19.07.2016, 11:35 Uhr

Das Leben als gemeinsamer Tanz

Interaktion, die funktioniert: zuletzt werden alle im Raum zu Tänzer/innen. (Foto: Hannah Müller)

Vergangene Woche fand in Innsbruck bereits zum zweiten Mal das InterActArt Festival statt.

Von Christine Frei

Der Grundstein für seinen Werdegang sei hier in Tirol gelegt worden, sagt der aus Telfs stammende und mittlerweile in Amsterdam lebende Tänzer und Choreograph Christoph Eberl. Daher wolle er seiner ursprünglichen Heimat gerne etwas von dem zurückgeben, was er auf seinem Weg erfahren und erlebt habe. Für dieses hehre Ansinnen hat sich der engagierte junge Mann nicht wenig vorgenommen. Denn das InterActArt Festival, das er quasi im Alleingang organisiert und aus dem Bogen gestampft hat und letzte Woche bereits zum zweiten Mal stattfand, bot neben Tanz-Workshops und einer großen Abschluss-Session im Treibhaus auch noch drei Aufführungen der interaktiven Tanzproduktion "Die Herberge" im Freien Theater, welche Eberl aus seiner Wahlheimat Holland mitgebracht hat und für die er neben Haya Maëla auch als Choreograph verantwortlich zeichnete. Üblicherweise löst Interaktion im Theater selbst bei 'geübten' Theatergeher/innen stets leichtes Unbehagen aus. Das sind dann die Momente, wo man den Kopf einzieht, um nur ja nicht Gefahr zu laufen, einen Blick einzufangen und involviert zu werden. Nicht so bei dieser Produktion. Denn in diesem Tanzstück wird man allein schon durch die Tatsache, dass es keinen spezifischen Platz für die Zuseher/innen und die Tänzer/innen gibt, wie beiläufig und ganz selbstverständlich ins Geschehen miteinbezogen. Zudem traten einem die Akteur/innen mit einer derart respektvollen Achtsamkeit gegenüber, wie man sie sonst wohl nur von den allerengsten und wohlmeinendsten Freunden und Weggefährten kennt. Das eigentlich Faszinierende daran: einzig durch diese kleinen interaktiven Gesten einer Berührung, eines Augenkontaktes, sogar einer Umarmung und Tröstung wurden plötzlich alle im Raum in ihrer Einzigartigkeit als Menschen erkennbar. Das war auch mithin das Ziel des Abends wie des ganzen Festivals. Denn sobald wir uns als Menschen erkennen, können wir einander nicht mehr die Tür weisen. Der berühmte Sufi-Dichter Rumi, dessen Text 'Das Gasthaus' Eberl und Maëla als Vorlage und Inspiration für ihren Tanzabend diente, fand dafür bereits im 13. Jahrhundert Worte, die geradewegs ins Herz und in die Seele treffen: "Dieses menschliche Dasein ist ein Gasthaus. Jeden Morgen ein neuer Gast. ... Sei dankbar für jeden, der kommt, denn alle sind zu deiner Führung geschickt worden aus einer andern Welt."
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