05.07.2016, 14:45 Uhr

Den Sommer nutzen: windelfrei ganz ohne Stress

Primar Gerhard Pöppl, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung des Landes-Krankenhauses Kirchdorf an der Krems (Foto: gespag)

Es gibt sie in jedem Bekanntenkreis von Eltern mit kleinen Kindern: Jene Frühzünder, die mit eineinhalb Jahren schon ihre großen und kleinen "Geschäfte" am Töpfchen erledigen.

KIRCHDORF. Eine tüchtige Leistung, die Mamas und Papas von älteren Kindern manchmal verunsichert. Wann der richtige Zeitpunkt ist, um Windeln & Co. aus dem Alltag zu streichen, auf welche Anzeichen Eltern achten sollten oder wie der Sommer genutzt werden kann, um das Kind vielleicht noch vor dem Eintritt in den Kindergarten an die Toilette zu gewöhnen – Primar Gerhard Pöppl, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung des Landes-Krankenhauses Kirchdorf an der Krems, gibt Tipps.

Wichtigster Grundsatz: Geduld

Der wichtigste Grundsatz in Sachen „Windelfreiheit“ ist Geduld, und nicht zu viel Druck auf den Sprössling ausüben. Auch wenn man immer wieder von Kindern hört, die schon sehr früh vermelden, wann sie auf stille Örtchen müssen – der Großteil der Kinder benötigt etwa zwei bis drei Jahre, bis sie überhaupt anfangen, sich für den eigenen Körper zu interessieren. Und auch ab diesen Zeitpunkt kann es noch eine Weile dauern, bis es sinnvoll ist, die Windel dauerhaft zu verbannen. „Die meisten Kinder werden im Alter zwischen drei und fünf Jahren trocken“, so der Kinderarzt. „Es macht überhaupt keinen Sinn, etwas erzwingen zu wollen. Das Nervensystem muss erst ausreifen, damit das Kind überhaupt in der Lage ist, eine volle Blase bewusst wahrzunehmen.“ Wer also zu früh damit beginnt, den Nachwuchs regelmäßig aufs Töpfchen zu setzen, erzielt oftmals den gegenteiligen Effekt und Toilette und Topf sorgen langfristig eher für Unbehagen beim Kind.


Auf die Zeichen achten

Die meisten Kinder vermelden eines Tages ganz von selbst den Zeitpunkt, in denen Eltern mit der Windelentwöhnung beginnen können. „Kinder sind von Natur aus neugierig und möchten ihren Eltern und älteren Geschwistern nacheifern“, so Gerhard Pöppl. "Wenn Ihr Kind also Interesse daran zeigt, Sie auf die Toilette zu begleiten, nehmen Sie es ruhig das eine oder andere Mal mit.“

Ein sicheres Anzeichen dafür, dass Kinder bereit sind, sich von der Windel zu trennen ist, wenn sie anfangen, bestimmte Körperteile und Gefühle zu benennen. Hält das Kind beispielsweise beim Spielen inne und horcht in sich hinein, ist es sehr gut möglich, dass es gerade bemerkt, wie es in die Windel macht. Viele Kinder vermelden diese erstaunliche Neuigkeit dann auch oder fangen im Vorfeld an, hibbelig an ihrer Windel zu zerren.

Den Sommer nutzen

Ist das Kind bereit, so ist die warme Jahreszeit eine gute Gelegenheit, mit dem Üben
anzufangen. Der windelfreie Start ist naturgemäß von einigen Pannen begleitet. „Eltern müssen grade zu Beginn recht schnell reagieren. Muss das Kind dann erst umständlich aus Latzhosen oder Bodys befreit werden, wenn es vermeldet, dass es zur Toilette muss, dann ist es meistens schon zu spät.“ Es empfiehlt sich daher durchaus, das Kind auch mal "unten ohne“ oder in Unterhosen auf einer Decke im Garten spielen zu lassen. Zudem registriert das Kind auf diese Weise auch den Zusammenhang zwischen dem Harndrang und dem Vorgang des Wasserlassens.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang neben Geduld, Ermutigung, Zuwendung und jede Menge Lob der Eltern auch die nötige Konsequenz.

„Missgeschicke gehören dazu und sollten nicht bestraft werden“, sagt der Mediziner, „Eltern, Großeltern oder Geschwister müssen an einem Strang ziehen und dabei nicht aus Bequemlichkeit beim Ausflug in die Stadt oder bei längeren Autofahrten wieder auf die Windel zurückgreifen, um Malheurs zu vermeiden.“

Nach den ersten Versuchen können Eltern ihre Kinder tagsüber immer mal wieder an das kindgerechte Töpfchen oder den Toilettenaufsatz mit Treppe erinnern, wenn sie den Verdacht haben, dass die Blase voll ist. Erst im weiteren Verlauf wird das Kind immer öfter auch morgens mit einer trockenen Windel erwachen. Dann ist es an der Zeit, auch diese zu entfernen. Für die Anfangszeit empfiehlt es sich allerdings, einen wasserfesten Schutz zwischen Matratze und Bettbezug anzubringen.
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