29.04.2016, 14:09 Uhr

"Fischotter frisst Bäche leer"

(Foto: fischersigi)

39 von 64 heimischen Fischarten gelten als bedroht. Fischer sehen Hauptproblem bei den Prädatoren.

BEZIRK (wey). Vor 20 Jahren war er noch vom Aussterben bedroht, heute bringt er so manchen Fischer schier zur Verzweiflung: Die Rede ist vom Fischotter. Rund 500 Tiere leben in Oberösterreich, 35 davon allein im oberen Steyrtal. Der Fischotter hat keine natürlichen Feinde und ist streng geschützt. Durchschnittlich frisst er 1,5 Kilogramm pro Tag. Manche Gewässer sind bereits nahezu leergeräumt. In einigen Flüssen ist der Fischbestand um bis zu 90 Prozent gesunken. Die Fischer stellt das vor große Probleme. "In der Teichl und der Steyr müsste es bei optimalen Bedingungen um die 150 kg Fisch-Biomasse pro Hektar geben", erklärt Landesfischermeister Siegfried Pilgerstorfer aus Hinterstoder. "Wir haben vor Ostern aktuelle Daten erhoben: Tatsächlich sind es nur noch 13 Kilo."

Aber nicht nur der Fischotter, sondern auch Kormorane und Gänsesäger setzen dem Fischbestand zu. Kraftwerke, Gewässer-Regulierungen, Klimaveränderungen und dergleichen tun ihr Übriges dazu, dass die Ökologie aus dem Gleichgewicht geraten ist. Von 64 heimischen Arten gelten laut Pilgerstorfer bereits 39 als bedroht. Für ihn ist es daher höchste Zeit zu handeln. "Wir müssen die Zahl der Fischotter drastisch reduzieren", fordert er. Lösen könne man das Problem letztlich nur mit Hilfe von Zwangsabschüssen. "Mit fünf Fischottern habe ich kein Problem, mit 35 schon", so der Landesfischermeister. Seit vergangenem Jahr gibt es nun einen "Fischotter-Managementplan" mit zahlreichen Maßnahmen, um der Tiere Herr zu werden (siehe unten).

"Fische haben keine Lobby"
"Im Gegensatz zu den `Schädlingen´ haben unsere Fische leider keine Lobby", sagt Manfred Hoffmann, Obmann des Vereins Fischereigemeinschaft Oberes Kremstal. "Einen Fisch kann man eben nicht streicheln, er ist nicht lieb, sein Nachwuchs ist nicht putzig." Die Bäche und Teiche, so Hoffmann, wären längst fischleer, wenn die Fischereivereine die Gewässer nicht regelmäßig mit Fischen besetzten.
"Jahrtausendelang hat der Mensch neben dem Fischotter gelebt und der Otter hat keinen einzigen Fisch ausgerottet", entgegnet Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes OÖ. "Ich bin kein totaler Naturschutz-Hardliner, der sagt, es geht gar nichts. Ich wehre mich aber gegen einseitige Sichtweisen. Es gibt eine ganze Menge an Ursachen, warum Fische sterben. Von einem Abschuss des Fischotters kann jedenfalls noch lange keine Rede sein!"

Fotos: fischersigi, Manfred Hoffmann
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