05.08.2016, 01:37 Uhr

Fledermaus in Neuhaus - nach der Premiere

Orlofsky und sein Diener Ivan
Neuhaus am Klausenbach: Schloss Tabor | Intendant Dietmar Kerschbaum bespielte diese Saison Schloss Tabor im Neuhauser Hügelland mit der Fledermaus. Er ließ die Silvesteroperette in ein Sommerfest um wandeln. Ein mehr als beachtliches Ereignis, ein Juwel der österreichischen Festspielszenerie.

Große, wunderbare Stimmen von Renate Pitscheider (Rosalinde), Dietmar Kerschbaum (Eisenstein), Michael Eder (Gerängnisdirektor Frank), Gustavo Ramos (Alfredo), Claudia Goebl (Adele) wurden unterstrichen durch flüssige, einfallsreiche Regie (Dominik Wildenbus), schrill schillernde Kostümierung (Susanne Özpinar) und markante Personenzeichnungen des Dr. Blind/Ivan Florian Stohr, der lustig leichtfüßigen Ida Tina Schöltzke und des Dr. Falke Miljenko Turk.

Wieder einmal war es der international gefragte Countertenor Thomas Lichtenecker (aus Goberling, Schlaining), der bei starker Bühnenpräsenz als Orlofsky am meisten überraschte. Vollstimmiges Mezzo kam bei den Top Hits "Ich lade oft mir Gäste ein" und "Im Feuerstrom der Reben" über das brav und beschwingt musizierende Brandenburger Jugendorchester, das Maestro Alexander Joel auswendig dirigierte.

Die Handlung wird seit 1874 gleich weitererzählt. Rosalinde und Eisenstein täten vielleicht fremdgehen, wenn nicht was dazwischen gekommen wäre. Alfred brummt für Eisenstein. Prinz Orlofsky empfängt seine Gäste, Rosalinde bleibt maskiert, während Eisenstein unmaskiert entlarvt wird. Das stimmstarke Stubenmädchen Adele kommt beim Gefängnisbesuch nahe an ihr Ziel, sich ausbilden zu lassen, nur der Gefängnisdiener Frosch darf datumsneutral, nüchtern und gescheit agieren.

Ein auflockerndes Ballett, von dem eine Domina mit knöchellangem Haar szenisch auftrat, spielte vielleicht an die 2. Gattin von Johann Strauß an, der man diese Haarpracht nachsagte. Sie starb 1919 als verarmte Fotografin im damals westungarischen Bad Tatzmannsdorf (Tarcsafürdö) und ist dort am Ortsfriedhof begraben.

Der Frosch kam aus dem benachbarten Henndorfer Hügelland. Christof Spörk legte den zwar nicht betrunkenen aber schon nach Uhudler riechenden Gefängniswärter sarkastisch an: "Die kann ich nicht alle einsperrn", er meinte das Publikum. Ein dichtes Politkabarett folgte, was mit entsprechenden Lachern und Zwischenapplaus belohnt wurde. Ein paar könnerische Takte auf der Klarinette musste der "Ex-Globalkryner" bringen: "geht eh ganz leicht..."

Jubel und Tribünengetrampel.

Wirklich zufrieden geht man als Festspielgast den grünen Hügel hinunter zum Parkplatz, begleitet von Grillengezirp und Grummetduft, um die Musik bei der Heimfahrt nachklingen zu lassen.

Seitenblickeerinnerungen: Karlheinz Papst, Dagmar Schellenberger, Walter Reicher, Marianne und Kurt Resetarits, Alfred Kollar mit Doris im silbernen Schuppenkleid u. v. a.
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