28.06.2016, 11:02 Uhr

Brexit: Keine Panik in Innsbruck

Das britische Parlament muss den Austrittsantrag nun beschließen. In Innsbruck fürchtet man sich davor derzeit nicht.

Durch den bunten Gästemix aus aller Herren Länder fürchtet sich Innsbruck wenig vor dem Brexit.

Unsicherheit und Ratlosigkeit in den Hauptstädten Europas. Nach dem unerwarteten "Ja" der Briten zum EU-Austritt ihres Landes, reiht sich auf internationaler Ebene ein Krisentreffen ans andere. In der Tiroler Landeshauptstadt sieht man den Brexit hingegen deutlich gelassener. "Natürlich hat uns dieses Ergebnis auch erschreckt", betont WK-Stadtobmann Karl Ischia. Doch wie stark sich dieses Ereignis auf die Wirtschaft in der Stadt auswirken wird, ist noch unklar. "Wir sind derzeit dabei zu evaluieren, wie eng die Beziehungen der heimischen Betriebe mit England sind", erläutert Ischia. Mit großen direkten Auswirkungen rechnet er derzeit aber nicht. "Was ich aus etlichen Gesprächen mitbekommen habe, besteht aber die Befürchtung, dass sich bei Ausbildungsprogrammen oder künstlerischem Austausch zwischen den Ländern nun Einschränkungen ergeben", betont Ischia.

Tourismus "gelassen"

Für Josef Hackl, Obmann der Sparte Gastronomie der Wirtschaftskammer, ist der Brexit differenziert zu betrachten. "Was ein möglicher Austritt der Briten aus der EU für die Ferienhotellerie und die klassischen Wintersport-Destinationen in Tirol bedeutet, kann man derzeit nur schwer abschätzen. In einigen Gebieten sind die Briten hier sehr stark vertreten", erläutert Hackl. Innsbruck zähle aber nicht zu diesen Zielen. "Die Landeshauptstadt ist sehr breit aufgestellt. Die Besucher, die in die Stadt kommen, stammen aus aller Herren Länder. Ein Rückgang bei einer Nation macht sich nicht besonders bemerkbar", ist Hackl überzeugt. Besorgt zeigt sich Hackl mehr, was die neue Direktlinie Innsbruck – Heathrow (London) betrifft (siehe Seite 11). "Wenn das Pfund weiter an Wert verliert, wird Urlaub in England für die Tiroler ein Paradies. Umgekehrt verteuert sich aus Sicht der Briten ein Urlaub in Tirol natürlich deutlich. Das kann sich schon bemerkbar machen", mahnt Hackl. Die Flughafenführung zeigt sich diesbezüglich jedoch gelassen (siehe Seite 34). Es werde auch weiterhin genug Briten geben, die sich einen Urlaub in Tirol leisten können.


Uni: "Keine Anfragen"

Auch an der Uni Innsbruck merkt man derzeit noch keine Auswirkungen eines bevorstehenden Brexit. Michelle Heller, Institutional Erasmus Coordinator an der Uni Innsbruck, betont, dass es bis dato noch keine Anfragen von Studenten gäbe, die ein Auslandssemester in Großbritannien absolvieren wollen. "Alle Erasmus-Projekte, die für das Studienjahr 2016/17 genehmigt wurden, können wie geplant stattfinden", betont Heller. Ob es in den Folgejahren zu Einschränkungen kommen wird, werde sich im Laufe der Austrittsverhandlungen zeigen. Dennoch macht die Britin keinen Hehl daraus, was sie von der Entscheidung einer Mehrheit ihrer Landsleute hält: "Die werden noch sehen, was sie sich damit eingebrockt haben!"
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