28.04.2016, 12:47 Uhr

Xund Essen – Tipps von Angelika Kirchmaier

Man muss nicht komplett auf Burger und Co verzichten, wenn man sich gesund ernähren will. Wichtig ist, dass man sich bewusst ist: Die Dosis macht das Gift! (Foto: istockphoto/wundervisuals)

Die richtige Ernährung ist vor allem in stressigen Zeiten wichtig. Sie gibt euch Energie, macht euch leistungsfähiger und hält gesund. Angelika Kirchmaier ist Diätologin und Gesundheitswissenschafterin, schreibt Kochbücher und hat eine eigene Sendung in Radio Tirol. Im folgenden Interview erklärt sie, wa­rum Fast Food nicht immer schlecht ist, ob Stardiäten wirklich funktionieren und vieles mehr.

Burger und Co. gehören einfach dazu. Wie kann ich sie in meine Ernährung integrieren, ohne zu übertreiben oder dick zu werden?
Eine Faustregel, also ein „Maß“ für die Verträglichkeit von Junk gibt es nicht und zwar aus einem einfachen Grund: Jeder ist anders (Körperbau, sportlich/unsportlich usw.), jeder verdaut anders und jeder verstoffwechselt anders. Hinzu kommt, dass jeder von uns jeden Tag wieder anders ist. Zum Vergleich: Einmal ist euch kalt, obwohl es eigentlich gar nicht so kalt ist, aber ihr habt vielleicht nicht so viel Schlaf abbekommen oder es war in der Schule ziemlich stressig – dann reagiert euer Körper komplett anders als an einem chilligen Tag. Und genau so ist es mit der Verträglichkeit von Junk-Food. Einmal schafft es euer Körper locker, den Junk wegzustecken, ein andermal kostet ihn das auch noch die letzte Power. Deshalb: Wenn ihr Stress in der Schule habt, wenn Prüfungen anstehen, wenn es privat ziemlich strong hergeht, dann lasst die Burger Burger sein und holt euch lieber etwas, das euch die nötige Durchhalteenergie gibt. Etwa ein Vollkornweckerl mit Käse oder einen selbstgemachten Vollkornweckerl-Burger mit Salatblatt, Tomaten- und Gurkenscheiben, ein Fleischlaibchen – für die Veggie-Variante in Scheiben geschnittene Knödel, Linsenlaibchen oder Ähnliches. Oder einfach einmal eine Palatschinke aus Vollkornmehl zubereiten, mit Marmelade oder wie einen Wrap mit Salatstreifen, Kresse, Kräutersauce, Lachs, Chili etc. belegen, einrollen und fertig ist der saftige Homemade-Wrap. Ein Apfel, eine Birne oder eine Karotte sind auch gleich eingepackt.

Limos und Energydrinks: Gibt es hier eine Richtlinie , wie viel ich davon maximal konsumieren sollte?

Je weniger, desto besser. Auch hier gibt es kein verträgliches Maß. Eines ist fix: Kein gesunder Körper braucht Limos und schon gar nicht Energydrinks, die ja nichts anderes sind, als eine Hardcore-Variante des Kaffees. Energydrinks können mitunter auch sehr gefährlich werden. Und zwar dann, wenn man beispielsweise Sport treibt und zu wenig Wasser trinkt. Bei den Limos handelt es sich um eine pure Kaloriensuppe – so gesehen könnte man sich die Limo gleich auf Bauch und Hüften „kleben“. Lightprodukte sind keine Alternative, im Gegenteil: Sie können euren Hunger zusätzlich ordentlich ankurbeln. Es gibt eine Faustregel: Wer Junk isst, der soll zumindest nicht auch noch Junk trinken! Der Wasserbedarf für Teenager liegt pro Tag bei circa eineinhalb Litern (lt. DGE = Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Pro Stunde Sport sollte man ca. einen halben zusätzlich trinken. Hier ein Tipp: Vor dem Sport aufs WC gehen und dann auf die Waage stellen, nach dem Sport ebenfalls auf die Waage stellen – der Unterschied auf der Waage ist dein Flüssigkeitsverlust, den du während des Sports hättest ersetzen sollen. Also beim nächsten Mal ein bisschen mehr trinken, als die Waage an Unterschied zeigt. Dann kann dein Körper die Muskeln so richtig gut aufbauen und deine Kalorienverbrennung wird angekurbelt. Ohne Wasser laufen die Kraftwerke in den Zellen nur schleppend an.

Soll ich als „Normalo“ – als durchschnittlich sportlicher Mensch – Powerriegel, Eiweißshakes o.Ä. zu mir nehmen? Bringt mir das etwas?
Nein, das ist absolut unsinnig. Abgesehen davon wirken viele Produkte gar nicht so, wie sie wirken sollten, weil zum Beispiel die Eiweißzusammensetzung nicht optimal gewählt wurde. Man kann sich selbst einen super Eiweißshake mixen: eine Tasse Buttermilch, Sauermilch oder Joghurt mit etwas Wasser vermischt, eine Hand voll Obst, je nach Saison z. B. Erdbeeren, Apfelstücke, Bananenstücke oder weiche Marillen. Keine Exoten nehmen, diese werden entweder bitter oder lassen die Milch ausflocken (z. B. Kiwi, Papaya, Ananas). Dann zwei Esslöffel Haferflocken oder eine Flockenmischung dazugeben und mit dem Mixstab pürieren, eventuell noch mit etwas Milch verdünnen, fertig ist der Eiweiß-Mix. Für einen Powerriegel einfach eine Hand voll Trockenfrüchte (ohne Steine!!!) mit einer halben Hand voll Haferflocken und einer halben Hand voll Nüssen mit dem Pürierstab zu Mus pürieren. Damit die Masse zusammenhält, gebt ihr etwas Marmelade, Honig oder einen Schuss Öl dazu. Dann Kugeln drehen oder Stäbchen formen und in Kokosflocken wälzen. Wer mag, kann auch noch Gewürze mitmixen. Fertig ist der Energieriegel.

Was sind gute und schlechte Fette und wie erkenne ich sie?
Alle weichen Fette sind prinzipiell schon einmal gut, beispielsweise Öl oder eine natürlich weiche Butter wie eine Almbutter. Alle festen Fette werden zu einem großen Teil als Speicherfett verwendet, zum Beispiel Kokosfett.

Ist Süßes grundsätzlich schlecht?
Die Dosis macht das Gift. Dass man Schoko und Co. nicht wirklich braucht, weiß jeder, und dass es keine richtig gesunden Schokis gibt, von denen man Unmengen essen könnte, auch. Also lautet die Devise: je weniger, desto besser.

Schön durch die richtigen Lebensmittel – ist das ein Mythos? Kann ich meine Haut
eventuell durch die Ernährung verbessern?

Bei Teenagern kann Süßes auch manchmal eine Akne verstärken. Am besten probiert man einmal 14 Tage lang, auf Süßes und Junk zu verzichten. Stattdessen täglich zwei bis drei Stück Obst, Salat, Gemüse und Vollkornweckerl essen und viel Wasser trinken. Dann sieht man, was die Haut dazu sagt. Insgesamt gilt natürlich, dass ein gesundes Essen auch die Haut nährt und somit das Hautbild frischer erscheint. Ob die Haut von Natur aus eher grob oder fein ist, lässt sich mit Ernährung aber nicht beeinflussen.

Fleisch essen versus Vegetarismus oder Veganismus: Hier scheiden sich die Geister.
Wenn man einmal zwei oder drei Monate lang ausprobieren möchte, wie sich das anfühlt, dann kann nicht viel passieren. Wenn man aber länger vegetarisch oder vegan essen will, ist es sinnvoll, sich von einem Diätologen beraten zu lassen. Denn wenn man Lebensmittel weglässt, kann es auch Mangelerscheinungen geben, die man oft erst nach Jahren, manche gar erst nach bis zu zehn Jahren (wie einen Vitamin-B12-Mangel) merkt und dann kann es schon zu spät sein.

Abnehmen ohne hungern, geht das? Kann ich allein durch Nahrungsumstellung abnehmen?
Beim richtigen Abnehmen hungert man nie!!! Wer beim Abnehmen hungert, hat eine falsche Strategie erwischt! Um abnehmen zu können, genügt es nicht, einfach weniger zu essen, es braucht auch Sport und – und das ist wohl das Wichtigste – eine Überlistung des inneren Schweinehundes, denn sonst rutscht man immer wieder in seine alten Muster hinein. Abnehmen mit einer Diät ist nicht sinnvoll, es braucht eine Lifestyle-Änderung. Für Teenager ist das gar nicht so einfach. Die Schule nimmt oft den ganzen Tag in Anspruch, da fehlt dann oft die Zeit, um schnell einmal eine Runde Sport zu machen. Umso wichtiger ist es, die Pausen, den Schulweg und den Alltag für Sport zu nutzen. Möglichst in den Pausen hinaus aus der Klasse, die Treppe hinunter- und wieder hinauflaufen. In der Früh nicht direkt vor der Schule aus Mamas Auto aussteigen, sondern ein Stück zu Fuß gehen, genauso nach der Schule. Wenn man sich einmal einen Tag kaum bewegt, dann sind Junk-Food, Softdrinks und Energydrinks ein No-Go.

Ab welchem BMI (Body Mass Index) sollte ich abnehmen?
Ab einem BMI von 25 ist man schon zu „stark“ am Weg. Aber entscheidender als der BMI ist die Fettverteilung. Wenn sich im Bauchbereich die dicken „Würstchen“ zeigen, dann wäre es sinnvoll, etwas zu tun. Denn Bauchfett ist viel gefährlicher als Hüftfett. Stämmige Beine mögen zwar einen selbst stören, aber dem Körper ist es relativ egal, wenn an den Beinen etwas mehr Speck sitzt. Abgesehen davon gibt es für Mädels mit stämmigeren Beinen einen Lichtblick: Das Fett fürs Stillen wird vielfach aus den Beinen mobilisiert. Wer also lange stillt, kann sich meist über schlankere Beine freuen.

Wie sinnvoll sind eigentlich die ­Diäten, die die Stars so machen?
Stardiäten sind absoluter Unsinn.Wenn diese wirklich nachhaltig helfen würden, dann wären nicht immer mehr übergewichtige Menschen auf der Welt. Also allein der Hausverstand müsste einem sagen, dass diese Diäten nichts bringen. Oder doch, sie bringen Geld für die, die so einen Unsinn verfassen.
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