31.03.2016, 12:18 Uhr

Utopien in der Krise?

Innsbruck: Cafe Katzung |

Die SPÖ-Frauen Innsbruck mit Vorsitzender Mag.a Selma Yildirim luden am 30. März zu einem Referat mit Diskussion mit Mag.a Veronika Knapp zum Thema "Was kommt nach der Wachstumslogik?".

"Der Einfluss der Religionen auf die Politik nimmt deutlich zu, das gibt einem zu denken", meinte Mag.a Veronika Knapp, nachdem sie mit den 18 Frauen im Erker des Café Katzung in der Innsbrucker Innenstadt in einem interaktives Spiel die ungerechte Verteilung der Bevölkerung, des Reichtums und des Energieverbrauchs aufzeigte und von den Grenzen des Wachstums referierte. Die Welt ist offensichtlich in der Krise. Dass gewisse Wachstumsgrenzen bereits überschritten sind, etwa beim Müll oder auch beim Druck in der Arbeitswelt, bemerken inzwischen viele. Dabei sind nicht nur die äußeren Ressourcen, wie Erdöl, Rohstoffe, Wasser und Boden, auf unserer Erde begrenzt, sondern auch unsere persönlichen inneren Ressourcen: Burn-out, Erschöpfungszustände und psychische Erkrankungen machen sich bei den Erwerbstätigen breit, für die die SPÖ über viele Jahrzehnte DIE politische Vertretung schlechthin war.

Überflüssige Personen?


Aber in der heutigen "Zweidrittelgesellschaft" gibt es auch ca. ein Drittel von "überflüssigen Personen", die die Wirtschaft in Zeiten der nahezu unbegrenzten Produktionssteigerung einfach nicht mehr braucht. Sie leiden vor allem unter der alten neuen Ungerechtigkeit bei der Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Noch immer und wohl auch mehr denn je, wird die unsichtbare, unbezahlte Arbeit vor allem den Frauen aufgeladen, die daneben oft nur in Teilzeit arbeiten können, und das oft in schlecht bezahlten oder gar prekären Verhältnissen. Aufgrund der aktuellen Pensionsreform führt das künftig zu einer ungeheuren Welle von Frauenaltersarmut. Wen wundert's daher wirklich, dass auch die Politik, und da vor allem auch die Politik der SPÖ, die früher ja so vehement für die Arbeiterrechte kämpfte, in die Krise geraten ist.

Wachstumsgrenze in der Politik


"Die Politik ist immer ein Schritt vom Ich zum Wir!" meinte Knapp, und dieser Schritt sei in unserer hyperindividualistischen Gesellschaft immer schwerer. Vor allem, wenn die "großen Erzählungen", die Visionen in der Politik gescheitert sind. Längst haben sich viele Arbeitende von der SPÖ oder auch der Gewerkschaft abgewandt. Ein Schicksal, das die SPÖ aber mit der ÖVP und auch der eingangs zitierten Religion teilt! Was da zu denken gibt, das ist, dass manche Religionen und auch gewisse Parteien heute hingegen durchaus auf Interesse bei den Menschen stoßen. Die vom Scheitern der großen Visionen Enttäuschten können und wollen nicht dauerhaft ohne Utopien leben.

Religion und Politik?


So gibt es neue, "unheilige" Allianzen zwischen Politik und Religion, die die etablierten Parteien und Kirchen und ihre weniger werdenden Anhänger mit Unbehagen erfüllen, wie das eingangs erwähnte Zitat zeigt. Unerwähnt blieb: Egal ob es nun rechtskatholizistische oder fundamentalislamistische Strömungen sind: Die ehemals modernen und fortschrittlichen Parteien verlieren seit Jahren an diese an Boden. So haben auch die "Altparteien" die Grenzen ihres Wachstums zu beklagen und sich zudem aus dieser Schrumpfposition heraus den globalen Folgen der Grenzen des Wirtschaftswachstums zu stellen.

Welt im Ungleichgewicht


Das ungerechte Weltbild des Spiels am Anfang der Veranstaltung verdeutlichte den Frauen hingegen deutlich, dass sich auf der Nordhalbkugel der Welt sowohl Bevölkerung als auch Kapital und Energieverbrauch auf Kosten der Südhalbkugel konzentrieren. Die momentanen Migrationsströme zeigen, dass nun auch die südlichen Benachteiligten in den Norden strömen, um am Reichtum teilzuhaben, während wir im Norden allmählich erkennen, dass ein Umdenken in der Wirtschaft nötig ist.

Die von der Referentin geschilderten Lösungswege der Postwachstumstheorie wurden von den anwesenden SPÖ-Frauen noch nicht widerspruchslos akzeptiert, wie die rege Diskussion zeigte. Noch viel Arbeit also für die "Südwind-Tirol" Aktivistin...
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.