21.09.2016, 08:24 Uhr

"Leute suchen wieder die Nähe"

Bio-Heumilch-Tankstelle schafft Werfschätzung für bäuerliche Arbeit

WARTBERG. Die Fam. Kastner, vulgo Guggenberg, kann nach einem knappen halben Jahr Bio-Heumilch-Tankstelle positive Bilanz ziehen. Besonders am Wochenende ist das Interesse der Bevölkerung groß. Denn die Tankstelle ist sieben Tage die Woche von 6:00 bis 21:00 Uhr geöffnet. "Viele unserer Kunden teilen es sich aber auch ein, kommen in der Früh oder gleich nach der Arbeit", erzählt Robert Kastner. Manche von ihnen nehmen aber sogar eine relativ weite Anreise in Kauf: Denn regelmäßig kommen Kunden auch aus Linz, Leonding oder Kirchham nach Schachadorf. "Wir haben aber auch schon Kundschaften aus Wien und eine Familie aus Bayern gehabt, die mit dem Wohnwagen Urlaub gemacht haben, das Schild gesehen haben und dann hergefahren sind. Das waren zwar nur einmalige Kunden, aber es zeigt doch, dass das Interesse da ist", erzählt Heidi Kastner und ihr Ehemann ergänzt: "Da sieht man wirklich, dass die Leute wieder mehr die Nähe zum Produkt und zum Produzenten suchen."

Nah an den Produzenten

Durch das 'Tanken' direkt am Bauernhof wird auch die landwirtschaftliche Arbeit, die hinter dem Produkt steht wieder sichtbar. "Kunden sehen halt zum Beispiel, dass ich gerade beim Melken bin und fragen, ob sie zuschauen können", erzählt Heidi Kastner. "Viele kommen auch extra mit den Kindern, gehen die Kühe streicheln oder spazieren." "Der Konsument kriegt so schon wieder einen Bezug dazu, woher das Produkt eigentlich kommt", bestätigt auch Robert Kastner. "Gerade das ist in den letzten zwanzig, dreißig Jahren doch verloren gegangen. Sie sehen auch wie viel Arbeit dahintersteckt und lernen das Produkt wieder mehr wertschätzen."

Nah am Naturprodukt

Diese Nähe zu den Produzenten ist aber auch kein Muss, denn viele Kunden kennt die Fam. Kastner gar nicht. Unumgänglich bleibt aber die Nähe zum Naturprodukt. Denn die Bio-Rohmilch wurde von Kühen gemacht, die im Sommer Tag und Nacht Zugang zur Weide haben und ansonsten nur 100 Prozent Heu und etwas Getreideschrot fressen. Letzteres wird zugekauft, das Heu kommt aber gänzlich von den 25 Hektar selbst bewirtschafteten Wiesen. Diese Fütterung macht nicht nur geschmacklich einen Unterschied: "Wir haben einige Kunden, die früher keine Rohmilch vertragen haben und zum Beispiel Ausschlag bekommen haben. Sie haben unsere Milch probiert und keine Probleme mehr", erzählt Heidi Kastner.

Weit entfernt von Abfallprodukten

Durch das Einwerfen von einem Euro wird mit Vakuum ein Liter der gekühlten Rohmilch angesaugt und in ein Gefäß gefüllt. "Die meisten Kunden haben selbst eine Flasche mit, wer sie aber vergessen hat, kann auch um einen Euro eine neben dem Automaten kaufen", sagt Robert Kastner. Durch die Wiederverwendung der Gefäße und weil sogar die täglich ausgetauschte Milch für die eigenen Kälber verwendet wird, entsteht durch diese Art des Konsums gar keine Abfallprodukte.
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