06.09.2016, 08:00 Uhr

Suizid bei Kindern und Jugendlichen verhindern

Die Telefonseelsorge ist auch online erreichbar. (Foto: pixabay)

Am Samstag, 10. September 2016 findet bereits zum 16. Mal der Weltsuizidpräventions-tag statt. Die Telefonseelsorge Innsbruck rät, auf Warnsignale zu achten. Gerade bei Jugendlichen ist große Aufmerksamkeit angebracht.

Kindern und Jugendlichen fehlt häufig die Fähigkeit ihr Leid zu beschreiben und sie scheuen sich davor, sich an Erwachsene zu wenden. „Kaum ein Jugendlicher mit Suizidgedanken ruft bei unserer Hotline 142 an“, so Astrid Höpperger, Leiterin der Telefonseelsorge Innsbruck. „Wer bei uns anruft, sind häufig Eltern nach Suizidversuchen oder auch erfolgten Suiziden ihrer Kinder – oft auch viele Jahre danach.“ Am Quälendsten ist lange die Frage, ob man es verhindern hätte können.

Auf Warnsignale achten

Im Nachhinein sieht man – manchmal – Warnsignale, denen man zu wenig Beachtung geschenkt hat: Aufsässigkeit, Wutausbrüche, Interesselosigkeit, Zurückgezogenheit. All das sind auch „normale“ Begleiterscheinungen der Pubertät und insofern schwer zu deuten. Die Zeitspanne vom Kind zum Erwachsenen ist eine sehr empfindliche Entwicklungsphase, eine Krisenzeit, diesen Lebensabschnitt gut zu meistern eine Herausforderung. Kommen dazu noch Ereignisse wie die Trennung vom Freund/von der Freundin, Kränkungen, schulisches oder berufliches Versagen oder Streitigkeiten in der Familie, kann das der Auslöser für Suizidversuche oder gar Suizide sein. Feinfühlige, furchtlose, impulsive junge Menschen sind besonders gefährdet. Ihnen geht der Schmerz über solche Ereignisse besonders nahe. Der Suizid ist eine Möglichkeit den Schmerz, von dem man glaubt er hört nie auf, zu beenden.

Zuhören mit Einfühlungsvermögen und Respekt

Große Aufmerksamkeit ist also angebracht, auch von Seiten gleichaltriger Freunde und Freundinnen, da denen meist mehr anvertraut wird, als den Eltern. Ein großer Schritt ist getan, wenn der Jugendliche so viel Vertrauen fasst, dass er über sein Problem spricht. Zuhören mit Einfühlungsvermögen und Respekt ist dabei wichtig. Mögliche Suizidgedanken sollten offen und taktvoll angesprochen werden. Des Weiteren geht es darum vorsichtig Hoffnung zu wecken, dass sich die Situation ändern kann. Das gelingt nicht durch vorschnelles Trösten, sondern dadurch, dass man dem Jugendlichen seine Stärken und Fähigkeiten wieder bewusst macht. Vielleicht gelingt es gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie sich die schwierige Situation zumindest ein wenig erleichtern lässt. Wenn man nicht mehr weiter weiß, ist es wichtig sich Rat zu holen – vielleicht als erstes bei einem vertraulichen Anruf bei der Telefonseelsorge 142, ein Mail an www.onlineberatung-telefonseelsorge.at und in der Folge bei einem Kinder- und Jugendpsychiater oder Psychotherapeuten.

Der Weltsuizidpräventionstag

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2003 erstmals den 10. September als Weltsuizidpräventionstag ausgerufen. Seitdem finden jährlich an diesem Datum Veranstaltungen statt, die vorwiegend von Organisationen aus dem Gesundheitsbereich bzw. der Suizidprävention veranstaltet werden.
Die WHO begründet die Ausrufung dieses Aktionstages damit, dass Suizid eines der größten Gesundheitsprobleme der Welt darstelle. Jährlich nehmen sich rund 1 Million Menschen das Leben. Das bedeutet, dass dabei jährlich mehr Menschen ums Leben kommen als durch alle Kriege der Welt zusammen. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind Suizide sogar die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen.

Terminhinweis:

Am 28.September findet im Leokino vom Tiroler Bündnis gegen Depression (Telefonseelsorge ist Mitglied) eine Filmvorführung mit Podiumsdiskussion zum Film „Der letzte schöne Tag“ statt. Es geht dabei um eine Familie, in der ein Suizid stattfindet.
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