03.08.2016, 12:08 Uhr

Ein Jahr Gratiszahnspange

V.l.: Dr. Peter Schwärzler (VÖK), Dr. Martin Brock (Präsident VÖK) und Mag. Andreas Hermann (trigger research). (Foto: VÖK)

der VÖK zieht ein Jahr nach Einführung der Gratiszahnspange Bilanz. Fazit: Sie ist eine gute Idee, die schlecht umgesetzt wurde.

TIROL. Vor einem Jahr wurde die Gratiszahnspange eingeführt. Je nach schwere der Fehlstellung haben Kinder unter Jugendliche unter 18 Jahren Anspruch auf eine kostenlose Zahnspange. Der Verband Österreichischer Kieferorthopäden (VÖK) gab eine Umfrage zur kostenlosen Zahnspange in Auftrag.

Ergebnisse der Umfrage in Zahlen

Die Umfrage zur Krankenkassenzahnspange wurde von trigger research durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 221 Kieferorthopäden. Aus Tirol nahmen 25 Kieferorthopäden teil.
  • Gratis-Zahnspange ist eine gute Idee, die schlecht umgesetzt wurde: tirolweit 56 Prozent, österreichweit: 59 Prozent)
  • Einführung verlief chaotisch: tirolweit 76 Prozent, österreichweit 71 Prozent
  • Der bürokratische Aufwand ist massiv gestiegen: tirolweit 76 Prozent, österreichweit 91 Prozent
  • Bei 78 Prozent der VertragsärztInnen sind die Neuanfänge gestiegen
  • Bei 38 Prozent der Kieferorthopäden ohne Vertrag sind die Neuanfänge gestiegen.


Auch wenn die Einführung der Zahnspange für viele ein Vorteil ist, blieben die Neuanfänge unter den Erwartungen, so der VÖK. Gleichzeitig gibt es einige Kritikpunkte.

Problematik bei der Einstufung für eine Krankenkassenzahnspange

Die schwere der Fehlstellung - als Voraussetzung für eine Krankenkassenzahnspange - wird auf einer Skala von 1 bis 5 (IOTN) festgehalten. Erst bei einer massiven Fehlstellung von 4 bis 5 besteht ein Anspruch auf die kostenlose Zahnspange. Allerdings funktioniert die IOTN-Einstufung nicht einwandfrei, so Peter Schwärzler, Bundesländer-Vertreter Tirol im VÖK und Vertragskieferorthopäde in Schwaz.

Bewertung ausschließlich nach IOTN-Einstufung

Die Gratiszahnspange ist rein von der Schwere der Fehlstellung - also medizinischen Kriterien - abhängig. Es gibt keinerlei soziale Staffelung. So haben Kinder mit einer weniger schweren Fehlstellung keinen Anspruch auf die Krankenkassenzahnspange. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Altersgrenze mit 18 festgelegt ist. Das bedeutet, dass auch Jugendliche mit Wachstumsstörungen danach keinen Anspruch mehr haben, so der VÖK.

Titel "Kieferorthopäde" ist in Österreich nicht anerkannt

Für Patientinnen ist es nicht immer leicht, einen passenden Spezialisten bei schwerer Kieferfehlstellung zu finden. Die Kriterien für eine Vertragsvergabe sind nicht einheitlich geregelt. Das Problem entsteht dadurch, dass in Österreich die Titelführung "Kieferorthopäde" trotz vorhandener universitärer Ausbildung nicht erlaubt ist. Es gibt keine staatliche Anerkennung.

Über den Verband Österreichischer Kieferorthopäden

Gemeinsam mit den Universitäten Graz, Innsbruck und Wien kämpft der VÖK seit seiner Gründung im Jahr 1997 im Sinne des PatientInnenschutzes für die Einführung des Fachzahnarztes für Kieferorthopädie in Österreich. Der Verband Österreichischer Kieferorthopäden vertritt 352 kieferorthopädisch tätige ZahnärztInnen in Österreich. Öffentlichkeitsarbeit, PatientInneninformation und Qualitätssicherung sind die Hauptziele des Verbandes.

Weitere Informationen unter: www.voek.or.at
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