15.03.2016, 14:01 Uhr

Sind die Bäume schwach, werden Schädlinge stark

Borkenkäfer (Foto: Wurglits)

Zu den vergangenen zehn Jahren gehörten die fünf wärmsten, seit es Aufzeichnungen gibt.

BEZIRK (wey). "Für die Natur ist die Klimaerwärmung eine mittlere Katastrophe, weil sie sich nicht so rasch an die höheren Temperaturen anpassen kann", erklärt Franz Zehetner von der BH Kirchdorf. Der extrem trockene Sommer des Vorjahrs hat vor allem den Fichten stark zugesetzt. Noch dazu war 2015 ein so genanntes "Samenjahr". "Fast alle Fichten hatten Zapfen. Das raubt dem Baum zusätzlich Kraft", weiß Hans Kammleitner vom Nationalpark-Forstbetrieb. Dem Borkenkäfer kamen diese Bedingungen gerade recht. Zehetner: "2015 müssen wir im Bezirk einen Anstieg des Schadens um das Dreifache, auf rund 20.000 Festmeter, zur Kenntnis nehmen. Besonders kritisch wird es, wenn heuer wieder so ein Sommer kommt." Die Gefahr, dass die Situation weiter eskaliert, sei groß, so Zehetner. Waldbesitzer müssen rasch reagieren und das befallene Holz schnellstmöglich aus dem Wald schaffen, um zu verhindern, dass sich der Borkenkäfer weiter vermehrt. Ab Mitte April wird die neue Käfergeneration ausschwärmen.

154 Borkenkäferarten in Europa

In Europa existieren 154 Borkenkäferarten, wovon zwei als bei uns besonders aggressiv hervorzuheben sind. Der 4-5 mm große "Buchdrucker" schwärmt ab Mitte April, sobald die Temperaturen etwa 16,5 Grad überschreiten. Die Gesamtdauer der Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Käfer beträgt je nach Witterung 6 bis 10 Wochen. Die Jungkäfer sind nach kurzer Zeit fortpflanzungsfähig, sodass zwei bis drei Generationen pro Jahr möglich sind. Die 2. Schwärmphase liegt im Hochsommer (Juli, August). Bei einem heißen und trockenen Witterungsverlauf können in einem einzigen Jahr aus einem Altkäferpaar bis zu 100.000 Jungkäfer entstehen.
Der mit nur 1,6 bis 2,9 mm bedeutend kleinere "Kupferstecher" der bevorzugt schwächere Stämme und Äste befällt und besonders in Dickungen und Jungbeständen Schäden verursacht, hat eine ähnliche Entwicklung wie der Buchdrucker. Teilweise kommen beiden Borkenkäferarten auch gemeinsam vor, wobei der Kupferstecher vorwiegend den Kronenbereich und der Buchdrucker den Stammbereich befällt.

Information des oö. Landesforstdienstes zum Borkenkäferbefall

Die lang anhaltende heiße und trockene Witterungsperiode im vergangenen Jahr hat in vielen Waldgebieten Oberösterreichs zu einer Borkenkäfermassenvermehrung mit überdurchschnittlich hohem Schadholzanfall geführt. Die Gefahr einer weiteren Eskalation der Borkenkäferschäden ist groß.
Vom Landesforstdienst werden daher noch einmal alle Waldeigentümer dringend aufgerufen, noch vor Beginn des neuerlichen Käferfluges umgehende und wirkungsvolle Maßnahmen zur Abwehr weiterer Schäden zu setzen.
Nur durch eine rasche Aufarbeitung der befallenen, befallsverdächtigen, aber auch geschwächter und somit befallsfähiger Bäume und deren umgehender Abtransport aus dem Wald, noch vor dem ab Mitte April zu erwartenden neuerlichen Ausschwärmen der neuen Borkenkäfergeneration, kann eine weitere Verschärfung der Borkenkäfersituation wirksam verhindert werden. Eine gezielte Vorlage von Fangbäumen zur Abschöpfung der dann noch im Wald verbliebenen Käfer ist nur dort sinnvoll, wo die Waldbestände „sauber“ sind.
Alle Waldbesitzer sind aufgerufen, durch entsprechende Maßnahmen eine weitere Borkenkäferübervermehrung zu verhindern.

Erkennen des Befalles:

Je früher ein Borkenkäferbefall erkannt wird, umso wirkungsvoller kann die weitere Ausbreitung von Schäden verhindert werden. Besonders dort, wo schon im vergangenen Jahr Borkenkäferbefall aufgetreten ist, sind günstige Voraussetzungen für eine Borkenkäfermassenvermehrung gegeben. Daher ist das Augenmerk verstärkt auf:
Örtlichkeiten, an denen schon im Vorjahr Käferherde aufgetreten sind,
aufgerissene Bestandesränder und stark aufgelichtete Bestände,
Nadelwaldbestände auf Schotterböden, Trockenstandorte und
einzeln stehende, wurzelgelockerte und intensiver Sonnenbestrahlung ausgesetzte Bäume zu richten.

Ein Borkenkäferbefall beginnt meistens im Bereich des Kronenansatzes schon kränkelnder Bäume und ist anfangs nur bei sehr genauer Beobachtung zu erkennen.

Anzeichen für Borkenkäferbefall sind:
Vergilben der Nadeln, Nadelabfall bzw. Ansammlung von abgefallenen Nadeln
Abfallen von Rindenteilen (bei diesem fortgeschrittenen Befallsbild hat der Großteil der Borkenkäfer den Baum bereits verlassen und gesund erscheinende Nachbarbäume befallen).
Harzfluss und Spuren von Spechttätigkeit am Stamm
Ansammlungen von Bohrmehl an Borkenschuppen und am Stammfuß
Kreisrunde Ein/Ausbohrlöcher mit einem Durchmesser von bis zu 3 mm

Fangbaumvorlage:
Mit der gezielten Vorlage von Fangbäumen, können nach einer sorgfältigen Ausräumung der Käfernester die dann noch im Wald vorhandenen Borkenkäfer abgeschöpft werden. Die Fangbäume sollten rund drei Wochen vor Beginn des Käferfluges (ab Mitte April) vorgelegt sein, damit diese zeitgerecht ihre volle Wirksamkeit haben.

Für Fragen zur Borkenkäferbekämpfung, der Fangbaumvorlage und Wiederaufforstung von Schadflächen stehen, die Förster der Bezirkshauptmannschaften und die Waldhelfer der Bezirksbauernkammern zur Verfügung.
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