30.03.2016, 11:54 Uhr

Spurensuche Van der Bellen: "Ich bin auch ein Flüchtlingskind"

Alexander Van der Bellen auf Wahlkampftour in seiner "alten Heimat" Innsbruck. (Foto: Ranalter)

Im Wahlkampf unterstreicht Van der Bellen seine Tiroler Wurzeln – das STADTBLATT suchte selbige.

Malerische Tiroler Berglandschaften im Hintergrund, "Heimat" in großen Lettern auf den Plakaten – der Wahlkampf von Alexander Van der Bellen für das Amt des Bundespräsidenten fällt aus dem Rahmen. Selten war eine Kampagne eines grünen Politikers (der nun als unabhängiger Kandidat antritt) so konservativ angelegt. Das STADTBLATT machte sich auf die Suche nach den Innsbrucker Wurzeln des Kandidaten.


"War ein mittelmäßiger Skifahrer"

"Meine Familie hat in Innsbruck nur ein paar Gehminuten von der Talstation der Hungerburgbahn entfernt gewohnt. Für Kinder und Schüler gab es damals ganz billige Einheimischenausweise. Schifahren war also finanziell kein Problem. So bin ich oft die paar Minuten zur Talstation gegangen und dann rauf auf die Seegrube und das Hafelekar", erinnert sich Van der Bellen. "Mit Freunden habe ich mir dort selbst das Schifahren beigebracht. Für Tiroler Verhältnisse war ich wohl eher ein mittelmäßiger Schifahrer. Aber wer die steilen Abfahrten vom Hafelekar kennt, weiß, dass mich mit diesem Training kein schwieriger Hang mehr schrecken konnte", witzelt der spätere Professor für Wirtschaftswissenschaften.

"Nie diskriminiert gefühlt"

Seine früheste Kindheit verbrachte "Sasha", wie ihn seine Vertrauten nennen dürfen, im Kaunertal, Schul- und Studienzeit in Innsbruck. "Ich bin ja ein Flüchtlingskind. Meine Eltern sind dreimal vor Lenin, Stalin und dem KGB geflüchtet. Zuerst aus Russland, dann aus Estland, zuletzt aus Wien vor der Roten Armee ins Kaunertal – mit mir als Baby im Rucksack", erinnert sich der langjährige Grün-Politiker. Ich habe mich in Tirol nie auch nur im geringsten diskriminiert gefühlt. Die Lehrerin in der Volksschule, die Lehrer im Gymnasium haben mich behandelt wie jeden anderen auch. Dafür bin ich dankbar", erinnert sich der nunmehrige Präsidentschaftskandidat.

Zweifel nach FPÖ-Aufstieg


"Erst viel, viel später, anlässlich des Aufstiegs von Jörg Haider, kamen mir Fragen in den Sinn wie: Bin ich eigentlich ein echter Österreicher?" Die Antwort ist für den Tiroler Van der Bellen klar: "Ja, bin ich. Hier bin ich zu Hause. Das ist meine Heimat. Soll sich einer trauen, was anderes zu behaupten!"
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