolle Präsenz. Bühnenbildner Luis Graninger arbeitet mit Mobiliarzitaten und trennt die Räume durch Vorhänge, von denen einer in der Premiere krachend zu Boden gehen wird (ein Rollstuhl hat eben so seine Tücken), was sowohl auf der Bühne wie im Publikum für einige Heiterkeit sorgte. Danach waren sprichwörtlich alle emotionalen Schleusen offen. Denn die fünf auf der Bühne hatten sich ohnehin schon nach wenigen Sequenzen in die Herzen ihres Publikums gespielt. Und das wird so bleiben.
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