03.05.2016, 10:51 Uhr

Gerettete Enghagen-Wölfe auf dem Weg nach Griechenland

Die Wölfe sind die letzten Wildtiere des stillgelegten Tierparks, deren Schicksal bis zuletzt noch ungewiss war.

ROSSLEITHEN. Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" brachte Anfang Mai alle fünf Wölfe aus dem stillgelegten Tierpark Enghagen auf den Weg in das nordgriechische Wolfschutzzentrum Arcturos. Die Wölfe sind die letzten Wildtiere des Tierparks, deren Schicksal bis zuletzt noch ungewiss war. Arcturos ist eine sehr renommierte Einrichtung, wo die Tiere den Rest ihres Lebens in artgemäßer Umgebung verbringen können.

„Wir sind alle sehr glücklich, dass wir die Geschichte nun erfolgreich zu Ende bringen konnten“, sagt Indra Kley, Leiterin des Österreich-Teams von VIER PFOTEN. Da die Tiere noch nie zuvor tierärztlich untersucht worden waren, blieb es bis zuletzt spannend: Tierarzt, Univ.Prof. Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, übernahm die medizinische Betreuung.

Tiere in gutem Gesundheitszustand

Erschwert waren die Bedingungen durch das steile Wolfsgelände und den sehr matschigen Boden. Aber als die größte Herausforderung erwies sich das Einfangen und die Betäubung der Wölfe: „Besonders der letzte Wolf, den sich Professor Walzer vorgenommen hat, war wirklich der sprichwörtliche harte Brocken“, berichtet Indra Kley. „Er ist nicht nur der Größte des Rudels, sondern scheint auch der Schlauste zu sein: Er hatte sich in einer selbstgegrabenen Höhle im Gehege versteckt, um dem Tierarzt zu entkommen.“ Walzer konnte jedoch auch ihn letztendlich betäuben und versorgen. Der Gesundheitszustand der Wölfe scheint im Allgemeinen recht gut zu sein, wie eine Erstuntersuchung vor Ort ergab.

Die Vorbereitungen für den Transfer in den letzten Monaten waren neben einer bürokratischen auch eine logistische Herausforderung und verliefen nicht ohne Dramatik: Mehrmals drohte eine Rettung zu scheitern, was nichts anderes als die Tötung der Tiere bedeutet hätte. Denn das Gesetz sieht dies als letzte Möglichkeit vor, wenn Tiere nicht mehr untergebracht werden können. „Für uns war klar, dass das einfach keine Option sein darf“, so Kley. „Es ist aber de facto extrem schwierig, für fünf Wölfe ein artgemäßes Zuhause zu finden. Nachdem wir die Zusage von Arcturos hatten, waren wir dementsprechend erleichtert.“ Die Wölfe werden künftig wesentlich mehr Platz zur Verfügung haben als in dem Gehege in Enghagen.

VIER PFOTEN hatte sich als einzige Organisation für die Rettung der Tiere im stillgelegten Tierpark Enghagen eingesetzt. Im Oktober 2015 konnten die Tierschützer die drei verbliebenen Bären in seinen Bärenwald Arbesbach im Waldviertel bringen. Im Dezember schließlich überstellten sie zwei Berberaffen in das spanische Tierschutzzentrum Primadomus.

Fotos: VIER PFOTEN
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.