13.06.2016, 21:49 Uhr

Tierkinder: Rehkitze geben keinen Geruch ab

Aus aktuellem Anlass: Tipps für den Umgang mit Rehkitzen – vom oberösterreichischen Tierparadies Schabenreith.

Steinbach am Ziehberg, 30. Mai 2016
Freitag, am mittleren Nachmittag: Harald Hofner und seine Frau Doris Hofner-Foltin vom Tierparadies Schabenreith erhalten einen Anruf. Sie sollen sofort mit der Tierrettung ausrücken, weil besorgte Wanderer im Wald ein einsames Rehkitz gefunden und „gerettet“ haben. Kurze Zeit später ist der kleine Rehbock mit dem Schabenreith-Namen „Würmchen“ im Tierheim angekommen. Was das bedeutet: Rund-um-die-Uhr-Pflege, jede Stunde das Fläschchen mit Ziegenmilch geben – und monatelanges Bangen, ob das Tier durchkommen und es ins Jugendlichenalter schaffen wird.
Am Sonntag ist es dann schon wieder soweit. Spaziergänger haben ein Kitz geborgen (wo, das wissen sie nicht mehr so genau …) und wollen es in die Obhut des Tierheims geben. Wieder eine Ausfahrt mit der Tierrrettung, noch mehr Betreuungsaufwand. Doris Hofner-Foltin freut sich über die neuen Schützlinge zwar genauso wie über alle anderen der mehr als 400 tierischen Schabenreith-Gäste, ist aber dennoch über die Entwicklung besorgt.
„Bitte lassen Sie die Rehe im Wald!“ ruft sie alle Tierfreunde –– und solche, die es werden wollen – auf. „Sie brauchen ein Rehkitz nur zu retten, wenn Sie eindeutig feststellen, dass die Mutter erschossen oder von einem Auto angefahren und dabei getötet wurde. Ansonsten rauben Sie dem Jungtier seine Mutter und gefährden sein Leben. Sie nehmen ja auch keinen Kinderwagen mit, den jemand kurz vor einem Geschäft stehengelassen hat, oder?!“
Aus diesem Anlass stellt das Tierparadies Schabenreith allen Interessierten folgenden kleinen Leitfaden für den Umgang mit Rehkitzen zur Verfügung:

Rehkinder riechen nach nichts

Rehkinder haben einen natürlichen Schutz gegen Beutegreifer, Menschen und andere Feinde, weil sie im Gegensatz zur Mutter (Rehgeiß) keinen Geruch abgeben. Das bedeutet: Sobald die Mutter glaubt, dass ihrem Kind Gefahr droht, entfernt sie sich ein Stückchen, um das Kitz zu schützen. Sie lenkt mit ihrem Geruch die vermutete Gefahr von ihrem Kleinen ab. Sieht man also unverletzte Kitze alleine am Boden hocken (Rehe werden bei der Futtersuche von der Mutter abgelegt und sind Platzhocker), steht die Mutter in ca. 99 Prozent aller Fälle in der Nähe, sozusagen „ums Eck“. Sie wird sich ihrem Kind aber so lange nicht nähern, bis die Gefahr ihrer Meinung nach vorbei ist.
Bitte bleiben Sie nicht bei unverletzten Kitzen stehen! Als fremde Menschen werden Sie von der Rehgeiß als Bedrohung wahrgenommen!

Was tun?

Mit einem Feldstecher (zur Not bei einem nahen Haus anklopfen und um eine Leihgabe bitten) das Kitz beobachten – die Entfernung muss dabei mindestens 100 Meter betragen. Begeben Sie sich bitte vollständig aus dem Bereich des Kitzes und positionieren Sie sich gegen die Windrichtung (d. h. wenn der Wind vom Kitz zu Ihnen bläst); am besten auf die andere Straßenseite, einen Hochstand, in einen Hauseingang oder ein Haus. Beobachten Sie die Situation dann von dort aus.
Ein Rehkitz trinkt ca. 16 Mal am Tag; die Milch der Mutter ist reichhaltig, daher überlebt das Kind 12 Stunden ohne Muttermilch. Wenn Sie die 12 Stunden zu Hause abwarten und danach den Ort des Geschehens wieder aufsuchen, besteht die Gefahr, dass sich die Situation wiederholt bzw. wissen Sie nicht, ob die Mutter in der Zwischenzeit nicht vielleicht bei ihrem Kitz war.
Daher bitte unbedingt beobachten wie oben beschrieben. Im Normalfall werden Sie feststellen, dass die Mutter 30 Minuten später wieder ihr Kind aufsucht.

Verletzte Kitze

Wenn Sie nicht sicher sind, ob das Kitz verletzt ist … Neuere Forschungen gehen davon aus, dass Rehkinder, die von Menschenhänden berührt und kurz weggebracht wurden, wieder von der Mutter akzeptiert werden. Dennoch zur Sicherheit: Das Kitz mit Holunderlaub oder einem anderen stark riechenden Laub – ansonsten einfach mit Gras in der Hand – berühren.
Ist das Rehkind bereits von Maden, Zecken und/oder Flöhen bedeckt, müssen Sie leider den Jäger rufen – hier besteht kaum eine Überlebenschance. Ein Transport und ärztliche Untersuchungen wären zu viel Stress für das Tier, aber ohne Aussicht auf Erfolg.
In wenigen Fällen stellt die Mutter fest, dass ihr Kind aus welchen Gründen auch immer nicht überlebensfähig ist, und lässt es zurück. In der Natur würden hier die nichtmenschlichen Fleischfresser zum Zug kommen. Ob Sie einen Jäger holen oder nicht, bleibt Ihrer persönlichen Ethik überlassen.
IM NOTFALL wenden Sie sich bitte an das Tierparadies Schabenreith; Harald Hofner: 0699/100 800 26

***

Das Tierparadies Schabenreith wurde 1993 vom Ehepaar Doris Hofner-Foltin und Harald Hofner gegründet und hat bisher tausenden Tieren in Not geholfen. Spenden an das Tierparadies – das übrigens auch Träger des österreichischen Spendengütesiegels ist – sind steuerlich absetzbar.


SPENDENKONTO:
BAWAG
IBAN: AT22 1400 0467 1040 9714
BIC: BAWAATWW

Tierparadies Schabenreith
Ziehbergstrasse 23
4562 Steinbach am Ziehberg;
E-Mail: www.tierparadies.at

Rückfragen: Harald Hofner
Telefon: 0699 100 800 26
Mail: office@tierparadies.at

Die Ereignisse wurden dankenswerterweise von Peter Hiess zusammengefasst.
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