15.03.2016, 17:57 Uhr

"Wir stehen immer als Naturzerstörer da"

Auf dem Annasberg soll eine neue Forststraße gebaut werden. In erster Instanz wurde das Projekt allerdings abgelehnt. (Foto: Öbf/Federlehner)

Eine neue Forststraße soll mehreren Bauern in Molln die Zufahrt zu ihren Gründen ermöglichen.

MOLLN (wey). Im Juli 2014 berichtete die BezirksRundschau über eine geplante Forststraße auf den "Busserlberg", einen beliebten Ausflugsberg in Molln. Auf Grund der Emotionen, die das Projekt in der Bevölkerung auslöste, wird das Projekt derzeit nicht weiterverfolgt. Stattdessen will der Forstbetrieb Steyrtal der österreichischen Bundesforste (Öbf) nun gemeinsam mit fünf Landwirten weiter oben auf dem Annasberg eine Straße bauen. Betriebsleiter Harald Greifeneder erklärt: "Ein Landwirt wollte eine Straße auf die so genannte Toif errichten, damit er zu seinem Grundstück kommt. Wir haben uns angeschlossen und weitere Bauern ins Boot geholt. Auch sie haben ganz oben Gründe, die derzeit unbewirtschaftbar sind."
Vorläufig wird es allerdings nichts mit der Zufahrt. Die Behörde hat das Projekt "Toifstraße" in erster Instanz abgelehnt. Jetzt liegt es beim Landesverwaltungsgericht und wird neu aufgerollt. Greifeneder: "Wir bauen Straßen nicht per Gaudi, sondern nur, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll sind. Wir sind Profis bei der Planung und haben Spezialisten für Forststraßenbau in extremem Gelände. Ich behaupte, dass wir das wirklich gut können und dafür gibt es viele Beispiele. Im konkreten Fall Toifstraße argumentiert der Naturschutz mit dem Eingriff in die Natur und mit dem Flächenverbrauch. Ich verstehe, dass man das heute sensibler sieht als früher, aber bei dem Vorhaben hätte ich mir null gedacht. Stattdessen stehen wir immer als die großen Naturzerstörer da. Manche glauben, wir haben nichts anderes zu tun, als die Natur zu verschandeln." Greifeneder ärgert sich außerdem, dass er im Nachbarbezirk seine Projekte deutlich einfacher durchbringt. "In Steyr haben wir kaum Probleme, in Kirchdorf schon. Kirchdorf kann aber auch keine andere Welt sein als das Ennstal", sagt er.

Franz Zehetner, Leiter des forsttechnischen Dienstes bei der Bezirkshauptmannschaft, hat früher selbst Forststraßen geplant und ein positives Gutachten erstellt. "Ich sehe bei der Toifstraße kein Problem", sagt er. "Eine Forststraße ist die Lebensader jedes Waldbesitzers. Ohne sie kann er den Wald nicht kleinflächig bewirtschaften, was aber im Naturschutz an und für sich wichtig wäre."

"Sache ist entscheidend, nicht der Antragsteller"

Herbert Jungwirth, Landesnaturschutzreferent des Alpenvereins aus Molln, dazu: "Die Toif ist einer der letzten Waldberge, der im Gipfelbereich noch keine Forststraße hat. Man kann nicht auf persönliche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen - egal, wer der Antragsteller ist, das darf keine Rolle spielen. Ich möchte klarstellen, dass der Öbf kein Feindbild ist. Die Sache ist entscheidend, nicht der Antragsteller. Der Alpenverein hat in der Sache keine Parteienstellung, aber die Gutachten dürften so eindeutig sein, dass dagegen entschieden wurde. Das sollte man respektieren. Ich verstehe den Landwirt, der einen Wald bewirtschaften muss, aber es gibt Grenzen. In der Vergangenheit ist eh sehr viel gegangen und es wird auch künftig noch viel möglich sein. Es kann aber auch nicht sein, dass jede Widmung, jeder Straßenbau etc. von Haus aus bewilligt werden muss. Wäre schon wesentlich früher die Bewilligungspflicht für Forststraßen eingeführt worden, würde es viele davon heute wohl nicht geben."

Bezirkshauptmann Dieter Goppold kann die Enttäuschung der Antragsteller ebenfalls nachvollziehen. "Auf Basis unserer Beurteilungsgrundlagen war aber keine andere Entscheidung möglich", erklärt er und präzisiert: "Das Oö. Natur- und Landschaftsschutzgesetz (Oö. NSchG) hat zum Ziel, die heimische Natur und Landschaft in ihren Lebens- und Erscheinungsformen zu erhalten, sie zu gestalten und zu pflegen und dadurch dem Menschen eine ihm angemessene bestmögliche Lebensgrundlage zu sichern (= öffentliches Interesse am Natur- und Landschaftsschutz). Das bedeutet aber nicht, dass schlichtweg jeglicher Eingriff in die Natur oder die Landschaft verboten und daher unmöglich sind, sondern enthält das Oö. NSchG zahlreiche Regelungen konkrete Verbotszonen bzw. -bereiche, sowie über bewilligungs- und anzeigepflichtige Vorhaben.
Dazu zählt auch der Bau von Forststraßen, der ja verständlicherweise einen Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild darstellt. Zum naturschutzrechtlichen Bewilligungsverfahren wird auch der/die Bezirksbeauftragte für Natur- und Landschaftsschutz beigezogen, die sich in ihrem Gutachten mit dem Vorhaben fachlich auseinandersetzen. Letztlich bildet das Naturschutzgutachten die Basis für die behördliche Entscheidung. Wesentlich und zu beachten ist dabei die Tatsache, dass Sachverständige (und auch Naturschutzbeauftrage zählen dazu) in ihrer Tätigkeit weisungsfrei und unabhängig sind. Vorhaben sind grundsätzlich dann zu bewilligen, wenn `öffentliche oder private Interessen am beantragten Vorhaben das öffentliche Interesse am Natur- und Landschaftsschutz überwiegen´. Im konkreten Vorhaben kann es schon sein, dass das forstfachliche Gutachten positiv ausgefallen ist, naturschutzfachlich wurde das Vorhaben eben negativ beurteilt und es konnte im Bewilligungsverfahren keine andere Entscheidung getroffen werden."
Die Aussage, dass im benachbarten Bezirk der überwiegende Teil der Forststraßen positiv abgewickelt wird, kann Goppold nicht nachvollziehen und beurteilen. "Ich kenne weder die konkreten Vorhaben noch örtlichen Verhältnisse.", Konkret, so der Bezirkshauptmann, besteht die Möglichkeit, die Entscheidung beim Oö. Landesverwaltungsgericht im Beschwerdeweg `überprüfen´ zu lassen."

Problem: Borkenkäferbefall
"Aus meiner Sicht ist das Naturschutzgutachten fachlich nicht nachvollziebar und stellenweise falsch", kontert Harald Greifeneder. "Wenn wir das Projekt nicht zusammenbringen, brauche ich mit gar keinem mehr kommen. Dann darf aber auch keiner sagen, ihr habt dort oben ein Käferproblem. Die meisten Schwierigkeiten mit dem Borkenkäfer gibt es dort, wo man nicht gescheit hinkommt. Eine ordentliche Waldbewirtschaft ist nur dann möglich, wenn es eine entsprechende Aufschließung gibt. Bei einem Befall kann die Behörde sagen, dass aufgearbeitet werden muss. Wir werden aber nicht hinaufgehen."
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