24.08.2016, 15:23 Uhr

40 Millionen wurden in Tiroler Landwirtschaft investiert

LHStv Josef Geisler (Mitte) und Thomas Danzl (2. v. re) mit der Familie Auer (v.li.: Leonhard, Katharina, Marlene und Christoph Auer sowie Gerhard Auer rechts außen), die mithilfe des Landeskulturfonds einen neuen Laufstall errichtete und in diesem Zuge auf Bio umstellte.

Der Landeskulturfonds gilt jedes Jahr als Spiegel der Tiroler Landwirtschaft. Im Jahr 2015 wurden über 40 Millionen investiert. Die Bauern halten sich bei den Investitionen insgesamt zurück.

TIROL. Eines stellt Landeshauptmann-Stellvertreter und Vorsitzender des Kuratoriums des Landeskulturfonds Josef Geisler bei der Pressekonferenz am Hof "Joggner" in Schmirn gleich klar: Die Investitionen, die die Tiroler Bauern tätigen, hängen stark vom Markt ab: "Der Landeskulturfonds ist ein wichtiges Unterstützungsinstrument für die Landwirtschaft. Aufgrund der niedrigen Produktpreise insbesondere bei der Milch, wägen die bäuerlichen Familien Investitionen derzeit stark ab." Der Fond hat das Ziel, Bauernfamilien in Tirol finanziell zu unterstützen und somit die bäuerlichen Strukturen zu erhalten. Seit 2010 sind die Investitionen in der heimischen Landwirtschaft jedoch aufgrund der Marktsituation stark zurückgegangen. Dennoch haben insgesamt 155 Tiroler Betriebe im Jahr 2015 zinsgünstige Kredite vom Landeskulturfonds erhalten.

Verstärkt alternative Betriebszweige

Ein Trend ist ganz klar zu erkennen: Beim Stallbau setzt sich in Tirol der Trend zu besonders tiergerechten Laufställen weiter fort. Die Zahl der Stallbauten für Hühner, Ziegen, Schafe und Pferde nimmt deutlich zu. „Die Bäuerinnen und Bauern schaffen sich neue Standbeine und Produktionssparten“, leitet Geisler aus den Investitionsvorhaben ab.

Regionale Unterschiede

In der Investitionstätigkeit der bäuerlichen Betriebe gibt es regional starke Unterschiede. Im Umfeld starker Kleinsennereien, in denen regionale Spezialitäten hergestellt werden wird allgemein stärker investiert. Auch im Wipptal oder im Stubaital, wo ein Großteil der bäuerlichen Betriebe nach Sterzing liefert und dort höherer Milchpreise erlöst, wird merklich mehr investiert.
Vom vergleichsweise guten Milchpreis des Milchhofs Sterzing profitiert auch die Familie Gerhard und Marlene Auer vom Hof „Joggner“ in Schmirn/Madern auf 1.600 Metern Seehöhe. 2010/2011 hat die Familie Auer als einer der letzten Vollerwerbsbetriebe in Schmirn mit viel Eigenleistung um 380.000 Euro einen besonders tiergerechten Laufstall errichtet und von konventioneller auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt. Zum Zeitpunkt des Umbaus war der Betrieb Lieferant bei der damaligen „Tirol Milch“. Seit zwei Jahren liefert die Familie Auer rund 80.000 kg Biomilch an den Milchhof Sterzing. „Der deutlich höhere Milchpreis erleichtert uns die Betriebsführung stark“, erklären Gerhard und Marlene Auer. Im Zuge des Neubaus stieg der Betrieb von konventioneller auf biologische Wirtschaftsweise um. "Trotz der vielen Auflagen rentiert sich BIO auf alle Fälle. Wir bekommen vom Land dahingehend viel Unterstützung", so Gerhard Auer.

Investitionsstopp wäre Aus für Landwirtschaft

„Ein Stallbau ist ein finanzieller Kraftakt. Stallbauen in Tirol bedeutet hohe Investitionen, aber nicht zwingend Mehrerlöse. Deshalb braucht es auch entsprechende Unterstützung“, weiß LHStv Geisler. Investitionen genau zu prüfen, sei grundsätzlich richtig. „Ein Investitionsstopp in der Tiroler Landwirtschaft würde jedoch bedeuten, dass zahlreiche Stalltüren für immer schließen. Deshalb müssen wir alles daran setzen, die bäuerlichen Betriebe und die flächendeckende Bewirtschaftung in Tirol zu erhalten“, so Geisler. Dazu gehöre neben der Unterstützung von Zukunftsinvestitionen durch zinsgünstige Darlehen, wie es sie etwa auch in der Wohnbauförderung gibt, auch die zusätzliche Hilfestellung in Krisensituationen.
Seit März 2014 ist der Milchpreis um mehr als ein Drittel gesunken. Aktuell erhalten Tirols Milchbauern 27,3 Cent netto für einen Kilo gentechnikfreie Standardmilch. Das bringt vor allem jene Betriebe in Bedrängnis, die in den vergangenen Jahren mit Fremdkapital in neue oder verbesserte Produktionsstätten investiert haben, führt der Geschäftsführer des Landeskulturfonds, Thomas Danzl, aus. 60 Anträge auf Ratenstundungen mit Laufzeitverlängerung von Darlehen sind in den vergangenen Wochen beim Landeskulturfonds eingelangt. Im Herbst werden nochmals bis zu mehrere hundert Anträge erwartet.

Tierwohl hat Priorität

Zentraler Tätigkeitsbereich des Landeskulturfonds ist die Finanzierung von Baumaßnahmen in der Landwirtschaft über zinsgünstige Darlehen. Im Jahr 2015 hat der Landeskulturfonds 155 Investitionskredite mit einer Darlehenssumme von mehr als 18 Millionen Euro und Baukosten von über 40 Millionen Euro vergeben. Ein Großteil der Investitionen waren Stallbauten. „Tirols Bäuerinnen und Bauern legen großen Wert auf eine artgerechte Tierhaltung. Zwei Drittel aller Rinderstallbauten sind Laufställe“, führt Danzl aus. Investitionen in die Landwirtschaft sind gleichzeitig Kraftstoff für die regionale Wirtschaft. „Da die gesamte Darlehenssumme mittels Rechnungen nachgewiesen muss, fließt die Förderung direkt in die heimische Wirtschaft und sorgt dort für Beschäftigung“, so Danzl.
Insgesamt hat der Landeskulturfonds Darlehensforderungen gegenüber ca. 3.200 Bäuerinnen und Bauern in der Höhe von 133 Millionen Euro. Die Zahl der DarlehensnehmerInnen hat sich in den vergangenen Jahren verringert, die beantragten Darlehenssummen steigen jedoch stetig und lagen 2015 bei durchschnittlich 118.000 Euro. Darin zeigt sich, dass die Vieh haltenden Bäuerinnen und Bauern immer größere Summen zur Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung aufwenden müssen und die Eigenkapitaldecke immer dünner wird.

Bilanz Landeskulturfonds 2015 in Kürze

  • 18,3 Millionen Euro Darlehenssumme für 155 bäuerliche Betriebe lösten Bauinvestitionen von 41,5 Millionen Euro aus.
  • Die durchschnittliche Darlehenshöhe betrug 118.000 Euro.
  • 119 Stallbauten wurden 2015 finanziert, davon 73 Rinderställe, davon wiederum 49 Rinderlaufställe.
  • Finanziert wird der Bau landwirtschaftlicher Wirtschaftsgebäude wie Stall, Stadel und landwirtschaftliche Garagen (keine Unterstützung gibt es für den privaten Wohnbereich), Innenmechanisierungen wie Melkanlage, Entmistung und Hallenkran sowie der Ankauf von speziellen Bergbauernmaschinen, die der Extrembetrieb zusätzlich zur Maschinenausstattung des Talbetriebs benötigt. Das sind u.a. Mähtrac, Transporter und Schlepper (Traktoren werden nicht gefördert).
  • Die häufigsten Investitionsbereiche sind: 1. Stallbauten, 2. Tennen und wirtschaftliche Lagerräume, 3. Jauchegruben, 4. Festmistlagerstätten, 5. Alternative Produktionssparten (Legehennenhaltung, Ziegenmilch-Produktion etc)., 6. Almställe
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Benno Trebo aus Innsbruck | 07.09.2016 | 12:45   Melden
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