30.04.2016, 20:12 Uhr

Immer mehr TirolerInnen von Armut betroffen - AK fordert Anhebung der Mindestlöhne

In Tirol wird die Zahl der Working Poor immer größer. Sie verdienen weniger als 1700 Euro pro Monat. Die AK fordert eine Erhöhung des Mindestlohns (Foto: Pixabay)

Fast 30.000 Tiroler verdienen trotz ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung weniger als 1.700 Euro brutto im Monat. Mindestlöhne müssen erhöht werden.

TIROL. Ein Mindestlohn von 1.700 Euro brutto ist keine Luxusforderung: denn Netto entspricht das einem Monatslohn von 1.310 Euro. Ein Betrag, der angesichts der hohen Kosten für Wohnen und Leben in Tirol als gerade einmal ausreichend bezeichnet werden kann, verlangt AK Präsident Erwin Zangerl eine Erhöhung der Mindestlöhne.

Arbeit muss ausreichend entlohnt werden

In Tirol verdienen rund 30.000 Personen - trotz ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung - weniger als 1.700 brutto im Monat.Gleichzeitig sind In Tirol im Vergleich zu den übrigen Bundesländern die Kosten für Leben und Wohnen überdurchschnittlich hoch. "Trotz Erwerbstätigkeit sind immer mehr Tiroler Haushalte von Armut betroffen, wodurch das Phänomen der „Working Poor“ für viele zusehends zur Realität wird.“, so Erwin Zangerl.

Die Ak und die Gewerkschaften setzen sich für eine nachhaltige Anhebung von Niedrigeinkommen ein. Allerdings sei hier mehrere Maßnahmen notwendig.

Die Forderungen der AK


  • Faire Entlohnung durch schrittweise Anhebung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter auf monatlich 1.700 Euro brutto in allen Branchen.
  • Gleicher Lohn für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit von Frauen und Männern.
  • Korrekte Einstufungen laut Kollektivvertrag.
  • Korrekte Bezahlung der Über- und Mehrarbeitsstunden.
  • Abschaffung kurzer Verfallsfristen von Entgeltansprüchen.
  • Wirksame Umsetzung des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes durch verstärkte Kontrollen mit entsprechender Personalausstattung.
  • Modernisierung des Arbeitsrechts durch Erweiterung des Arbeitnehmerbegriffs: Für sogenannte Scheinselbständige muss der kollektivvertragliche Schutz gelten.


Zahlen und Fakten
  • Gewerkschaften und Arbeiterkammern fordern einen Mindestlohn von € 1.300 netto für alle Beschäftigten, das entspricht einem Bruttolohn von € 1.700.
  • Fast 30.000 Personen in Tirol (29.337 Personen) verdienen trotz ganzjähriger Vollzeitarbeit weniger als € 1.700 brutto im Monat. Das sind 16,1% aller ganzjährigen Vollzeitbeschäftigten in Tirol.
  • In ganz Österreich befinden sich 15,6% der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnbereich. Während sich Tirol beim Anteil der Männer nicht von Österreich unterscheidet (beide 11,2%), liegt der Anteil der betroffenen Frauen in Tirol mit 26,3% höher als im österreichischen Durchschnitt (23,9%). Das ist eine Folge des starken Tourismussektors in Tirol.
  • Fast ein Viertel der ganzjährig vollzeitbeschäftigten Tiroler Frauen (23,9%) muss dem Niedriglohnsegment zugerechnet werden. Bei den Männern liegt der Anteil mit 11% deutlich niedriger.
  • Beschäftigte im Niedriglohnsegment finden sich v.a. im Handel (7.315 Personen bzw. 26% aller ganzjährig Vollzeitbeschäftigten) und im Gastgewerbe (4.497 Personen bzw. 47% aller ganzjährig Vollzeitbeschäftigten in der Branche).
  • Mehr als die Hälfte der Frauen (55%) im Tiroler Gastgewerbe verdienen trotz jahresdurchgängiger Vollzeitarbeit weniger als € 1.700 brutto im Monat.
  • Die niedrigsten Anteile von Beschäftigten im Mindestlohnbereich haben Banken und Versicherungen und der öffentliche Sektor (Verwaltung, Erziehung und Unterricht, Sozialwesen) mit 6% bzw. 7%. Erneut zeigt sich, wie wichtig der öffentliche Bereich für die Stabilität der Einkommen ist, speziell für Frauen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.