05.08.2016, 10:49 Uhr

SPÖ-Frauen: Neubau des autonomen Frauenhaus dringend notwendig

Seit Jahren verzögert sich der Neubau des Frauenhauses. Und das, obwohl es in Tirol viel zu wenig Plätze gibt. „Uns reicht’s“, sagten heute Gisela Wurm, Selma Yildirim, Gabi Schiessling und forderten endlich Taten ein. (Foto: SPÖ / Hitthaler)

In Tirols Frauenhäusern gibt es zu wenig Plätze für schutzsuchende Frauen. Der Neubau eines autonomen Frauenhauses - 2013 angekündigt - hat noch nicht begonnen.

TIROL. „Uns reicht’s“, sagten die SPÖ-Frauen heute, 04. August, bei einer Pressekonferenz zum Thema Neubau des autonomen Frauenhauses. „Es ist eine Schande, dass es nicht schon längst steht. Diese Bettelei ist unwürdig.“

Zu wenig Plätze in Tirols Frauenhäusern - Neubau noch nicht begonnen

In Tirol sind immer wieder Familien von Gewalt aus der unmittelbaren Familie betroffen oder bedroht. Viele von ihnen müssen jedoch von Schutzeinrichtungen wieder abgewiesen werden, weil es zu wenig Plätze gibt. „Ein Leben frei von Gewalt darf kein Privileg sein, es ist ein Menschenrecht. Dieses Thema können wir gar nicht wichtig genug nehmen“, so SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim und die Frauensprecherinnen der SPÖ in Nationalrat und Landtag, Gisela Wurm und Gabi Schiessling.

Von der Landesregierung wurde der Neubau des Tiroler Frauenhauses versprochen. Bis heute wurde es nicht umgesetzt oder mit dem Bau begonnen. Die SPÖ-Frauen wollen dies nicht mehr länger akzeptieren. Sie werfen der Landesregierung vor, den Schutz von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, zu wenig ernst zu nehmen. Ein neues Frauenhaus würde in wenigen Monaten errichtet werden können, falls der Wille dazu bestehen würde. Bereits 2013 wurde von Landesrätin Christine Baur der Neubau von 16 zusätzlichen Plätze angekündigt.

UPDATE

16 angekündigte Plätze

Die angekündigten 16 Plätze sind bis heute nicht umgesetzt. Dafür gibt es Kritik der SPÖ-Frauen: "Wer um sein Leben fürchten muss, hat nichts von einem Frauenhaus, das sich ‚in Planung‘ befindet. Hier fehlt es seitens des Landes offenkundig an Problembewusstsein.“ In Tirol fehlen mehr als 50 Plätze in Frauenhäusern. In Tirol gibt es 19 Plätze, die Frauenhaus-Kriterien entsprechen. Von der Europaratskonvention wird ein Platz je 10.000 Einwohner empfohlen. Das bedeutet, dass in Tirol rund 70 Plätze notwendig wären. Für die SPÖ-Frauen ist das ein deutliches, gesellschaftliches Signal.: Gewalt gegen Frauen wird immer noch toleriert und verharmlost.

Zahlen, Daten, Fakten zu "Gewalt an Frauen"

  • Jede fünfte Frau in Österreich wird in ihrem Leben Opfer von Gewalt.
  • Österreich war im Bereich Gewaltschutz immer vorbildlich und das soll so bleiben. Kurz vor dem Sommer wurden weitere gesetzliche Maßnahmen beschlossen.
  • Im Bereich der Menschenrechte spielt der Europarat eine wichtige Rolle. Die Istanbul Covention zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt wurde am 11.5.2011 beschlossen und von Österreich ratifiziert.
  • Darin vorgesehen ist ein Frauenhausplatz pro 10.000 Einwohner. Auf Tirol umgelegt bräuchte es daher rund 70 Plätze.
  • Im Autonomen Tiroler Frauenhaus wird großartige Arbeit geleistet. Im Jahr 2014 standen 100 Frauen auf der Warteliste. Zudem ist das Haus sehr sanierungsbedürftig.
  • In Tirol gibt es ein weiteres Frauenhaus, bei dem es ebenfalls lange Wartelisten gibt. In den geschützten Frauenhäusern stehen somit Plätze für 16 Frauen (+ Kinder) zur Verfügung.
  • In manchen Gemeinden wurden – mitunter inoffizielle - Notwohnungen eingerichtet. Die genaue Zahl kennen aber nicht einmal die Beratungseinrichtungen. Laut ihrer Auskunft sind die Einrichtungen oft voll und es gibt lange Wartelisten.
  • Die Finanzierung der Frauenhäuser ist Ländersache.
  • 1051 Personen (83,87% davon Frauen) wurden in Tirol im Jahr 2015 Opfer von häuslicher Gewalt und suchten Hilfe beim Gewaltschutzzentrum. Betroffen sind in diesen Haushalten zusätzlich 655 minderjährige Kinder.
  • Im Jahr 2015 wurden in Tirol 460 Betretungsverbote verhängt. 682 strafbare Delikte wurden angezeigt.

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