06.10.2016, 06:00 Uhr

Die gratis Alternative zum Auto ist da

Auch beim Stehen muss man nicht absteigen: Das kostenlos mietbare Lastenrad als neue Alternative für Großeinkäufe. (Foto: Barruti)

Verkehr, Parkplatz, Stau: Eine Privatinitiative bekämpft die Nervenkiller der Stadt mit einem Lastenrad.

INNSBRUCK. Schluss mit Parkplatzsuche, Schluss mit Stau: Wer das neue Lastenrad (Lara) kostenlos bucht, hat im Innsbrucker Verkehr einen entspannten Weg. Das Lastenrad wurde auf Initiative fünf junger Menschen in die Wege geleitet und hat damit auch beim Ideenkanal – ein Projekt des Landes zur Förderung von guten Ideen – gepunktet. Ein bisschen finanzielle Hilfe gab es auch. Der Rest wurde durch Spenden hereingeholt, so war es möglich, das 3.700 Euro teure Rad mit E-Bikefunktion anzuschaffen. Matthias Neuner – Mitglied der Lastenradkooperation Innsbruck – erklärt: "Das Ladelimit für das Rad liegt bei 100 Kilo. Es wird gerne für schwere Transporte genutzt. Es passt eine Waschmaschine rein oder Blumenerde, aber es wurde auch schon Fotoequipment für ein Shooting darin transportiert." Zurzeit wird es zirka dreimal die Woche ausgeliehen.


Station Café Crema

Anfangs stand das Lastenrad im Weltladen, nahe des Triumphbogens. Da der Platz vorübergehend knapp geworden ist, wurde die Station verlegt und das Rad ist jetzt im Café Crema – zwischen Maria-Theresien-Straße und Landhausplatz – abzuholen. Der Service ist gratis, das war den InitiatorInnen wichtig: "Wir wollen nichts damit verdienen und machen das alle ehrenamtlich. Auch ist es uns wichtig, dass es die größtmögliche Verbreitung findet", erläutert Neuner.
Wer das Rad ausleihen will, muss sich online auf einer Webseite (www.lastenrad-innsbruck.at) in den Kalender eintragen, kommt zum gewünschten Zeitpunkt ins Café und nimmt das Rad mit. "Die ersten Kratzer tun schon weh. Aber das Rad ist da, um benutzt zu werden", schmunzelt Neuner über die ersten Erfahrungen. Angeben muss man lediglich eine Ausweisnummer, Adresse und Telefonnummer. Nach einem ersten Check, ob auch tatsächlich alles in Ordnung ist (Bremse, Motor, Schloss, Schaltung, etc.), kann es losgehen. Auch die STADTBLATT-Redakteurin nutzte die Möglichkeit, um eine Runde mit dem Lastenrad zu drehen und lang liegengelassene Mehrwegflaschen endlich zurückzubringen.


Erlebnisbericht

Anfangs noch etwas unsicher mit dem Rad, geht es nach einigen Minuten schon wie geschmiert. Auch fällt positiv auf, dass die Räder nicht in den Gleisen hängenbleiben – lediglich fühlt man ein leichtes "Schwimmen", wie das auch mit dem Auto üblich ist, wenn man auf den Gleisen fährt. Beim Lenken des Rades hat man das Gefühl, ein Bootskapitän zu sein – bei jeder Unebenheit spürt man ein gewisses Schwanken. Bergauf ist man dann glücklich, dass das Rad einen Motor hat und auch auf der steilsten Straße kommt man ohne zu schwitzen hinauf. Parken tut man dann beispielsweise zwischen zwei Autos. Eigentlich das passende Konzept für das Chaos, das es zurzeit in der Stadt gibt.
Aufspringen auf diese Idee will die Stadt derzeit aber nicht. Wie Verkehrsstadträtin Sonja Pitscheider betont: "Wir wollen nicht in eine Privatinitiative hineinpfuschen und warten ab, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt."
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