04.04.2016, 15:31 Uhr

Tiroler Gewerbe und Handwerk kommen nicht in Schwung

„Es braucht endlich echte Konjunktur-Impulse für das Tiroler Gewerbe und Handwerk“ sind sich KMU-Chef Walter Bornett, Spartenobmann Georg Steixner und Spartengeschäftsführer Ludwig Kössler (v.l.) einig. (Foto: WKT)

Die Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben ein durchwachsenes Jahr 2015 hinter sich. Die Umsätze entwickelten sich mit einem Prozent Wachstum weit unterhalb des BIPs.

Konjunkturmotor kommt nicht in Schwung

TIROL. Die Wachstumszahlen von 2015 im Tiroler Gewerbe und Handwerk liegen unterhalb des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Konjunkturmotor kommt nicht in Schwung. Auch die Aussicht für das kommende Quartal ist getrübt. „Zahlreiche Herausforderungen, wie Preiskonkurrenz sowie der Lehrlings- und Fachkräftemangel, bereiten jedoch vielen Betrieben ernsthafte Probleme.“, so der Spartenobmann Georg Steixner. Der Jahresbeginn war in dieser Branche eher trist, so Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria. „Die Betriebe zeigen sich optimistisch, gleichzeitig lasten fehlende Reformen schwer auf ihren Schultern.“

Reformstau auf politischer Ebene

Georg Steixner sieht die Ursache für diesen Stillstand in fehlenden Reformen. Es bräuchte weitere Maßnahmen, wie den Handwerkerbonus. Dieser bringe den vielen kleinen und mittleren Betrieben wichtige Aufträge. „Dass der Staat hier nicht aktiv wird, ist unverständlich und kurzsichtig. Der Handwerkerbonus wäre eine gute Saat, die Ernte würde dann in einigen Jahren eingefahren werden.“, so Georg Steixner.

Warnung vor einer flächendeckenden Maut

Sowohl Georg Steixner als auch Walter Bornett warnen vor der geplanten Mega-Maut für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf allen Landes- und Gemeindestraßen. Steixner sieht in dieser Maut eine Geldbeschaffungsaktion vom Staat, die den heimischen Betrieben schaden werde. Für Walter Bornett läge die Zusatzbelastung für Tiroler Betriebe durch diese Maut zwischen 60 und 70 Millionen Euro. „Man würde damit vieles, was man mit der Regionalförderung erreichen wollte, wieder kaputt machen.“

Wunsch nach einem Investitionsfreibetrag

In der Tiroler Gewerbe- und Handwerksbranche sinkt die Investitionsquote. Dies wird zum Problem bei Betriebsübergaben. Häufig müssten Betriebe modernisiert werden, um die Auflagen erfüllen zu können. Dafür müsste in die Firmen investiert werden. Aufgrund dieser Kosten verzichten viele auf eine Betriebsübernahme. Um dem entgegen wirken zu können, wäre die Einführung eines Investitionsfreibetrages notwendig. Mit diesem könnten Investitionen wieder angekurbelt werden, so Walter Bornett. 2015 ging das Investitionsvolumen zurück. Nur 62 Prozent der Betriebe haben vergangenes Jahr investiert, dieses Jahr haben dies nur 48 Prozent vor.

Zahlen, Daten, Fakten zur Tiroler Gewerbe- und Handwerksbranche

    Bilanz Geschäftsjahr 2015
  • 37 Prozent der Betriebe meldeten steigende Umsätze gegenüber 2014.
  • Jeder fünfte Betrieb verzeichnete einen Umsatzrückgang.
  • Die nominelle Umsatzsteigerung beträgt daher ein Prozent. Das Gesamtösterreichische BIP stieg im Vergleich um 2,4 Prozent.
  • Die Verkaufspreise der Betriebe erhöhten sich durchschnittlich um 1,2 Prozent. Die preisbereinigte Umsatzentwicklung beträgt -0,2 Prozent.

  • Investitionen
  • 62 Prozent der Betriebe tätigten 2015 Investitionen.
  • Die Investitionssumme pro Beschäftigtem sank von 6.100 Euro im Jahr 2014 auf 5.900 Euro.
  • 48 Prozent der Betriebe wollen 2016 investieren.

  • Problembereiche 2016
  • 65 Prozent der Betriebe sind durch Preiskonkurrenz in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt.
  • 37 Prozent der Betriebe klagen über einen Fachkräftemangel.
  • 14 Prozent finden keine entsprechenden Lehrlinge.

  • Geschäftslage im ersten Quartal 2016
    85 Prozent der Betriebe beurteilen die aktuelle Geschäftslage als „saisonüblich“ oder „gut“ (Vorjahr: 78 Prozent). Per Saldo (Betriebe mit guter abzüglich schlechter Beurteilung) überwiegen die Betriebe mit guter Geschäftslage um 7 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Vorquartal stellt dies jedoch einen Rückgang um vier Prozent dar. Insgesamt hat sich damit das Stimmungsbarometer verschlechtert.
  • In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 2,4 Prozent gesunken.
  • Im konsumnahen Bereich ist der Anteil der Betriebe mit Umsatzrückgang von 15 Prozent auf aktuell 22 Prozent gestiegen.
  • Im konsumnahen Bereich verzeichnen sieben Prozent Umsatzsteigerungen.

  • Erwartungen für das zweite Quartal 2016
  • Drei Viertel der Betriebe erwarten keine Veränderung gegenüber dem zweiten Quartal 2015.
  • 18 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen bzw. Aufträgen.
  • 9 Prozent rechnen mit Rückgängen.
  • Die optimistischen Einschätzungen überwiegen um 9 Prozent.
  • Der Optimismus ist in den letzten Jahren gestiegen.

  • Erhöhung des Personalstands zu erwarten
  • Ein Drittel der Betriebe plant den Personalstand im Laufe des Zeitraums April bis Juni 2016 zu erhöhen.
  • Zwei Drittel der Betriebe plant den Personalstand nicht zu verändern.
  • Fünf Prozent planen, die Zahl der Mitarbeiter zu verringern.
  • Der Beschäftigungsstand sollte somit um 27,6 Prozent steigen.
  • Der Personalbedarf liegt damit deutlich über jenem des Vergleichsquartals des Vorjahres (19,8 Prozent).

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